Von Peter Ahrens
Erfolgsmeldung über Erfolgsmeldung: Alle sechs Bundesliga-Clubs, die in den Handball-Europacupspielen am Wochenende antraten, haben ihre Partien gewonnen. Der deutsche Handball gehört auf Vereinsebene zum Besten, was es gibt.
Bei den Olympischen Spielen im Sommer in London sind die deutschen Handballer nicht dabei.
Genauso wenig wie die Basketballer, die Fußballer, die Wasserballerinnen. Die Ballsportwettbewerbe von London werden annähernd eine Deutschland-freie Zone sein.
In sieben von zwölf möglichen Disziplinen sind die Deutschen vorzeitig in der Olympia-Qualifikation gescheitert. Lediglich die Hockey-Teams von Männern und Frauen und die Tischtennisspieler haben es bisher geschafft, nach London zu kommen. Die Wasserball-Männer, sowie beide Volleyballteams haben bei Ausscheidungsturnieren noch die Möglichkeit, ihnen nachzufolgen. Ohne die Fuß-, Basket- und Handballer wird das London-Aufgebot des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) jedenfalls so klein ausfallen wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung.
Enttäuschung ja - Mega-Flop nein
Für die Aktiven ist das zweifellos eine Enttäuschung. Ein Mega-Flop für den deutschen Sport, so wie es teilweise jetzt in einzelnen Medien gewertet wird, ist es allerdings nicht.
In der Tat frustrierend ist das Aus für die Fußballer. Und hier im Besonderen für die Fußballerinnen. Das Team von Bundestrainerin Silvia Neid war im Vorjahr nicht nur turmhoher Favorit auf den Weltmeistertitel im eigenen Land, auch für die Spiele in London war eine Medaille fest eingeplant. Der Absturz bei der WM kostete jedoch zusätzlich die Olympiateilnahme.
Nadine Angerer, Fatmire Bajramaj und Co. machten es damit den männlichen Kollegen nach. Die von Rainer Adrion betreute U21-Nationalmannschaft, die die Spielberechtigung für das Olympia-Turnier gehabt hätte, vertat ihre Chance auf London durch eine blamable EM-Qualifikation. Der Tiefpunkt war ein 1:4 auf Island - und so finden die Spiele ohne Bundesliga-Jungstars wie Lewis Holtby, Patrick Herrmann oder Ilkay Gündogan statt.
Bei den Fußballern "nicht erste Priorität"
Was die Frauen schmerzt, entlockt den Männern eher ein Schulterzucken. "Es ist zwar nicht so, dass wir mit Absicht ausscheiden. Aber wir müssen klar sagen, dass das Olympiateam bei uns nicht die erste Priorität hat", sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer unverblümt. Die Bundesliga-Clubs haben die Olympischen Spiele ohnehin immer mit Argwohn betrachtet, stören sie doch ihre Saisonvorbereitung.
Die Hand- und Basketballer wären dagegen gerne dabei gewesen, aber so wie sich beide Herren-Teams derzeit präsentieren, war die Olympia-Qualifikation auch nicht zu erwarten. Die Handball-Nationalmannschaft gehört derzeit bestenfalls zur erweiterten Weltklasse. Bei der EM in Serbien im Vormonat, bei der es auch um die Olympiateilnahme ging, hat die Mannschaft von Trainer Martin Heuberger das gespielt, was man von ihr erwarten konnte. Nicht mehr, aber auch nicht viel weniger.
Für die Basketballer, die die London-Plätze ebenfalls bei der EM 2011 verpassten, gilt Ähnliches. NBA-Superstar Dirk Nowitzki allein hebt ein solide-durchschnittliches Nationalteam nicht auf ein Niveau, um mit den Besten mithalten zu können. Das Frauenteam hat sich ohnehin noch nie für Sommerspiele qualifizieren können. Daran hat sich auch für 2012 nichts geändert.
Offiziell betont DOSB-Chef Thomas Bach, das Aus tue "sehr weh". Bei vielen olympischen Einzelverbänden hält sich das Bedauern darüber allerdings in Grenzen - eröffnet es ihnen doch die Chance, sich noch mehr in den medialen Mittelpunkt zu rücken. "Die Ballsportarten tragen eine Olympiamannschaft über das gesamte Turnier", sagt Thomas Weikert, Vorsitzender der AG Spielsport im DOSB. Er muss das qua Amt so sagen. Aber ihre Bedeutung für den Olympia-Spirit ist letztlich überschätzt.
Die Helden der Sommerspiele sind die Schwimmer, die Leichtathleten, die Fechter, die Turner und manchmal gar die Gewichtheber wie 2008 in Peking, als Matthias Steiner zum Gesicht des deutschen Olympiateams wurde.
Für den prestigeträchtigen Medaillenspiegel hatten die Mannschaftssportarten zuletzt ohnehin wenig Bedeutung - nimmt man die Hockeyteams explizit aus, auf die bei den Olympischen Spielen fast immer Verlass war. 1988 holten die Männerfußballer mal Bronze, dasselbe gelang den Frauen 2008 in Peking. Größter Erfolg der Mannschaftsportarten in der jüngeren Vergangenheit war der Silber-Platz der Handball-Männer 2004 in Athen. Olympia-Gold gab es zuletzt 1980 - für die Handballer der DDR.
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