Von Birger Hamann und Sara Peschke
"Best games ever" - mit diesen drei Worten während der Schlussfeier legte der damalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch 2000 die Messlatte so hoch, dass es für nachfolgende Olympische Sommerspiele fast unmöglich schien, so zu glänzen wie Sydney. 2004 in Athen war es schon nicht mehr so heiter und fröhlich wie vier Jahre zuvor in Australien, 2008 im politisch umstrittenen Peking erst recht nicht. Nun also versucht sich London, wo ab Freitag die 30. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit ausgetragen werden.
Die jüngere Geschichte deutscher Olympiateams verlief ganz ähnlich wie die der Spiele: Es ging abwärts. Waren es in Sydney insgesamt 56 Medaillen (13 x Gold, 17 x Silber, 26 x Bronze), die die Bundesrepublik einheimste, gab es in Athen nur noch deren 49 (13/16/20). Peking brachte mit 41 (16/10/15) dann trotz dreier Goldmedaillen mehr die geringste Gesamtausbeute seit der Wiedervereinigung.
"Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir den Maßstab von Peking erreichen können", sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Es klang so, als wäre es für ihn schon ein Erfolg, den Medaillenschwund aufzuhalten.
Kleinster deutscher Olympiakader seit der Wiedervereinigung
Wie aber soll das gelingen, wenn das deutsche Team gegenüber Peking fast 50 Athleten weniger umfasst? Schließlich war nach der letzten von drei Nominierungsrunden des DOSB überall zu lesen: Deutschland schickt die kleinste Olympiamannschaft seit der Wiedervereinigung nach London. Dies hat allerdings eine einfache Ursache: Die Ballsportarten sind schuld. Weil sich im Fußball, Handball, Basketball und Wasserball weder Frauen noch Männer qualifizierten, entsendet der DOSB nur 392 männliche und weibliche Athleten nach London. Vor vier Jahren waren es 440, die nach China reisten.
"Obwohl wir dieses Mal das kleinste Team seit der Wiedervereinigung stellen, ist es nicht weniger leistungsstark als die Olympiamannschaft von Peking", glaubt der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper. Er sieht in der Nicht-Teilnahme vieler populärer Ballsportarten sogar etwas Positives: "So können andere Athleten in den Vordergrund treten."
Das erwarten die Offiziellen vor allem von den Leichtathleten, die mit insgesamt 77 Teilnehmern das größte Kontingent an London-Fahrern innerhalb des DOSB stellen. Größter Goldfavorit unter ihnen ist Diskus-Weltmeister Robert Harting. Auch die Erwartungen an die Schwimmer Britta Steffen und Paul Biedermann sind hoch, ebenso wie an Tischtennisspieler Timo Boll sowie die Turner Fabian Hambüchen und Philipp Boy. Im Blickpunkt stehen zudem die Hockey-Herren, Olympiasieger vor vier Jahren in Peking. Fechter und Reiter, Ruderer und Tennisspielerinnen: Auch hier gehen deutsche Medaillenhoffnungen an den Start.
Aber welcher Sportler kommt für Gold in Frage? Wer kämpft eher um Silber und Bronze, wer hat bei der Medaillenvergabe nur Außenseiterchancen? Und für welchen Athleten gilt eher das olympische Motto: Dabei sein ist alles? SPIEGEL ONLINE analysiert den deutschen Olympiakader.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Olympische Sommerspiele 2012 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH