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Olympische Sommerspiele 2024: Kiels Segelrevier kämpft um seine Klasse

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Segelwettbewerbe in Kiel: Fernab des großen Rummels Zur Großansicht
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Segelwettbewerbe in Kiel: Fernab des großen Rummels

Kiel ist Segelpartner der Hamburger Olympia-Bewerbung für 2024. Der Kieler Woche als international bekanntem Großereignis kommt dabei eine Botschafterrolle zu. Dabei muss sie selbst um ihren sportlichen Wert kämpfen.

Die Kieler Woche verbindet das größte Volksfest Europas mit der größten Segelregatta der Welt. Die Stadt ist in diesen Tagen überfüllt. Die Massen zieht es an die Hörn zu den Konzertbühnen, Fressbuden und Fahrgeschäften. Bereits seit einigen Jahren gibt es manche, die bedauern, dass der Volksfest-Charakter dabei dem Sport die Schau stiehlt. Was auf dem Wasser passiert, draußen am Standort Schilksee, das bleibt vielen verborgen. In diesem Jahr straften nun auch viele Sportler die Wettkämpfe, die an diesem Sonntag zu Ende gehen, mit Nichtachtung.

Der olympische Teil der weltgrößten Regatta war drei Jahre nach dem Verlust des Weltcup-Status' auffällig schwach besetzt - trotz der erstmaligen Auslobung von 54.000 Euro Preisgeld. Während mit 3,8 Millionen Besuchern die Vorjahresmarke deutlich überboten wurde, verzeichneten die Segelwettbewerbe mit nur 269 teilnehmenden Booten in acht olympischen und einer paralympischen Disziplin einen neuen Minus-Rekord. Viele Stars gab es vor allem auf den Showbühnen zu sehen, bei den Wettkämpfen fehlten sie wegen Terminkollisionen mit kontinentalen und weltweiten Titelkämpfen. Und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem die Kieler Woche besonders im Fokus steht.

Als international bekanntes Großereignis soll sie auch künftig eine Botschafterrolle bei der Bewerbung um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 übernehmen. Hamburgs Innen- und Sportsenator Michael Neumann setzt auf die Strahlkraft der Segelregatta: "Die Kieler Woche wird uns aus Hamburger Sicht mit ihrer Tradition und Professionalität sehr nützen", sagte er bei einem Besuch der Veranstaltung.

Die Kieler Woche steckt in einer sportlichen Krise

Der Status von Kiel ist jedoch trotz aller Bekanntheit und Tradition umstritten, sagt der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann. Er beklagt, dass der sportliche Wert der Kieler Woche in den vergangenen Jahren abgenommen habe und hofft, dass die Olympia-Bewerbung der Kieler Woche wieder Rückenwind geben werde.

Die sportliche Krise hat die Kieler Woche als führendes Großereignis im Segeln ins Wanken gebracht. Das sieht auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er warnte: "Der Verlust des Weltcup-Status' birgt die echte Gefahr, in die Zweitklassigkeit abzurutschen. Es muss alles daran gesetzt werden, wieder Weltcup zu werden."

Für die Kieler ist das nichts Neues. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte angesichts der Olympia-Ambitionen im Vorfeld der Veranstaltung angekündigt: "Jetzt ist die Zeit für den Turnaround. Wir werden kämpfen und bei den kommenden Kieler Wochen zeigen, was wir können." Mit der Ausschüttung des hohen Preisgelds sollte bereits in diesem Jahr die Attraktivität erhöht werden - der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus.

Der Weltcup-Status soll zurückerobert werden

Der neue Organisationsleiter Dirk Ramhorst versprach Veränderungen. Er kündigte eine "intensive Analyse verschiedener Zukunftsszenarien für die Kieler Woche" an - sowie eine "proaktive Positionierung" im internationalen Segelsport. "Wir arbeiten hart daran, den Weltcup-Status bis spätestens 2019 zurückzuerobern", sagte Ramhorst.

Schleswig-Holstein will den Segelsport im Land und die Kieler Woche in den Jahren 2015 und 2016 mit zwei Millionen Euro fördern. Für die Bewerbung wertet der Deutsche Segler-Verband seinen Bundesstützpunkt in Kiel auf. Mittelfristig sollen die Bereiche Wettsegeln, Technik und Jugend nach Kiel umziehen. "Wir wollen als Dachverband alles in unserer Macht stehende tun, um die deutsche Olympia-Bewerbung zu unterstützen", sagte DSV-Präsident Andreas Lochbrunner.

Auf den Segelstandort würden große Anstrengungen zukommen, betonte Hörmann. Nur auf Tradition zu bauen, werde nicht reichen. Dennoch zeigt sich der DOSB-Präsident zufrieden mit der Wahl: "Wir sind froh, unsere Entscheidung getroffen zu haben, und wissen, was zu tun ist."

Dass Kiel olympiatauglich ist, hat die Stadt ja bereits zweimal bewiesen.

Mit Material von dpa und sid

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Größte Volksfest Europas?
don.lucio 28.06.2015
ich dachte immer, das Oktoberfest sei das größte der Welt. Nicht?
2. Zwei Jahre in Kiel gelebt
Malte Hedenkamp 28.06.2015
Und bitte mitbekommen, dass es da überhaupt einen Wettkampf gibt. Ich dachte immer die fahren da alle schön unter vollen Segeln ein und fahren dann wieder.
3. Hintergründe?
chemo13 28.06.2015
Warum hat denn Kiel seinen Weltcup Status verloren? Das muss doch Gründe gehabt haben. Und wie will man den Status wieder erlangen? In dem Artikel werden mal wieder keine Hintergrundinformationen geliefert und nur Phrasen und Absichtserklärungen von Politikern und Funktionären wiedergegeben. "Man will" & "Man muss" aber kein wie...
4.
mikado17 28.06.2015
Rostock ist doch eine sehr gute Alternative, über die A20 oder A24 sehr gut an HH angebunden!
5. Kiel ist Mist
merlinberlin 29.06.2015
Unter seglerischen Gesichtspunkten taugt Kiel wenig. Lange Wege auf die Segelbahnen, schreckliche sanitäre Anlagen und bei dem vorherrschenden Westwind immer drohender Dreckswind von Land. Die Aufregung ist doch aber überflüssig: es wurde doch HH dem Favoriten Berlin vorgezogen, um ja nicht zu gewinnen. Der Austragungsort der Segelregatten ist doch eh nicht Kriegsentscheidend.
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