Olympia 2008 Wada verteidigt Vorgehen bei verschwiegenen Clenbuterol-Fällen

Sorgte verunreinigtes Fleisch für positive Dopingproben? Die Wada versucht, die verheimlichten Nachtests der Sommerspiele von Peking damit zu rechtfertigen. Ermittlungen wären "unfair" gewesen.

Eröffnungszeremonie der olympischen Sommerspiele 2008 von Peking
AP

Eröffnungszeremonie der olympischen Sommerspiele 2008 von Peking


Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat ihr Verhalten in der Affäre um positive Clenbuterol-Fälle bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking verteidigt. "Disziplinarverfahren gegen Athleten mit geringen Konzentrationen, aus Ländern, in denen es ein hohes Risiko von Verunreinigungen gibt, haben nur wenig Aussicht auf Erfolg und wären unfair gegenüber den betroffenen Sportlern", sagte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli.

"Hunderte" ähnliche Fälle seien in der gleichen Weise behandelt worden wie die bei den Olympischen Spielen in Peking. Dort hatten nach Informationen der ARD Nachtests Auffälligkeiten bei mehreren Athleten ergeben, darunter waren auch jamaikanische Sprinter. Sanktionen gab es allerdings nicht, weil offenbar die festgestellten Werte theoretisch auch mit dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch erklärt werden konnten. Um welche Sportler genau es sich handelt, ist unklar.

"Wir räumen ein, dass das Problem der Verunreinung von Fleisch mit Clenbuterol unbefriedigend ist", sagte Niggli weiter: "Seit 2011 hat die Agentur mehrere Studien durchgeführt, um analytische Mittel zu finden, die die pharmakologische Einnahme von Clenbuterol von der Einnahme über verunreinigtes Fleisch unterscheiden können." Dies sei bisher aber immer noch unmöglich.

Die Wada betonte zudem, dass sie seit 2010 mehrere Hundert Clenbuterol-Fälle verfolgt und auch sanktioniert habe. "Die pharmakologische Einnahme von Clenbuterol bleibt nicht unbestraft. Allerdings müssen alle Fälle fair gemanaged werden", hieß es in der Stellungnahme. Einen Grenzwert zur Eröffnung bzw. Nicht-Eröffnung eines Verfahrens in Clenbuterol-Fällen gibt es nicht.

jan/sid



insgesamt 16 Beiträge
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klaus64 03.04.2017
1. Subjektive Beurteilung ?
Eine Bekämpfung von Doping im Spitzensport ist wohl kaum möglich, wenn Ermessensspielräume der Wada eine tiefgründige und lückenlose Aufklärung verhindern können. Es ist an der Objektivität der beauftragten Organisationen zumindest zu zweifeln.
The Restless 03.04.2017
2. Falsch!
Es existiert keine offizielle Regelung, nach der zwischen unterschiedlichen Ursachen einer Kontamination unterschieden wird. Wer Clenbuterol (oder eben andere Mittel, die auf der Dopingliste stehen) im Körper hat, muss grundsätzlich zur Rechenschaft gezogen werden. Alles andere wäre ja auch eine Einladung zur Korruption, aber damit scheint die Wada ja vertraut zu sein..
hf1205 03.04.2017
3. Sehen
wir es doch einmal so, niemand hat ein Interesse daran, dass solche Fälle aufgedeckt werden. Negative Nachrichten stören das Milliarden Geschäft der Sport-Funktionäre. Der niedrige Wert sagt doch eigentlich nur, dass man zwar das Mittel vor den Spielen abgesetzt hat, aber eben noch kleine Restmengen im Körper waren, ein kleiner Rechenfehler halt. Auch Radprofi Contador war vor ein paar Jahren positiv auf Clenbuterol getestet worden. Er hatte die Ausrede verseuchtes Rindersteak gegessen zu haben, was einen Sturm der Entrüstung bei den Bauern hervor rief, während die Wissenschaft der Meinung war, soviel Fleisch könnte man gar nicht essen um auf diese Werte zu kommen. Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass es im Sport genau wie im restlichen Leben nicht immer ehrlich zugeht. Wo Geld im Spiel ist, wird auch immer betrogen. Und auch die WADA hat scheinbar kaum noch Interesse an Aufklärung, denn es sind seit einigen Jahren erstaunlich wenige Sieger positiv aufgefallen, wenn man von den Russen absieht, wo die Aufklärung von innen geschehen ist. Zumal aber auch die Kontrollen in vielen Ländern unterirdisch sind, man schaue nur die Sieger Tabellen der Spiele von Peking und Rio im Bereich Gewichtheben an, da stehen Länder ganz oben, in denen echte Kontrollen nie stattfinden. Während andere Sportler Beispielsweise in Deutschland ständig kontrolliert werden und immer ihren Aufenthalts Ort der NADA mitteilen müssen, verweigern solche Staaten gerne einmal die Zusammenarbeit mit der WADA und verweigern teils sogar die Einreise, wie Nordkorea u.a. Oder Beispiel Leichtathletik, wer glaubt, dass die Muskelpakete der Sprinter aus USA und Jamaika ohne Mittelchen machbar wären, der glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten. Man kann noch soviel Eisen stemmen, solchen Körperbau bekommt man nur mit Protein Drinks trotzdem nicht zustande. Nein, der Glaube an sauberen Sport ist und war schon immer ein Irrglaube. Schade um die ehrlichen Sportler, die ständig um ihre Erfolge betrogen werden, denn natürlich gibt es diese auch.
skeptikerjörg 03.04.2017
4. Unter einer Decke
WADA, IOC, Fachverbände, alle stecken unter einer Decke. Sie wollen sich halt das auf Gewinnmaximierung angelegte Geschäft mit dem internationalen Sport nicht durch konsequente Dopingbekämpfung und dem dann zwangsläufig steigenden Negativimage kaputt machen. Wer zahlt noch Millionen, wenn mehr und mehr zweibeinige Chemie- und Biolabore gegeneinander antreten. Also etwas Placebo bei den ganz krassen Fällen und ansonsten Schwamm drüber. Wer geht schon zu einem Leichtathletikwettbewerb ohne afrikanische Mittel- und Langstreckler und ohne jamaikanische Sprinter?
horstenporst 03.04.2017
5.
Bei den Olympischen Spielen 2008 wurde ein enormer Aufwand bei der Versorgung der Sportler mit Nahrungsmitteln betrieben um genau solch eine Kontamination zu vermeiden. Und jetzt benutzt man man verunreinigte Lebensmittel als Ausrede. Lächerlich.
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