Olympische Spiele: Ude kritisiert IOC, Istanbul und Madrid wollen Zuschlag für 2020

"Zweifel an der Wahl und den Kriterien des IOC sind angebracht": Münchens Oberbürgermeister Christian Ude gibt sich nach der Schlappe bei der Vergabe der Winterspiele 2018 als schlechter Verlierer. Außerdem: Istanbul und Madrid wollen die Sommerspiele 2020 austragen.

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Münchens Oberbürgermeister Ude: Zweifel an den Kriterien des IOC

Hamburg - Nach der Vergabe der Winterspiele 2018 an das südkoreanische Pyeongchang hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) heftig kritisiert. "Die Wünsche der Athleten und die Umwelt haben keine Rolle gespielt", sagte das SPD-Stadtoberhaupt Zeit online. "Zweifel an der Wahl und den Kriterien des IOC sind angebracht", so Ude.

"Pyeongchang bietet neue Märkte, das war entscheidend. Das ist ernüchternd", sagte Ude. "Wir sind sehr enttäuscht über die deutliche Niederlage, wir empfinden sie als abweisendes Ergebnis." Im "Münchner Merkur" sprach Ude zudem von einer "verheerenden Niederlage". Das Wahlergebnis von nur 25 Stimmen für die deutsche Bewerbung sei ein deutliches Signal, dass "München mit allen seinen Angeboten in puncto kulturellem Reichtum, historischem Erbe oder Nachhaltigkeit nicht vom IOC gewürdigt wird", so der Oberbürgermeister.

Um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 bewirbt sich nach Rom auch Madrid. In der kommenden Woche wolle das Nationale Olympische Komitee (COE) Spaniens seine Kandidatur bekanntgeben, sagte COE-Präsident Alejandro Blanco in Durban. Eine ähnliche Absichtserklärung hatte auch Japans Hauptstadt Tokio abgegeben. Alle Bewerbungen müssen bis zum 1. September beim IOC eingereicht werden. Lediglich Rom hat bisher seine Kandidatur offiziell gemacht.

Konkurrenz bekommen Rom, Tokio und Madrid durch die türkische Stadt Istanbul, die sich ebenfalls um die Austragung der Sommerspiele 2020 bewerben will. Das bestätigte IOC-Mitglied Richard Carrion am Rande der IOC-Session im südafrikanischen Durban. Es wäre die fünfte Bewerbung Istanbuls um Sommerspiele seit ihrem ersten Versuch für die Spiele 2000. Am 7. September 2013 entscheidet die IOC-Vollversammlung in Buenos Aires über den Gastgeber der Spiele. Bei der Vergabe der Sommerspiele 2016 war Tokio bei der Endabstimmung gescheitert.

Franz Beckenbauers Kritik an Europas IOC-Mitgliedern nach der Wahl von Pyeongchang hat viele Funktionäre nicht beeindruckt. Während IOC-Vizepräsident Thomas Bach zu Beckenbaures Argumentation keine Stellungnahme abgeben wollte, sagte Russlands früherer Schwimmstar Alexander Popow mit Blick auf die Fußball-WM 2022: "Franz Beckenbauer sollte nicht vergessen, welche Veranstaltungsorte sein Weltverband Fifa wählt - ich sage nur Katar." Das IOC sei ein demokratisches Gremium, jeder könne frei entscheiden und sei nicht an einen Zwang gebunden.

Frankreichs früherer Skistar Jean-Claude Killy, der die Bewerbung von Annecy unterstützte, erinnerte an die Worte des früheren IOC-Chefs Juan-Antonio Samaranch. "Er sagte immer: 'Europa reicht von Portugal bis Wladiwostok'." Auch der frühere Sportminister der Ukraine, Waleri Borsow, kann Beckenbauers Kritik nicht nachvollziehen. "München war schon deswegen schwierig, weil 2014 mit Sotschi die Stadt eines europäischen Landes bereits Winterspiele hat."

Nach dem Doping-Skandal bei der Fußball-WM der Frauen will das IOC untersuchen, wie es in Nordkorea generell mit Tests auf verbotene Substanzen steht. Dies erklärte Arne Ljungqvist, Chef der medizinischen Kommission, während der einer IOC-Session im südafrikanischen Durban. "Ich verstehe das Misstrauen der anderen. Aber ich weiß nicht wirklich viel über Dopingkontrollen in diesem Land, das eine so geschlossene Gesellschaft ist wie keine andere auf der Welt", sagte Ljungqvist. Es werde schwierig sein, klare Erkenntnisse über den Umgang mit verbotenen Substanzen beziehunsgweise Kontrollen in Nordkorea zu erhalten.

Außerdem will das IOC mit einem Verbot von Injektionsnadeln bei den Olympischen Spielen 2012 in London seinen Anti-Doping-Kampf verschärfen. Ohne medizinische Ausnahmegenehmigung werden die Nadeln in allen Trainings- und Wettkampfstätten sowie den olympischen Dörfern verboten, bestätigte der Schwede Ljungqvist. Das Auftauchen von Nadeln bei Olympia könne zu einem schlechten Image und Doping-Verdächtigungen führen. Bei vergangenen Olympischen Spielen hätten Reinigungskolonnen in den Olympischen Dörfern regelmäßig gebrauchte Spritzen oder Nadeln gefunden.

jar/sid/dpa/reuters

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1. Nein, keinen Titel...
Hador, 08.07.2011
Das die Vergabe der Spiele mehr von wirtschaftlichen Kriterien als von irgendetwas anderem abhängt ist doch nun wahrlich kein Geheimnis. Wenn Ude das erst jetzt merkt stellt sich die Frage was er die letzten 30 Jahre gemacht hat. Davon abgesehen: Ginge es nicht um wirtschaftliche Gründe, dann wäre auch München gar nicht erst Kandidat geworden. Denn die klassische Wintersporthochburg ist München ja nun auch nicht. Wenn man wirklich nach rein sportlichen Gesichtspunkten auswählen würde, dann hätte man sich direkt mit Garmisch bewerben müssen. Was aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht geschehen ist. Insofern....
2. Krokodilstränen
adhicadhoc 08.07.2011
Zwei Dinge nerven bei dem Gejammer, das jetzt die unterlegenen Münchner Olympioniken anstimmen: Wie konnte die deutsche Delegation von ihrer Niederlage nur so enttäuscht sein? Offensichtlich wußten alle anderen vorher, dass Pyeongchang gewinnen würde. Selbst die der Münchner Bewerbung so freundliche SZ stellte heute einen gewissen "Tunnelblick" bei der deutschen Delegation fest. Das Jammern darüber, was jetzt alles an Infrastrukturmaßnahmen nicht gebaut wird. Was ist das für eine Politik, die für die Bevölkerung schon lange notwendige Baumaßnahmen (wie z.B. 2. S-Bahntunnel in München) von der Veranstaltung eines zweiwöchigen Spektakels abhängig macht? Ihr bekommt die Umgehungsstraße, aber nur, wenn Ihr auch Olympische Spiele veranstaltet. So ein Irrsinn. Entweder wir brauchen die Einrichtungen, oder wir brauchen sie nicht.
3. Das München sich um die Austragung
hugo1000 08.07.2011
der olympischen winterspiele beworben hat, ist eh ein Witz, ein schlechter noch dazu. Die Herren Ude Beckenbauer & Co sind nur schlechte, egoistische Verlierer. Die sich wie beleidigte Kinder aufführen, welche nicht das gewünschte spielzeug bekommen haben.
4. Überall
jeh1985 08.07.2011
wird nur über das ach so tolle München geredet. Keiner, wirklich keiner, geht nach Garmisch und sieht sich an, was da alles an Wälder, an Wiesen und Felder hätte platt gemacht werden müssen. Negative Schlagzeilen in deutschen Medien tun sich immer schlecht. Kritik ist nicht erlaubt. Jeder, der anders denkt sollte sich mal die Haushaltsplanung von Garmisch und die Verschuldung wegen der WM und der neuen Schanze ansehen. Geschweige denn was auf die Marktgemeinde zugekommen wäre, wenn sie die Spiele bekommen hätten. Ich finde es gut, dass die Spiele nicht kommen. Damit wird gesichert, dass die Natur erhalten bleibt und nicht noch mehr Hotels ins fast tote Garmisch kommen (Stichwort Demographie). Zudem stehen die Ausgaben in KEINSTER Relation zu den Einnahmen. Garmisch wäre auf den Schulden sitzen geblieben. München hätte dafür die Einnahmen eingestrichen. Man bedenke nur mal die Millionenausgaben für die Bewerbung! Die einzigen, die daran verdienen, sind das IOC und die Funktionäre.
5. Es wird immer peinlicher - für Ude und München
achazvonthymian 08.07.2011
Anstatt jetzt nach dem Verpulvern von 300 Mio vergeblicher Bewerbungskosten Ruhe zu geben, wird weiter nachgekartet und sich als äußerst schlechter Verlierer gezeigt. Herr ude sollte sich mal um die wirklichen Probleme in seiner Stadt kümmern, d. h. unbezahlbare Mieten für Familien, Verkehrslärm, Staubimmissionen auf dem mittleren Ring usw. Diese Stadt braucht alles, bloß keine weiteren Olympischen Spiele. Diese gruppe aus einem Fußballer, einer DDR-Eisläuferin und einem abgehalfterten OB, der ohnehin bald zurück tritt, war schon abenteuerlich. Olympia braucht nicht nur nicht München, sondern auch nicht Berlin, Leipzig und welche Stadt auch immer in Deutschland. Andere Länder sind nun zu recht mal dran. Deutschland sollte seine Probleme lösen und von großveranstaltungen, die es 2006 und aktuell 2011 hat, die Finger lassen - zum Wohle des eigenen Volkes.
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Der Weg zur Olympia-Vergabe
Nach der Abgabe des fast 400 Seiten starken Bid Books beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne hat für München der Bewerbungs-Endspurt um die Olympischen Winterspiele 2018 begonnen.

Das Bid Book ist die Grundlage für den Besuch der Evaluierungskommission des IOC vom 28. Februar bis 4. März unter der Leitung der Schwedin Gunilla Lindberg.

Am 18. und 19. Mai müssen die Olympia-Kandidaten dann beim IOC in Lausanne die technischen Details der Bewerbung vorstellen.

Die Entscheidung über die Vergabe der Winterspiele 2018 fällt die IOC-Vollversammlung am 6. Juli im südafrikanischen Durban. Mitbewerber sind Annecy in Frankreich und das südkoreanische Pyeongchang.
Austragungsorte Olympische Winterspiele
Jahr Ort/Land
1924 Chamonix/Frankreich
1928 St. Moritz/Schweiz
1932 Lake Placid/USA
1936 Garmisch-P./Deutschland
1948 St. Moritz/Schweiz
1952 Oslo/Norwegen
1956 Cortina d'Ampezzo/Italien
1960 Squaw Valley/USA
1964 Innsbruck/Österreich
1968 Grenoble/Frankreich
1972 Sapporo/Japan
1976 Innsbruck/Österreich
1980 Lake Placid/USA
1984 Sarajevo/Jugoslawien
1988 Calgary/Kanada
1992 Albertville/Frankreich
1994 Lillehammer/Norwegen
1998 Nagano/Japan
2002 Salt Lake City/USA
2006 Turin/Italien
2010 Vancouver/Kanada
2014 Sotschi/Russland
2018 Pyeongchang/Südkorea