Referendum Mehrheit der Hamburger sagt Nein zu Olympia

Die Olympischen Spiele 2024 finden nicht in Hamburg statt. Die Bürger der Hansestadt stimmten bei einem Referendum gegen die Fortsetzung der Bewerbung um das größte Sportereignis der Welt. Bürgermeister Olaf Scholz räumte die Niederlage ein.

Gewonnen: Plakat von Olympia-Gegnern an der Roten Flora in Hamburg
DPA

Gewonnen: Plakat von Olympia-Gegnern an der Roten Flora in Hamburg


Hamburg soll nicht in das Rennen um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 einsteigen. Beim Referendum stimmten 51,6 Prozent der Hamburger Bürger gegen eine Bewerbung. Eine einfache Mehrheit hätte den Olympia-Befürwortern gereicht.

Das Referendum hatte die Hamburger stärker mobilisiert als andere Themen. Rund 650.000 der 1,3 Millionen Wahlberechtigten gaben in dem vierwöchigen Verfahren ihre Stimme ab. Das entspricht einer Beteiligung von etwa 50 Prozent. "Das Konzept hat gestimmt, aber die Begleitumstände konnten wir nicht beeinflussen. Wir haben gekämpft", sagte Nikolas Hill, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft für die Spiele 2024.

Die Teilnahme am Referendum überstieg vergleichbare Bürgerbefragungen in der Hansestadt deutlich. Am Volksentscheid über die Schulreform fünf Jahre zuvor hatten sich nur 39,3 Prozent beteiligt.

Zuletzt blies den Olympia-Planern nach anfänglicher Euphorie der Gegenwind kräftig ins Gesicht. Im Frühjahr wollten noch 64 Prozent Olympia an die Elbe holen. Doch die Begeisterung bröckelte zusehends. Flüchtlingskrise, Terroranschläge in Paris, abgesagtes Länderspiel in Hannover, DFB-Affäre, Fifa-Skandal, flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik - das alles sorgte für Nachdenklichkeit, Verunsicherung und Abkehr von sportlichen Idealen.

Im Hinblick auf eine mögliche Bewerbung für 2028 hielt sich Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sehr zurück: "Offensichtlich passen der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammen."

Falsche Prognose des ZDF

Gegner und Befürworter lieferten sich lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das ZDF hatte mit einer Prognose die Auszählung eingeleitet, die in einer Umfrage 56 Prozent Zustimmung ausgemacht haben wollte. Ein Fehlurteil. Tatsächlich lagen mit der Auszählung in den ersten Wahllokale die Gegner knapp vorn. Das verfestigte sich auf einen Vorsprung von rund drei Prozent. "Wir haben einen Stimmungswandel in der Stadt bemerkt", sagte Florian Kasiske aus dem Lager der Initiative NOlympia. "Die Menschen sehen, dass es Sachen gibt, wo das Geld besser angelegt ist."

Hamburgs Bürgermeister Scholz: Das Ergebnis ist zu akzeptieren
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Hamburgs Bürgermeister Scholz: Das Ergebnis ist zu akzeptieren

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bestätigte im Rathaus das Ende der Bewerbung: "Hamburg wird sich nicht um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben. Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht, aber sie ist klar, und das Ergebnis ist zu akzeptieren."

Für Scholz ist die Absage ein unerwarteter Tiefschlag. Er hatte Olympia als wichtigstes Projekt der Legislaturperiode ausgegeben. Die Stadtentwicklung sollte bis 2024 auf einen Stand gebracht werden, der normalerweise 20 bis 30 Jahre in Anspruch genommen hätte.

Zusätzliche Bedenken hatten in der Hansestadt wegen der ungeklärten Finanzierung geherrscht. Der Bund sträubte sich selbst wenige Tage vor Referendumsschluss, den von Hamburg errechneten Anteil in Höhe von 6,2 Milliarden Euro zu übernehmen. "Es geht um viel Geld. Und da werden wir uns am Ende schon einigen", versuchte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zu beruhigen. Das gelang ihm offensichtlich nicht. Insgesamt sollten die Spiele 11,2 Milliarden Euro kosten. Maximal 1,2 Milliarden hätte die Stadt Hamburg übernommen. Als Erlöse wurden 3,8 Milliarden Euro erwartet.

Olympia scheitert in Deutschland zum siebten Mal

Mit Hamburg scheiterte damit insgesamt die siebte deutsche Olympiabewerbung. Das zweite Mal wurden die Pläne von Bürgern gestoppt, erstmals in München 2013. Im März hatte sich Hamburg noch gegen Berlin als deutscher Olympiabewerber durchgesetzt, weil sich der DOSB an der Elbe mehr Rückendeckung durch die Bevölkerung erhoffte.

Die Kieler Bürgern haben sich dagegen für die Ausrichtung der Segelwettbewerbe ausgesprochen. Bei dem zeitgleich zur Befragung in Hamburg ausgetragenen Referendum stimmten 65,6 Prozent der Wahlberechtigten für die Fortsetzung der Bewerbung um das Sportgroßereignis.

Um die Sommerspiele 2024 bewerben sich damit nur noch Budapest, Paris, Rom und Los Angeles. Dort wird die Bevölkerung jeweils nicht gefragt. Die Entscheidung fällt das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2017 in der peruanischen Hauptstadt Lima.

krä/sid/dpa



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