Olympia-Bewerbung Deutschlands hoffnungsloser Fall

In Leipzig geht es drunter und drüber. Die Olympia-Bewerbung steht nach einer Reihe von Skandalen vor dem Aus. Doch selbst wenn die Sachsen die Kurve kriegen, hätte Deutschland kaum eine Chance, die Sommerspiele 2012 zu erhalten. Das IOC registriert genau die Vorgänge in Leipzig. Und Hamburg als Ersatzkandidat fällt aus.

Von Clemens Gerlach


Logo der Leipziger Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012
DDP

Logo der Leipziger Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012

Hamburg - Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne wird aufmerksam verfolgt, was dieser Tage in Leipzig los ist. "Wir sind genau über die Geschehnisse informiert", bestätigte am Montag eine IOC-Sprecherin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Es ist nicht anzunehmen, dass die neueste Entwicklung in Sachen Olympia-Bewerbung beim IOC große Begeisterung ausgelöst hat.

Am Freitag hatte mit Leipzigs Olympia-Beauftragten Burkhard Jung nach dem Geschäftsführer der Olympia GmbH, Dirk Thärichen, und dem sächsischen Olympia-Staatssekretär Wolfram Köhler ein weiterer Verantwortlicher zurücktreten müssen. Wieder einmal ging es um finanzielle Unregelmäßigkeiten, um Vetternwirtschaft und dubiose Transaktionen. Gegenüber SPIEGEL ONLINE sprach Manfred von Richthofen, Vorsitzender des Deutschen Sportbundes (DSB), von "unsäglichen Vorgängen".

"Beim nächsten schweren Fall wird die Reißleine gezogen", kündigte von Richthofen auf der NOK-Mitgliederversammlung an und präzisierte am Montag seine Aussagen: "Dann muss man überlegen, ob man die Leipziger Olympia-Bewerbung noch mit gutem Gewissen aufrecht erhalten kann." Seine Aufforderung "an Stadt und Land", für schnelle Aufklärung zu sorgen, sei durchaus als "Warnschuss" zu verstehen, so von Richthofen.

Hamburg kann nicht für Leipzig einspringen

Ein Rückzug der Leipziger Bewerbung würde das Ende der Hoffnungen auf die Olympischen Spiele 2012 in Deutschland bedeuten. "Das deutsche NOK hat sich auf Leipzig festgelegt, eine andere Stadt kann nicht nachnominiert werden", hieß es am Montag beim IOC. Somit ist es nicht möglich, Hamburg, das gegen Leipzig in der nationalen Ausscheidung verloren hatte, ins Rennen zu schicken.

Doch selbst wenn in Leipzig plötzlich alles am Schnürchen laufen und, wie allenthalben gefordert, reiner Tisch gemacht werden würde, ist zweifelhaft, dass sich das IOC für die sächsische Metropole erwärmen wird. Den internationalen Sportfunktionären ist seit dem Bestechungsskandal in Salt Lake City viel daran gelegen, ihre Integrität in finanziellen Dingen zu demonstrieren.

"Das IOC legt äußersten Wert auf ein ordentliches und unangreifbares Finanzgebaren", so der deutsche Vizepräsident Thomas Bach. Zehn IOC-Mitgliedern hatten die Vorfälle bei den Winterspielen 2002 das Amt gekostet. In einem Zivilprozess wird derzeit geklärt, welche Rolle der Bewerbungschef für Salt Lake City in dem Korruptionsfall spielte.

"Eine bescheidene und überschaubare Bewerbung"

DSB-Boss von Richthofen ist trotz der chaotischen Vorgänge in Sachsen und illustrer Mitbebwerber wie New York, London und Paris davon überzeugt, dass Leipzig gute Chancen habe, für 2012 den Zuschlag zu erhalten. "Wir haben ein gutes Konzept und bieten Alternativen. Es ist im guten Sinne eine bescheidene und überschaubare Bewerbung", sagte von Richthofen.

Wie die Leipziger Olympia-Kämpfer allerdings national und international das verlorene Vertrauen wieder gewinnen wollen, weiß auch von Richthofen nicht. "Zur Zeit gibt es eine hohe Akzeptanz für die Bewerbung leider nur vor Ort", räumt er ein.

Bundesregierung steht zu Leipziger Bewerbung

Der Bundesverkehrsminister und Ost-Beauftragte Manfred Stolpe (SPD) sprach sich unterdessen im "Tagesspiegel" (Dienstag-Ausgabe) für einen Gipfel der Verantwortlichen von Sport, Politik und Industrie aus, um die Leipziger Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 aus ihrem Tief herauszuholen.

Zuvor hatte die Bundesregierung Leipzig trotz dessen Pannenserie die Unterstützung bei der Bewerbung als Olympia-Stadt zugesichert. Ein konkretes Datum für das von Innenminister Otto Schily (SPD) angeregte Olympia-Gipfeltreffen gibt es es bislang jedoch nicht.



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