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Olympia bei Eurosport: Viel Sport, wenig Hintergrund

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REUTERS

Olympische Spiele: Eurosport hat den Zuschlag

Eurosport hat ab 2018 die Hoheit über die Übertragung der Olympischen Spiele. Eine Fernsehrevolution ist das nicht. Aber Kritisches müssen wohl andere Sender leisten. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Werden die Zuschauer weniger Olympia zu sehen bekommen?

Das ist nicht zu erwarten. Die Spiele bleiben trotz der Vergabe an den Eurosport-Mutterkonzern Discovery in jedem Fall im Free-TV, auch wenn der Sender ebenfalls über Pay-TV-Kanäle verfügt. Eurosport wird sich bemühen, so viel wie irgend möglich zu zeigen, rund um die Uhr. Es wird während der Spiele bei ihnen keine einzige Minute ohne Olympia geben. Laut Vertrag verpflichtet sich Discovery, mindestens 200 Stunden während der Sommerspiele und 100 Stunden während der Winterspiele frei empfangbar zu senden. Zum Vergleich: 2012 in London übertrugen ARD und ZDF insgesamt 260 Stunden. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen auch noch einsteigen, dürfte diese Zahl locker übertroffen werden.

Da Eurosport zudem auch die Online-Rechte zugesprochen bekommen hat, wird der Sender auch hier seine Möglichkeiten nutzen. Die BBC hat 2012 in London vorgemacht, wie es geht, als sie zweitweise bis zu zehn olympische Ereignisse auf ihrer Website parallel anbot. Der Zuschauer muss sich also grundsätzlich nicht sorgen: Wer Olympia sehen will, der bekommt es zu sehen.

Werden die Spiele dann ausschließlich auf Eurosport laufen?

Höchstwahrscheinlich nicht. Bei allem Bemühen wird Eurosport auch 2018 oder 2020 nicht die Manpower der Öffentlich-Rechtlichen haben. Zudem muss der Deal mit dem IOC auch refinanziert werden. Man wird also interessiert sein, ins Geschäft mit ARD und ZDF zu kommen und Sublizenzen an die Öffentlich-Rechtlichen zu verkaufen. Da das in beiderseitigem Sinne ist, wird es wohl zu einem Abschluss kommen. Wie das im Detail dann aussehen kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch vollkommen offen.

Leidet die Qualität der Berichterstattung?

Was das rein Sportliche anbetrifft, wohl nicht. Eurosport verfügt über Fachleute in zahlreichen olympischen Disziplinen, da der Sender noch nie so fußballfixiert war und immer schon die Bandbreite des Sports abgebildet hat, wie es früher auch ARD und ZDF taten. Zudem neigt der Sender dazu, sich echte Experten dazuzuholen. Wobei weniger der große Name zählt, als vielmehr Kompetenz. Davon dürften die Zuschauer profitieren. Der Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, hat sich allerdings auch für ein Engagement von ARD und ZDF stark gemacht. Deren Kompetenz in der Sportberichterstattung sei "unerreicht".

Was wird bei Eurosport eventuell zu kurz kommen?

Was das Sportpolitische rund ums IOC angeht, darf man skeptisch sein, dass Eurosport hier auch vollumfänglich informiert, einordnet, analysiert. Das ist nie die Stärke des Senders gewesen. Eurosport überträgt gerne auch wochenlang die Tour de France und erwähnt das Dopingthema nur am Rande. Da IOC-Chef Thomas Bach von einem eigenen Olympia-TV träumt und Eurosport dafür ein möglicher Partner wäre, ist nicht zu erwarten, dass der Sender übermäßig kritisch auf das schaut, was im Internationalen Olympischen Komitee möglicherweise schiefläuft.

Andererseits wird Eurosport eher das sportlich Große und Ganze im Auge behalten und weit weniger die deutsche Brille aufsetzen, wie das ARD und ZDF zunehmend tun. Man darf also auf mehr Informationen auch über die internationalen Sportler und auf weniger Homestorys über Britta Heidemann und Fabian Hambüchen hoffen.

Wie ist es mit der Randberichterstattung?

Wer auf Beiträge über Land und Leute hofft, der ist bei Eurosport eher falsch. Dazu fehlt dem Sender auch das Personal, um groß über das Sportliche hinausgehend zu berichten. Wobei es vielleicht auch nicht so schlimm ist, nicht zu erfahren, wie ein alkoholisches Getränk aus Südkorea genau zubereitet wird und welche Floskeln man beim Taxifahren in Tokio benutzen muss. Auch hier gilt allerdings, was ARD und ZDF leisten (können): Kritisches, Investigatives über die Ausrichterländer darf man nicht erwarten. Hier haben ARD und ZDF auch ihre Chance, sich zu profilieren.

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insgesamt 105 Beiträge
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1. so so ... die meisten zuseher/innen
f-rust 30.06.2015
wollen also was "Kritisches" ... lol . die überwiegende Zahl der Zuschauer/innen wollen das Sportereignis sehen, und nicht mit unnützen oder "kritischen" Dingen vollgestopft werden. wer mal Snooker bei Eurosport oder Darts bei Sport1 gesehen hat, weiß, wie selbst "Randsportarten" sachlich, interessant, anschaulich, "appetiterweckend" rüber gebracht werden können. (ja, ich weiß: beim Skispringen sind auf Eurosport die Misanthropen und Vielplauderer zuwege ...) ;-) abwarten, wie Eurosport es macht
2.
Teddy0 30.06.2015
Als ob die öffentlich rechtlichen die letzten Jahre Kritik an Olympia geäußert hätten. Die trauen sich ja nichtmal unsere Regierung und Politiker kritisch zu befragen.
3. Ist doch gar nicht so schlecht
mistermoe 30.06.2015
wenn es endlich wieder mehr um das sportliche geht und weniger um den Boulevard rundherum. Wobei ich denke das Eurosport bzw. Discovery die Chance nutzen wird um z.b. über Webangebote auch die Kultur des Gastgeberlandes zu präsentieren. Aber das wichtige sind nun mal die Wettkämpfe und nicht was der Hund eines deutschen Teilnehmers zum Frühstück hatte.
4. ich finde es gut
hakmak 30.06.2015
dass ARD und ZDF aus diesem Bieterkampf ausgestiegen sind. Immerhin müssen diese mit unser aller Rundfunkbeitrag sorgfältig wirtschafen. Da passt es, dass nicht um jeden Preis mitgesteigert wurde.
5. finde ich jetzt gar nicht mal so schlecht....
Top Level 30.06.2015
da die ARD/ZDF ja wie soll ich sagen, ein bisschen nerven. Blöde Komoderatoren/innen viel Leerlauf und aufgeblähte Formate zu den Spielen. Weniger wäre da oft mehr....
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Olympische Sommerspiele
Jahr Austragungsort (Land)
2020 Tokio (Japan)
2016 Rio de Janeiro (Brasilien)
2012 London (Großbritannien)
2008 Peking (China)
2004 Athen (Griechenland)
2000 Sydney (Australien)
1996 Atlanta (USA)
1992 Barcelona (Spanien)
1988 Seoul (Südkorea)
1984 Los Angeles (USA)
1980 Moskau (Sowjetunion)
1976 Montréal (Kanada)
1972 München (Deutschland)
1968 Mexiko-City (Mexiko)
1964 Tokio (Japan)
1960 Rom (Italien)
1956 Melbourne (Australien)
1952 Helsinki (Finnland)
1948 London (Großbritannien)
1936 Berlin (Deutschland)
1932 Los Angeles (USA)
1928 Amsterdam (Niederlande)
1924 Paris (Frankreich)
1920 Antwerpen (Belgien)
1912 Stockholm (Schweden)
1908 London (Großbritannien)
1904 St. Louis (USA)
1900 Paris (Frankreich)
1896 Athen (Griechenland)


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