Olympische Spiele Glücklicher Unger, enttäuschter Sack

Hauchdünne Entscheidungen: Der deutsche 100-Meter-Sprinter Tobias Unger hat nur knapp das Aus im Vorlauf vermieden. Die Favoriten hatten weit weniger Probleme. Ein deutscher Kugelstoßer ist hingegen wegen eines fehlenden Zentimeters ausgeschieden. Gegen einen schwedischen Ringer wird ermittelt.


Hamburg - Beim olympischen Leichtathletik-Auftakt vor fast 80.000 Zuschauern im "Vogelnest" wäre nach Kugelstoßer Peter Sack auch Tobias Unger über 100 Meter fast in Runde eins gescheitert. Der 200-Meter-Olympiasiebte von Athen kam im zehnten Vorlauf als Vierter in 10,46 Sekunden erst nach Auswertung der Tausendstelsekunden in den Zwischenlauf am gleichen Tag. Dabei waren drei Sprinter auf die Hundertstelsekunde gleich schnell gewesen. Sack war zuvor um einen Zentimeter am Finale vorbeigeschrammt.

Sprinter Unger: Bangen um jede Tausendstelsekunde
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Sprinter Unger: Bangen um jede Tausendstelsekunde

Dagegen zeigten sich die Stars der Sprintszene als Sieger ihrer Rennen erwartet souverän. Weltrekordler Usain Bolt kam gleich im ersten Vorlauf in 10,20 Sekunden weiter, sein Vorgänger Asafa Powell (ebenfalls Jamaika) im zweiten Lauf in 10,16. Ganz locker lief auch Weltmeister Tyson Gay (USA) im fünften Vorlauf in 10,22 in die nächste Runde.

Schnellster der zehn Läufe war der Brite Tyrone Edgar in 10,13. " Das war ein guter Weckruf, ein kleiner Arschtritt, damit ich nicht wieder auf den letzten 50 Metern den Bezug zum Rennen verliere. Das passiert mir heute Abend nicht nochmal", sagte Unger. Der Schwabe hatte bereits vor dem Auftakt gesagt, entscheidend sei für ihn in erster Linie, sich für die Staffel warmzulaufen. Dabei wäre es schön, über 100 Meter ein oder zwei Runden weiterzukommen.

Hammerwerfer Markus Esser hat bei den Olympischen Spielen in Peking das Finale erreicht. Der WM-Achte überzeugte am Freitag in der Qualifikation als Sechster mit 77,60 Metern. Der 28 Jahre alte Sportsoldat Esser war vor vier Jahren in Athen Olympia-Elfter. Für die größte Weite sorgte der Ungar Krisztian Pars (80,07).

Weltrekordlerin Sonja Pfeilschifter bleibt nach einem Treffen mit dem von ihr heftig kritisierten Bundestrainer Claus-Dieter Roth vorerst im Schützen-Nationalteam. "Sie bleibt im Team, wir haben uns vernünftig unterhalten. Der Dampf ist erstmal aus dem Kessel", erklärte Roth. An dem Gespräch am Donnerstagabend hatte auch Sportdirektor Heiner Gabelmann teilgenommen.

Gabelmann steht trotz der miserablen Ergebnisse der deutschen Gewehrschützen bei Olympia hinter seinem Chefcoach: "Roth bleibt die nächsten Jahre Bundestrainer. Egal, ob mit oder ohne Sonja." Pfeilschifter hatte nach ihrer erneuten olympischen Pleite Chefcoach Roth heftig angegriffen und indirekt seinen Rücktritt gefordert. "Es kotzt mich an, dass er seinen Frust an uns auslässt, jetzt, wo sein Stuhl wackelt", hatte Weltrekordlerin Pfeilschifter nach ihrem 17. Platz im Dreistellungskampf gesagt.

Roth habe in den vergangenen fünf Tagen nicht einmal mit ihr geredet, habe sich vor Olympia aber in ihren Erfolgen gesonnt und schiebe den Misserfolg jetzt auf andere. Roth will Pfeilschifter, die sich abseits des Teams auf Olympia vorbereitet hatte, künftig keine Sonderrechte mehr zugestehen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am Freitag ein Disziplinarverfahren gegen den Ringer Ara Abrahamian eingeleitet. Der Schwede hatte aus Verärgerung über das verlorene Halbfinale in der Klasse bis 84 Kilogramm im griechisch-römischen Stil seine Bronzemedaillen nach der Siegerehrung achtlos auf die Matte geworfen. Welche Sanktionen ihn erwarten, ließ IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau allerdings offen.

Abrahamian hatte seine Aktion damit begründet, dass ihn "diese Medaille nicht interessiert. Ich wollte Gold." Der Olympia-Zweite von Athen fühlte sich in dem Halbfinalkampf gegen den späteren Olympiasieger Andrea Minguzzi aus Italien benachteiligt. Der Schwede erklärte nach dem Vorfall seinen Rücktritt.

fpf/sid/dpa

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