Schlussfeier von Pyeongchang Aufgetaut vom Olympischen Feuer

Die Winterspiele von Pyeongchang sind mit einer bunten Show zu Ende gegangen, bei der sogar so etwas wie Ausgelassenheit aufblitzte. Ein angenehmer Gegensatz zum offiziellen Pathos des IOC.

Aus Pyeongchang berichten und


Den Olympischen Schlussfeiern haftet stets etwas Merkwürdiges an. Normalerweise feiert man, wenn etwas beginnt, der Frühling, der Sommer, die Weihnachtszeit, die Olympischen Spiele. Aber hier feiert man, ja was eigentlich? Dass es jetzt vorbei ist? Vielleicht einfach nur, dass alles gut ausgegangen ist.

Die Winterspiele von Pyeongchang sind nach 17 Tagen zu Ende gegangen, die Olympische Flamme ist erloschen. Sie sind zu Ende gegangen mit einer stimmungsvollen, manchmal sogar fröhlichen Show. Weitaus lebendiger als die in vielerlei Hinsicht überladene Eröffnungsfeier, die vor allem kalte Technik und sehr viel Lautstärke geboten hatte.

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Passend zu den Temperaturen, die zu Beginn der Spiele fast arktisch waren, scheinen die Spiele erst gegen Ende aufgetaut zu sein. Als die Athleten relativ durcheinander gemischt ins Stadion kamen, nicht so strikt aufgeteilt nach Nationen, da konnte man zumindest ein bisschen davon spüren, was solche Spiele immer noch leisten.

Ein bisschen Tanz, ein bisschen Lasertechnik

Die Macher der Show versuchten sich in einem Mix aus E-Gitarre, traditioneller koreanischer Musik und klassischem Orchester. Dazu ein bisschen Tanz, ein bisschen Lasertechnik, Folklore - aber alles nicht zu viel wie noch vor zwei Wochen zur Eröffnung, sondern diesmal alles abgestimmter. Und, was bei der Winterkühle auch immer wichtig ist: Nicht zu lang andauernd. Man kann solche Feiern in zwei Stunden kompakt präsentieren, man muss dafür nicht vier Stunden investieren.

Bei der Präsentation der Fahnen der teilnehmenden Länder fehlte wie zur Eröffnung die russische Flagge. Das IOC hatte sich lange mit der Frage herumgeschlagen, wie mit Russland bei dieser Schlussfeier umgegangen werden sollte. IOC-Boss Thomas Bach hatte den Russen eigentlich alle Wege ebnen wollen, sie schnell wieder in die vermeintliche Normalität zu integrieren. Ihm kamen allerdings die zwei erwischten russischen Dopingsünder bei den Spielen in die Quere, danach wäre es nicht mehr vermittelbar gewesen, Russland mit allen nationalen Symbolen wieder auszustatten, als sei nichts gewesen.

Zwei Russen auf dem Podium im Stadion

Dass bei der während der Schlussfeier vorgenommenen Siegerehrung zum 50-Kilometer-Langlauf der Männer auch zwei Russen auf dem Podest standen, machte das Thema noch einmal für alle sichtbar. Neben der finnischen Siegerfahne wurde zweimal die neutrale Olympiafahne hochgezogen.

Bach als IOC-Präsident oblag es abschließend, die Spiele von Pyeongchang für beendet zu erklären. Verbunden mit den bei diesem Anlass von ihm stets gewählten hohen Worten. Er erinnerte noch einmal an die leichte Annäherung beider koreanischer Staaten, die mit dem gemeinsamen Frauen-Eishockeyteam ihren Ausdruck fand: "Sie haben gezeigt, wie Sport Menschen zusammenbringen kann in dieser instabilen Welt", formulierte er mit dem entsprechenden Pathos. Die Spiele hätten, so Bach "neue Horizonte erschlossen".

Dabei muss man solche Olympischen Spiele nicht überhöhen, man muss sie nicht mit den großen übergeordneten Werten überfrachten, wie Bach es in seiner Rhetorik regelmäßig tut, weil das nun einmal zum IOC-Vokabular dazugehört. Man kann auch einfach feststellen: Die Winterspiele von Pyeongchang haben guten, teilweise überragenden Sport gezeigt, die Wettbewerbe haben wieder weltweit hohes Interesse hervorgerufen. Das ist auch schon etwas.

Die Olympische Fahne wurde, wie bei Schlussfeiern üblich, an den nächsten Gastgeber der Winterspiele übergeben. Es werden erneut Spiele in Asien sein. In vier Jahren wird Peking die Spiele ausrichten, und das wird genug Gelegenheit bedeuten, kritisch auf die Spiele zu schauen. Das Thema Menschenrechte wird eine Rolle spielen, das Thema Umweltzerstörung sicher auch. Das Dopingproblem wird bis dahin nicht gelöst sein. Möglicherweise wird man in vier Jahren sogar ein bisschen wehmütig auf diese Spiele von Pyeongchang schauen.



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