Aus London berichtet Peter Ahrens
Die Olympischen Spiele von London haben Lizzy Armitstead dringend gebraucht. Nach dem ersten medaillenlosen Tag für den Gastgeber hatte in den englischen Medien schlechte Laune Einzug gehalten. Mangels sportlicher Erfolge echauffierten sich die Zeitungen über die vielen frei bleibenden Plätze bei den Veranstaltungen. Und über die vielen twitternden Zuschauer, die vom IOC dafür verantwortlich gemacht wurden, dass die Fernsehübertragung vom Männer-Straßenrennen am Samstag gestört worden war. Zudem schlug die verletzungsbedingte Absage von Marathon-Ikone Paula Radcliffe am Sonntag aufs nationale Gemüt.
Als dann auch noch der große Gewitterschauer kam und die Spiele im Regen zu versinken drohten, war es höchste Zeit für Lizzie Armitstead. Ihre Silbermedaille beim Straßenrennen der Frauen hat die Stimmung auf der Insel vorerst gerettet. Großbritannien hat sein erstes Edelmetall. Die Enttäuschung über das Abschneiden von Goldfavorit Mark Cavendish am Vortag bei den Männern war damit einigermaßen aufgefangen.
Es hätte für die 23-Jährige sogar noch mehr drin sein können. Aber in einem packenden Schlussspurt unterlag sie der Niederländerin Marianne Vos, die nach zuletzt fünf zweiten Plätzen in Folge bei Weltmeisterschaften einmal ganz oben stand.
Ein letztlich gerechter Ausgang: Vos, in dieser Saison ohnehin die überragende Fahrerin und in den Niederlanden ein echter Topstar, war an diesem Nachmittag die aktivere Fahrerin. Die 25-Jährige hatte im Rennverlauf immer wieder attackiert und am Schluss die meiste Kraft des Ausreißer-Trios. Die Dritte im Bunde, die Russin Olga Zabelinskaya, wurde mit Bronze belohnt.
Teutenberg Siegerin im Blech-Sprint
Was den Briten durch Armitsteads couragierten Ritt zuteil wurde, ist dem deutschen Olympia-Team nach wie vor verwehrt geblieben. Der Bund Deutscher Radfahrer hatte damit geliebäugelt, dass seine Frauen für die erste Medaille für ihr Land sorgen könnten. Schließlich waren mit den routinierten Spitzenfahrerinnen Judith Arndt und Ina-Yoko Teutenberg gleich zwei Deutsche in der Lage, nach ganz vorne zu fahren.
Teutenberg hat das prinzipiell auch eingelöst - die 37-jährige Sprintspezialistin gewann den Spurt des Hauptfelds. Das reichte aber eben nur zum undankbaren vierten Rang. Siegerin des Blech-Sprints sozusagen. "Dieser Platz ist schon doof. Wir haben aber alles gegeben", sagte Teutenberg, und es klang deutlich geknickt.
Sie und Arndt gehören jetzt schon seit fast 20 Jahren zur Weltspitze. Für Arndt sind es in London sogar schon die fünften Sommerspiele, 2004 holte sie in Athen Silber. Aber alle Erfahrung half nicht, als es 50 Kilometer vor dem Ziel bei strömendem Regen zur Sache ging. Zermürbt durch die unablässigen Attacken, die vor allem die Niederländerinnen im Rennverlauf immer wieder gestartet hatten, waren die Deutschen nicht mehr in der Lage, beim entscheidenden Antritt der späteren Medaillengewinnerinnen mitzugehen. "Wenn du in so einer Phase den Anschluss verlierst, dann bist du weg", hatte Teutenberg richtig erkannt.
Verzweifelt versuchte zwar vor allem Arndt immer wieder, die Lücke zu den vier Führenden, zu denen zunächst auch die US-Amerikanerin Shelley Olds gezählt hatte, zu schließen. Aber je stärker der Regen wurde, desto entschlossener wirkten die Ausreißerinnen, die auch den Sturz von Olds wegsteckten und ihre Triumphfahrt zu dritt nach 140 Kilometern abschlossen.
"Vier Jahre harter Arbeit haben sich ausgezahlt", jubelte Armitstead nach ihrem Medaillengewinn. Hart gearbeitet haben auch Arndt und Teutenberg. Aber während in England erst einmal durchgeatmet wird, wird die Atmosphäre für den DOSB schon ein bisschen ungemütlich. Die Spiele sind erst zwei Tage alt, aber ein deutsches Team, das keine Medaillen holt, hat ein Problem. Der DOSB wartet auf eine Lizzie.
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