Olympia-ABC Wie "Eric, der Aal" die Welt begeisterte

Es sind nicht immer Höchstleistungen, die Athleten bei Olympischen Spielen zu Stars werden lassen. Lesen Sie im Olympia-ABC von SPIEGEL ONLINE, wie ein afrikanischer Schwimmer in Sydney die Welt begeisterte und eine Beachvolleyballerin für Aufmerksamkeit sorgte.

Von und Jörn Pissowotzki


Mayer, Helene (20.12.1910 – 15.10.1953): Die "blonde He" war bei den Sommerspielen 1936 in Berlin die einzige Jüdin, die für Nazideutschland eine Medaille gewann. Mayer wurde 1928 in Amsterdam Olympiasiegerin im Florettfechten. Vier Jahre später galt sie bei den Spielen in Los Angeles als klare Favoritin, wurde aber nur Fünfte. 1933 wurde ihr von den Nazis aus "rassischen Gründen" das Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für das Scripps College im kalifornischen Claremont entzogen. Da Deutschland jedoch dem IOC bei der Vergabe der Sommerspiele 1936 an Berlin die Zusage gab, jüdische Sportler nicht auszugrenzen, lud Adolf Hitler Mayer als "Ehren-Arierin" ein. Mayer, die zu dieser Zeit immer noch in Amerika lebte, nahm diese Einladung an, was ihr auch Kritik einbrachte. Mayer betonte jedoch, es sei für sie eine Ehre, für Deutschland zu fechten. Nach dem Gewinn der Silbermedaille zeigte sie bei der Siegerehrung im Olympiastadion den "Hitlergruß", und der Diktator soll sie bei einem Empfang in der Reichskanzlei propagandagerecht als "beste und fairste Sportlerin der Welt" bezeichnet haben.

McPeak, Holly (15.5.1969): Die US-amerikanische Beachvolleyballerin gab vollen Einsatz, um ihren Sport attraktiver zu machen. Vor Atlanta 1996 ließ sie sich die Brust vergrößern. Zum Ärger ihrer Partnerin Nancy Reno, einer Kämpferin gegen Sexismus, die strikt sportlich auf sich aufmerksam machen wollte.

Moussambani, Eric (31.5.1978): Ein Millionenpublikum fieberte 2000 mit dem Schwimmer aus Äquatorialguinea. Er wurde zum Fernsehstar, als er für die 100 Meter Freistil im Vorlauf 1:52,72 Minuten benötigte, somit 64 Sekunden über dem Weltrekord blieb und dabei einen sprichwörtlich atemraubenden Schwimmstil zeigte. Medien berichteten, dass der Afrikaner erst acht Monate vorher mit dem Schwimmen begonnen und noch nie solch eine lange Distanz absolviert habe. Weil sich zwei der drei startenden Schwimmer wegen Fehlstarts disqualifizierten, wurde "Eric, der Aal" trotzdem Vorlaufssieger.



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