Dopingvorwürfe US-Justiz ermittelt offenbar gegen russische Athleten

Russische Sportler sollen bei den Winterspielen in Sotschi systematisch gedopt haben, das behauptet der Ex-Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors. Laut der "New York Times" hat sich nun die US-Justiz eingeschaltet.

Abschlussfeier in Sotschi
DPA

Abschlussfeier in Sotschi


Das US-Justizministerium hat nach Informationen der "New York Times" ("NYT") Ermittlungen wegen mutmaßlich systematischen Dopings russischer Top-Athleten aufgenommen. Die Zeitung beruft sich dabei auf zwei namentlich nicht genannte Quellen, die mit dem Fall vertraut seien. Die US-Staatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von New York sei federführend.

Die Behörde habe russische Regierungsoffizielle, Athleten, Trainer sowie Anti-Doping-Verantwortliche im Visier, hieß es. Dem Bericht zufolge geht die US-Justiz in diesem Fall vom Verdacht der Verschwörung und des Betrugs aus.

Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, hatte der "NYT" in der vergangenen Woche gesagt, es habe systematische Manipulationen im russischen Team während der Winterspielen von Sotschi im Jahr 2014 gegeben. Rodschenkow behauptet, 15 der russischen Medaillengewinner seien gedopt gewesen. Das Team gewann in Sotschi 33 Medaillen.

Für Rodschenkows Aussagen gibt es bisher keine unabhängigen Beweise. Ein Sprecher des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin sagte, es handele sich um die "Verleumdung eines Verräters". Die Behauptungen seien völlig unbegründet.

Nach Informationen der Zeitung hat die US-Justiz auch den 57 Jahre alten Rodschenkow im Visier. Er lebt inzwischen in Los Angeles in den USA und sagte der "NYT", er habe nicht vor, nach Russland zurückzugehen.

Wie IOC und Wada reagieren

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada haben sich in den Fall eingeschaltet:

  • Das IOC kündigte an, den Vorwürfen Rodschenkows rasch und entschlossen nachgehen zu wollen. Das Anti-Doping-Labor in Lausanne am Sitz des IOC, wo die Sotschi-Proben für zehn Jahre gelagert sind, soll die Ergebnisse nach neuesten Methoden analysieren.
  • Die Wada gab am Dienstag bekannt , dass ein Ermittlerteam aus unabhängigen Experten und Wissenschaftler die Dopingvorwürfe untersucht. Geleitet wird das Team demnach von Wada-Untersuchungsmanager Mathieu Holz, ein früherer Offizier der französischen Gendarmerie und Interpol-Agent. "Nach Ende der Untersuchung wird die Wada einen umfassenden Bericht veröffentlichen und die dazugehörenden Belege, die gesammelt worden sind, zugänglich machen", hieß es. Die Agentur hat nach eigenen Angaben Rodschenkow um ein Treffen in Los Angeles gebeten.

IOC-Präsident Thomas Bach schrieb in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Die Teilnahme der russischen Athleten an den Olympischen Spielen in Rio 2016 hängt auch stark von den Ergebnissen der WADA-Untersuchung ab."

Am Dienstag wurde bekannt, dass das IOC bei Nach-Tests von Proben der Sommerspiele 2008 in Peking 31 Athleten des Dopings überführt hat, ihnen droht nun eine Sperre für die anstehenden Spiele von Rio de Janeiro (5. bis 21. August).

aar/dpa

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