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Doping: Olympiasiegerin Stalman gesteht nach gut 31 Jahren

Sie ist Olympiasiegerin von 1984 und hält bis heute den niederländischen Rekord im Diskuswurf. Aber nach 31 Jahren hat Ria Stalman zugegeben: Ohne Doping hätte sie gegen "diese Kühlschränke" gar keine Chance gehabt.

Nach mehr als 31 Jahren hat die niederländische Olympiasiegerin Ria Stalman ein Dopinggeständnis abgelegt. Stalman hatte 1984 bei den Sommerspielen in Los Angeles Gold im Diskuswurf gewonnen. In der Sendung "Andere Tijden Sport" (Andere Zeiten im Sport) des niederländischen Fernsehens räumte sie nun den Gebrauch anaboler Steroide ein.

Sie habe zweieinhalb Jahre vor Los Angeles mit der Einnahme leistungssteigernder Mittel begonnen, berichtete die heute 64-Jährige. "Ich habe täglich fünf bis zehn Milligramm anabole Steroide eingenommen. Ich wusste, dass es verboten war. Im Training gab es damals noch keine Dopingkontrollen", sagte sie.

Ohne Doping, so Stalman, hätte sie gegen die extrem starken Ostblock-Konkurrentinnen keine Chance gehabt. Das habe sie bei Wettkämpfen in der ehemaligen DDR festgestellt: "Während des Aufwärmens siehst du all diese 'Kühlschränke' herumlaufen und sie haben mich mit 15 Metern Unterschied besiegt. Also habe ich mir überlegt: 'Was kannst du tun, um sie bei Olympia zu schlagen?'", begründete Stalman ihre Entscheidung.

Mit 71,22 Metern hatte sie in Walnut, Kalifornien, bereits einige Wochen vor Olympia in Los Angeles einen niederländischen Diskusrekord aufgestellt, der bis heute gültig ist. Olympiasiegerin wurde Stalman mit 65,36 Metern. Im Diskuswerfen und Kugelstoßen gewann sie insgesamt 15 niederländische Meisterschaften. Direkt nach den Olympischen Spielen 1984 beendete die damals 33-Jährige ihre Karriere.

aev/sid/rtr

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insgesamt 4 Beiträge
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1. 1984
Emmi 08.01.2016
1984 hätte sie vllt. auch ohne Doping gewonnen, denn da waren die Ostblock-"Kühlschränke ja nicht am Start (Revanche-Boykott für Moskau 1980)... Ironie des Schicksals...
2. 1984 Ostblock-Sportler in LA ?
ü60 08.01.2016
Nach dem Westboykot 1980 war doch schon klar, dass 1984 die Retourkutsche des Ostens kommt.
3. @2
bran_winterfell 08.01.2016
Naja, so was lässt sich im Nachhinein immer leicht sagen. Ist auch nicht ganz korrekt, wenn ich mich richtig erinnere. 1980 haben z B Frankreich und Großbritannien die Spiele nicht boykottiert, und 1984 Rumänien nicht ( glaube ich, bin zu faul zum nachschauen). Und zweieinhalb Jahre vor 1984 ist eine ewig lange Zeit, in der viel passieren konnte. Von daher machte das aus Sicht der Sportlerin schon Sinn... ohne ihr Verhalten jetzt moralisch bewerten zu wollen.
4. Chapeau....
RainerOhler 09.01.2016
...zu diesem Gestaendnis. Wenn mehr Sportler diesen Mut haetten, dann koennte ein Anfang gemacht werden fuer sauberen Sport.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)


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