Olympische Spiele Seeger klagt Russinnen an, Hochspringerin Friedrich erreicht Finale

Weiter auf Erfolgskurs: Nach der Teammedaille haben die Tischtennisspieler Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov auch im Einzel das Achtelfinale erreicht. Die deutsche Hochspringerin Ariane Friedrich steht im Endkampf. Geherin Melanie Seeger wirft ihren russischen Konkurrentinnen indirekt Doping vor.


Hamburg - "Ich habe hier das unfairste Rennen meiner Karriere erlebt", sagte Geherin Melanie Seeger nach ihrem 23. Platz über 20 Kilometer Gehen. "Die Spitze kann Zeiten gehen, da können wir trainieren, so viel wir wollen. Ich kann es nicht fassen. Das ist einfach nur traurig", so Seeger. "Ich hoffe, dass die große Bombe platzt und wir unsere Chance bekommen." Überlegene Olympiasiegerin wurde Olga Kaniskina aus Russland. "Die Russin kommt aus einer Trainingsgruppe, wo die Hälfte gedopt ist", sagte Seeger über die Weltmeisterin, die in 1:26:31 Stunden gewann.

Geherin Seeger: "Ich hoffe, dass die große Bombe platzt"
DPA

Geherin Seeger: "Ich hoffe, dass die große Bombe platzt"

Sabine Zimmer wurde mit einem Rückstand von 3:49 Minuten 15., Seeger lag 5:25 zurück und meinte frustriert: "Wir müssen überlegen: Lohnt sich das alles noch überhaupt?" Bei den Spielen von Athen 2004 war Seeger mit einer Zeit Fünfte geworden, die diesmal nur zu Platz 15 gereicht hätte.

Wenn diese Entwicklung so weiterginge, würden Medaillen künftig bei Zeiten von 1:24 Stunden vergeben. "Da habe ich absolut keine Chance. 1:27 Stunden ist das absolute Maximum, was ich erreichen kann", sagte Seeger, die weitergehende Maßnahmen im Kampf gegen Doping forderte: "So lange Dopingkontrolleure keinen Diplomatenstatus bekommen, brauchen solche Leute gar nicht an den Start zu gehen." Dabei hat die Grundschullehrerin vor allem die Situation in Russland im Blick: "Da laufen Trainingskolleginnen der Weltmeisterin in ihrem ersten Wettkampf gleich mal 1:26 Stunden, das kann ich nie schaffen." Ähnlich hatte sich Andre Höhne nach dem Olympiasieg des Russen Wladimir Bortschin über die 20 Kilometer geäußert.

Ariane Friedrich hat das Hochsprungfinale erreicht. Mit 1,93 Metern meisterte die 23-Jährige die Qualifikation bei ihrem Olympia-Debüt mühelos. Im Endkampf trifft die WM-Achte von 2007 am Samstag unter anderem auf Weltmeisterin Blanka Vlasic (Kroatien), Athen-Olympiasiegerin Jelena Slesarenko (Russland) und Europameisterin Tia Hellebaut (Belgien), die alle ebenfalls die 1,93 Meter souverän überquerten. "Ich weiß, was ich drauf habe. Die Trainingsleistungen sind unglaublich", sagte Friedrich nach ihrem gelungenen Olympia-Einstand. "Ich bin in Top-Form, es stimmt alles. Wenn es hier nicht funktioniert, wann dann."

Die deutschen Speerwerfer sind nach enttäuschenden Leistungen schon in der Qualifikationsrunde ausgeschieden. Stephan Steding gelang nur ein gültiger Wurf auf 70,05 Metern. Alexander Vieweg kam sogar nur auf 67,49 Meter. Damit belegten sie am Ende Platz 32 und 35. Insgesamt waren 37 Werfer am Start. "Das war mit Abstand die schlechteste Leistung der Saison. So etwas sollte bei Olympia nicht passieren", sagte Vieweg. Ohne Mühe zogen dagegen der Olympiasieger von 2004, Andreas Thorkildsen (Norwegen/79,85), und Weltmeister Tero Pitkämäki (Finnland/82,61) ins Finale am Samstag ein.

Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov haben das Achtelfinale des olympischen Tischtennis-Wettbewerbs erreicht. Die deutsche Nummer eins besiegte den Nordkoreaner Kim Hyok Bong locker 4:1, während Ovtcharov beim 4:3 gegen den Rumänen Adrian Crisan nach 0:2-Rückstand gehörig kämpfen musste. Im Achtelfinale trifft Boll am Donnerstagabend auf Team-Vizeweltmeister Oh Sang Eun aus Südkorea. Der EM-Dritte Ovtcharov spielt gegen den Hongkong-Chinesen Ko Lai Chak, der überraschend Athen-Olympiasieger Ryu Seung Min aus Südkorea mit 4:2 aus dem Turnier geworfen hatte.

Dagegen ist Christian Süß erwartungsgemäß gescheitert. Der Doppel-Europameister unterlag dem dreimaligen EM-Champion Wladimir Samsonow aus Weißrussland 0:4. Süß konnte nur den ersten Satz eng gestalten, den er 13:15 verlor. "Da hat ein Quentchen Glück gefehlt", sagte Süß. "Ich weiß nicht, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn ich den ersten Satz verloren hätte", stimmte ihm der EM-Zweite Samsonow zu.

fsc/sid/dpa



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