Hamburg Olympia-Kritiker scheitern mit Unterschriftensammlung

Schlappe für die Olympiagegner in Hamburg: Bei einer Unterschriftensammlung kamen nicht genügend Stimmen zusammen, deshalb wird es nun keine Stellungnahme der Kritiker im offiziellen Informationsheft geben. Eine Möglichkeit gibt es aber noch.

Olympiakritisches Plakat: Kein Text der Gegner im Informationsheft?
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Olympiakritisches Plakat: Kein Text der Gegner im Informationsheft?


Mit einer Unterschriftensammlung wollten einige Mitglieder der Initiative "NOlympia" dafür sorgen, dass eine achtseitige Stellungnahme der Olympia-Kritiker Bestandteil des offiziellen Informationshefts zur Abstimmung am 29. November wird. Doch daraus wird nichts, weil nicht genügend gültige Stimmen zusammengekommen sind.

10.000 Stimmen hätten gezählt werden müssen, nach eigenen Angaben hatten die Olympia-Kritiker vor einer Woche 10.240 Stimmen abgegeben. Das Landeswahlamt ließ jedoch nach einer offiziellen Überprüfung laut "Hamburger Abendblatt" nur 7674 Stimmen zu, weil viele Unterschriften etwa von Menschen abgegeben wurden, die nicht in Hamburg wahlberechtigt sind.

"Es war keine offizielle 'NOlympia'-Aktion, sondern eine Initiative einiger Mitglieder", sagt "NOlympia"-Sprecher Florian Kasiske SPIEGEL ONLINE. "Das Vorhaben war von vornherein sehr ambitioniert." Innerhalb von nur drei Wochen hatten die Olympiagegner die nötigen Stimmen sammeln wollen. Kasiske kritisierte zudem das für einen Abdruck nötige Verfahren. "Der Text musste schon vor der Unterschriftensammlung fertig sein. Das ist bei der sich täglich verändernden Nachrichtenlage natürlich schwierig."

Hamburg hat Anfang September sein Bewerbungsschreiben für die Olympischen Spiele 2024 zum IOC geschickt, Mitbewerber um die Austragung des Sportevents sind Los Angeles, Paris, Rom und Budapest. Ende November gibt es in der Hansestadt allerdings noch ein Referendum, ob sich Hamburg tatsächlich bewerben soll. Vorher will die Regierung noch die aus ihrer Sicht voraussichtlichen Kosten veröffentlichen.

Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" soll es in dem offiziellen Informationsheft möglicherweise trotzdem einen Text von Olympiagegnern geben. Demnach laufen Gespräche zwischen dem rot-grünen Senat und der Volksinitiative "Stop Olympia". Die Bürgerschaft will demnach aus Fairnessgründen einen olympiakritischen Text aufnehmen. Die Bürgerschaft muss diesem Vorhaben jedoch noch zustimmen.

bka

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insgesamt 4 Beiträge
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m.brunner 25.09.2015
1. Wie immer
Sektierer sind medial gepimpt gegen IKEA und die Mehrheit der Bevölkerung ist aber dafür. Nun sind sie gegen Olympia und die Mehrheit ist auch wieder dafür. Ist das bei Welcome Ref...u..s..auch so? Ist aber in einer Demokratie gut so, die Medien sollten nur nicht immer so tun als seien diese Leute repräsentativ!
albert schulz 25.09.2015
2. der freie Wille benötigt Disziplinierung
Zitat von m.brunnerSektierer sind medial gepimpt gegen IKEA und die Mehrheit der Bevölkerung ist aber dafür. Nun sind sie gegen Olympia und die Mehrheit ist auch wieder dafür. Ist das bei Welcome Ref...u..s..auch so? Ist aber in einer Demokratie gut so, die Medien sollten nur nicht immer so tun als seien diese Leute repräsentativ!
Die Leute entscheiden auch nichts, selbst Oberbürgermeister tun das extrem selten. In Hamburg haben wohl die meisten Zeitungszaren Deutschlands ihre Heimat. Die werden sich zusammengesetzt haben und entschieden, was der Wunsch des Volkes ist. Sie wollen doch nur den minderbegabten Subjekten bei der Meinungsfindung helfen.
PeterPan95 25.09.2015
3.
Es wäre schön, wenn diese ganze Front, die durch die Bezeichnungen "Befürworter" und "Kritiker" aufgebaut wird, auch medial etwas abgerüstet würde. Scheinbar machen einige Hamburger hier erste Schritte, so das mehrere gleichberechtigte Meinungen auch so wahrgenommen werden können. Unterm Strich sind ja viele nicht einfach nur "dafür" oder "dagegen", sondern sehe viele Sachen ähnlich und setzen nur ihre Schwerpunkte in der Bewertung anders. Niemand wird zB. darüber froh sein, dass so eine Veranstaltung viel Geld kostet oder gewissen Baumaßnahmen fordert, die langfristig vermutlich nicht sinnvoll sind. Gleichzeitig ist wohl kaum jemand dagegen, ein solches Fest der Völker und Nationen ausrichten zu dürfen. Unterm Strich muss jeder für sich abwägen, und je informierter das geschieht desto besser für die Demokratie.
plietsch 25.09.2015
4.
Die Sportgegner haben sich in Hamburg ziemlich verzockt, was auch daran liegt, dass sie meist zugezogen sind und Hamburg(er) nicht verstehen. Mit Superlativen (Umweltzerstörung, Turbogentrifizierung, totalitärer Überwachungsstaat, Gigantomanie, Milliardenpleite, ...) erzeugt man traditionell Ekel und nicht Zustimmung, selbst wenn die Richtung der Kritik wichtig ist. Zudem ist Hamburg eine der reichsten Städte auf der Erde und als Kaufmannsmetropole weiß man auch, dass nicht alles im Leben unmittelbar ökonomisch verwertbar sein muss. Das trifft auf den Sport genau so zu wie auf Kunst und Kultur, während man zugleich weiche Faktoren wie Imageaufwertung nicht ignorieren darf, nur weil sie nicht leicht zu monetarisieren sind. Reputation ist eben das A und O in der Stadt. Fußball, Pflege von Parkanlagen, Hafengeburtstag, Marathon, Alstervergnügen etc. kostet erstmal auch mehr Geld als es direkt einspult, sorgt aber zugleich für zufriedene Bürger, viele Gäste und damit auch wieder Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Da schossen die Sportgegner eben über ihr Ziel hinaus und dachten "viel hilft viel", aber dort gilt eher "weniger ist mehr".
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