Olympia in Rio 2016 Hier soll in einem Jahr gespielt werden

In einem Jahr beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Überall wird gebaut, bisher sind die wenigsten Sportstätten fertig. Ein Überblick.

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Fragt man nach den schönsten Städten der Welt, ist Rio de Janeiro immer auf den Top-Plätzen zu finden. Zuckerhut, Erlöserstatue, Copacabana - starke Argumente. Die Stadt, da können Usain Bolt und Co. Rekorde aufstellen wie sie wollen, wird der große Star, wenn in einem Jahr die Olympischen Spiele zu Gast sind.

Doch für das Flair von Rio hat das IOC derzeit keine Augen, bei den Veranstaltern sorgt anderes für Verzückung. Ein Foto aus dem Juni zum Beispiel: Eine schwebende Dachkonstruktion über einer Tribüne aus Holz und Stahl. Darauf montiert vereinzelte Klappsitze, noch umwickelt mit Folie. Wenig spektakulär, eher trist - eine Baustelle eben.

Das Olympische Komitee aber überschlug sich fast: "Exciting new images have been released by the City of Rio", hieß es auf der Homepage über den Fortschritt bei der Carioca Arena 3, in der die Fechter und Kampfsportler antreten sollen. Aufregende Bilder wohl nur, wenn man sich Sorgen machen muss, dass sich Rio auch wirklich schick gemacht hat, wenn die Gäste kommen.

Und so muss auch IOC-Präsident Thomas Bach, wenn er über den Stand der Vorbereitungen spricht, seinem Lob ("Auf der einen Seite sehen wir große Fortschritte") umgehend die Mahnung hinterherschicken: "Andererseits gibt es keine Zeit zu verlieren."

Wie weit die Neu- und Umbauten der Spielstätten sind, sehen Sie in unserem Überblick:

Der Olympiapark Barra de Tijuca liegt 40 Kilometer von der Copacabana entfernt. Den Bewohnern einer nahe gelegenen Favela droht die Zwangsräumung.

Das Olympische Dorf in Rio soll im März 2016 fertig sein. 31 Hochhäuser bieten Platz für 18.000 Menschen. Nach den Spielen sollen hier Luxusapartments entstehen.

Das Olympiastadion João Havelange ist der Austragungsort der Leichtathletik-Wettbewerbe.

Das Olympiastadion bekommt derzeit eine neue Dachkonstruktion, im Frühjahr 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Baustelle von Carioca 1: Hier soll das Basketball-Turnier steigen. Die Arena ist für 16.000 Zuschauer geplant und zu 75 Prozent fertig. Nach den Spielen sollen hier Konzerte stattfinden.

In der Olympiahalle Carioca 3 kämpfen die Fechter um Medaillen. Im Anschluss an die Wettkämpfe wird die Arena zu einer Schule umgebaut.

Schwimmstadion im Olympiapark: Die meisten Wettbewerbe finden im Barra statt. 76 Prozent der Arbeiten sind abgeschlossen, das Dach muss noch gebaut werden.

Für Ärger sorgt der Golfplatz, der ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet gebaut wurde.

Im Olympischen Zentrum Deodoro finden unter anderem Wettkämpfe im Reiten, Schießen und Hockey statt.

Das Maracanã: Hier finden Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie das olympische Fußballturnier statt. Das berühmte Stadion bietet Platz für 79.000 Zuschauer.

Direkt an der Copacabana kämpfen die Beachvolleyballer und die Langstreckenschwimmer um Medaillen.

Neben den Bauarbeiten bereitet vor allem die Wasserqualität an den Wettkampfstätten der Ruderer, Segler und Langstreckenschwimmer Sorgen. Der Segelverband warnte seine Sportler vor dem Wasser in der Guanabara-Bucht, das IOC hielt dagegen, selbst die Weltgesundheitsorganisation hat sich eingeschaltet.

Bach und Co. können sich darauf einstellen, dass es bis zur Eröffnungsfeier immer wieder Diskussionen geben wird, Gründe gibt es reichlich. Die Umsiedlungspolitik der Stadt, den Bau des Golfplatzes im Naturschutzgebiet Marapendi, die Verstrickungen von gleich sieben für Olympia-Projekte zuständige Bau-Großunternehmen in einen gewaltigen Korruptionsskandal um den Mineral-Öl-Giganten Petrobras.

Das IOC ist geübt darin, solche Diskussionen kleinzureden oder zu ignorieren. Sport ist Sport, Politik ist Politik, heißt es dann. Den Stand der Bauarbeiten aber muss Bach genau im Auge haben.

Er stichelte schon in Richtung von Rios Bürgermeister Eduardo Paes: "Ich glaube, bei der Eröffnungsfeier werden meine Mitstreiter und ich noch die Chance haben, vor Ort einigen Bauarbeitern persönlich die Hand zu geben und sie für ihre Leistung zu beglückwünschen."

Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro
Gastgeber
Einwohner Stadtgebiet: 6,45 Mio (Schätzung der brasilianischen Statistikbehörde IBGE für 2014, 6,32 Mio bei der letzten offiziellen Erhebung 2010)
Einwohner Großraum: 11,97 Mio (Schätzung IBGE für 2014)
Größe: 1200,3 km² (Erhebung IBGE 2010)
Einwohner in Brasilien: Schätzung heute 204 Mio.
Organisationskomitee
Vorsitzender: Carlos Arthur Nuzman, Olympiateilnehmer 1964 in Tokio im Volleyball
Kosten
Letzter offizieller Stand vom 24. April: 38,2 Mrd Reais (11,01 Mrd. Euro), davon 24,6 Mrd. (7,09 Mrd.) Infrastruktur, 13,6 Mrd. (3,92) für die Spiele
Hinweis: der Etat wird offiziell in der Landeswährung Real (Plural: Reais) vom staatlichen Rechnungshof TCU veröffentlicht. Die Umrechnung in Dollar weicht je nach Tageskurs ab, da der Dollar im Moment steigt. Angaben in Real und Euro.
Zuschauer
7,5 Mio Tickets, davon 3,8 Mio billiger als 23 Euro. Die billigste Eintrittskarte kostet 13 Euro, die teuerste 1325 Euro (Eröffnungsfeier)
Wettkampfstätten
Olympiapark Barra mit Olympischem Dorf und beiden Medienzentren (IBC und MPC): Velodrom Olímpico do Rio (Bahnrad), Arena Carioca 1 (Basketball), Arena Carioca 2 (Judo, Ringen), Arena Carioca 3 (Fechten, Taekwondo), Arena do Futuro (Handball), Schwimmstadion 1 (Schwimmen, Wasserball), Arena Olímpica do Rio (Kunstturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolin), Schwimmstadion 2 (Wasserspringen, Synchronschwimmen), Golfkurs, Pontal (Rad Straßenrennen und Zeitfahren), Riocentro mit Pavilion / Port: Pavilion 2 (Gewichtheben), Pavilion 3 (Tischtennis), Pavilion 4 (Badminton) und Pavilion 6 (Boxen)
Deodoro: Hockeystadion, Whitewater Stadium (Estádio de Canoagem, Kanu-Slalom), Centro Olímpico de BMX, Centro de Mountain Bike, Arena de Juventude (Moderner Fünfkampf Fechten, Basketball), Estádio de Deodoro (Rugby, Moderner Fünfkampf Reiten und Combined), Centro Olímpico de Tiro (Schießen), Centro Aquático de Deodoro (Moderner Fünfkampf Schwimmen), Centro Olímpico de Hipismo (Reiten Dressur, Vielseitigkeit, Springen) Olympiastadion Maracanã (Leichtathletik, Eröffnungs- und Schlussfeier, Fußball), Maracanãzinho (Volleyball), Julio De Lamare Aquatics Centre (Wasserball), Sambódromo (Bogenschießen, Leichtathletik Marathon)
Copacabana: Marina da Glória (Segeln), Estádio da Lagoa (Rudern, Kanu-Rennsport), Arena de Vôlei de Praia (Beachvolleyball), Forte de Copacabana (Freiwasserschwimmen, Triathlon Radrennen) - dazu Fußball neben dem Marancanã auch in Brasília, Belo Horizonte, São Paulo, Salvador, Manaus und Rio de Janeiro (Estádio Olímpico)

Quelle: sid
Offizielles Video des IOC zum Stand der Bauarbeiten (auf portugiesisch)

Mit Material vom sid



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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
KJB 05.08.2015
1. Wiederkehrende Diskussion
Vor fast jeder Großveranstaltung kommt das Thema. Zu Beginn der Spiele wird alles fertig sein, so wie immer. Wahrscheinlich wird nicht alles Grün und Blumig sein aber das wichtigste wird fertig sein. Wasserqualität? Die werden einfach 2 Monate vor Beginn der Spiele überall das Abwasser mittels Tanklastern entsorgen anstatt ungeklärt in offene gewässer zu leiten, dann ist das Problem vorübergehend auch gelöst. Langfristig bleibt wahrscheinlich leider alles beim alten.
112211 05.08.2015
2. Kloake und so
Eine verölte Bucht, Tagesmengen eingeleiteter Chemie, die dort nicht hinein gehört, dass einem die Haare zu Berge stehen. Dazu dann noch das Dauerthema bei Olympia, dass soziale Aspekte mit Füßen getreten werden. Fragt sich daher, wer sich diesen Dreck anschauen wird. Ein gutes Gewissen wird wohl keiner haben können.
Peter Eckes 05.08.2015
3. Und ich dachte schon
der Die-Spielstätten-werden-nicht-rechtzeitig-fertig-Artikel kommt gar nicht mehr. Da hätte ich in meiner Sammlung die seit Athen 2004 vollständig ist doch sonst tatsächlich eine Lücke gehabt.
carahyba 05.08.2015
4.
Zitat von KJBVor fast jeder Großveranstaltung kommt das Thema. Zu Beginn der Spiele wird alles fertig sein, so wie immer. Wahrscheinlich wird nicht alles Grün und Blumig sein aber das wichtigste wird fertig sein. Wasserqualität? Die werden einfach 2 Monate vor Beginn der Spiele überall das Abwasser mittels Tanklastern entsorgen anstatt ungeklärt in offene gewässer zu leiten, dann ist das Problem vorübergehend auch gelöst. Langfristig bleibt wahrscheinlich leider alles beim alten.
Es geht hier nicht um Abwässer aus der Kanalisation. An den Ufern der Bucht von Guanabara gibt es mehrere grosse Chemiekomplexe der PETROBRAS und anderer Chemiekonzerne. Die Forderung nach Aufbereitungsanlagen ist Jahrzehnte alt. Ausserdem wurden einige schmale Seitenarme der Bucht zwischen vorgelagerten Inseln als Müllkippen benutzt. Einige Teile sind nun auch zugeschüttet, die giftige Suppe läuft weiter in die Bucht. Teile des nördlichen seichten Ufers sind mittlerweile "asphaltiert".
quams 05.08.2015
5. Brasilien ist ein bisschen spezieller
Irgendwie war doch noch nie die Infrastruktur ein Jahr vor einer Sport-Großveranstaltung auch nur ansatzweise fertig. Paart man das jetzt noch mit der Brasilianischen Mentalität dann sieht das für einen normal sozialisierten Mitteleuropäer nach absolutem Untergang aus. Sobald man es mit Brasilien zu tun hat, ist eines der wichtigen Dinge die man wissen muss der folgende Spruch: "Ohne den letzten Augenblick würde in Brasilien nichts passieren" Die werden das schaffen die Cariocas. Mit Ach und Krach, viel wilden Konstruktionen und der üblichen Mischung aus Egozentrik, Selbstüberschätzung, Arbeitseifer und Weltoffenheit der den Brasilianern eigen ist. Nur Guanabara wird die Kloake bleiben die es ist...
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