Olympische Spiele Jubel-Knigge für Fans, harte Strafen für Dopingsünder

Anleitung für Zuschauer: In Peking soll nur "korrekt" gejubelt werden. Wer mit verbotenen Mitteln erwischt wird, muss um seine Teilnahme an den Spielen 2012 in London fürchten. Das IOC will zudem erstmals gegen illegale Wettanbieter vorgehen.


Hamburg - Eine offizielle Choreografie regelt bei den Olympischen Spielen in Peking das "zivilisierte" Jubeln. Die Organisatoren in der chinesischen Hauptstadt haben einen vierstufigen Bewegungsablauf veröffentlicht, mit dem das Publikum während der Spiele vom 8. bis 24. August die Athleten auf "angemessene" Weise anfeuern soll, wie chinesische Medien am Freitag berichteten. Während der Spiele werden dann 448 Freiwillige über die Einhaltung der Jubel-Knigge für Fans achten und die Zuschauer zum "korrekten" Applaudieren anleiten. Das Pekinger Organisationskomitee habe dafür extra 30 "Jubel-Mannschaften" engagiert.

Überwachtes Anfeuern: In Peking soll nur "korrekt" gejubelt werden
DPA

Überwachtes Anfeuern: In Peking soll nur "korrekt" gejubelt werden

Die Choreografie beginnt mit einem zweimaligen Händeklatschen, zu dem auf Chinesisch "Aoyun" (Olympia) gerufen wird. Im zweiten Schritt ballen die "richtig" jubelnden Zuschauer ihre Fäuste vor dem Körper und recken die Daumen hoch. Dazu soll der bei Wettkämpfen in China gebräuchliche Ausdruck "Jia you" (Auf geht's) ertönen. Im Anschluss wird die Prozedur leicht abgeändert noch einmal wiederholt. Zunächst klatschen die Zuschauer wieder zweimal und rufen nun "Zhongguo" (China). Am Ende werden die geballten Fäuste in die Höhe gestreckt und es wird abermals "Jia you" (Auf geht's) gerufen. Doch keine Sorge für Fans, die des Chinesischen nicht mächtig sind: Der Slogan könne beliebig mit den Namen anderer Länder oder Sportler variiert werden, hieß es.

Die Jubel-Choreografie samt Parole lässt das Bildungsministerium übrigens in Schulen unterrichten. Überhaupt setzt die chinesische Regierung auf Erziehung seiner Bürger: Seit langem laufen Programme, um den Einwohnern Pekings "westliches" Benehmen beizubringen. So müssen die Olympia-Gastgeber beispielsweise das Schlange stehen üben und dürfen nicht mehr öffentlich spucken.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschäftigt sich derweil mit Dopingsündern. Athleten, die ab dem 1. Juli gegen die Dopingregeln verstoßen und deshalb mindestens sechs Monate gesperrt werden, wird automatisch die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver und den Sommerspielen 2012 in London verweigert. Damit sind Dopingsünder von Peking automatisch auch schon für die folgenden Sommerspiele gesperrt. Einen entsprechenden Beschluss fasste das IOC bei seiner Sitzung in Athen. Ursprünglich sollte diese Regelung erst nach den Spielen in der chinesischen Hauptstadt in Kraft treten.

Im Kampf gegen Wettmanipulationen und illegale Wettanbieter wird das IOC in Peking zudem erstmals eine Wettüberwachung einsetzen. IOC-Präsident Jacques Rogge sagte, eine Zusammenarbeit mit etablierten Wettanbietern und Interpol solle bei der Früherkennung von auffälligem Wettverhalten helfen. Dafür wurde am Rande der IOC-Exekutive in Athen ein gemeinsames Abkommen getroffen und eine spezielle Einheit gegründet, die auffälliges Wettverhalten bei den Spielen aufspüren und untersuchen soll. "Es ist ganz klar, dass wir dazu die Zusammenarbeit mit den großen und angesehenen Firmen brauchen. Wir sind von ihren Angaben abhängig", sagte Rogge.

ham/sid/dpa



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