Hamburg - Nach der Vergabe der Winterspiele 2018 an das südkoreanische Pyeongchang hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) heftig kritisiert. "Die Wünsche der Athleten und die Umwelt haben keine Rolle gespielt", sagte das SPD-Stadtoberhaupt Zeit online. "Zweifel an der Wahl und den Kriterien des IOC sind angebracht", so Ude.
"Pyeongchang bietet neue Märkte, das war entscheidend. Das ist ernüchternd", sagte Ude. "Wir sind sehr enttäuscht über die deutliche Niederlage, wir empfinden sie als abweisendes Ergebnis." Im "Münchner Merkur" sprach Ude zudem von einer "verheerenden Niederlage". Das Wahlergebnis von nur 25 Stimmen für die deutsche Bewerbung sei ein deutliches Signal, dass "München mit allen seinen Angeboten in puncto kulturellem Reichtum, historischem Erbe oder Nachhaltigkeit nicht vom IOC gewürdigt wird", so der Oberbürgermeister.
Um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020 bewirbt sich nach Rom auch Madrid. In der kommenden Woche wolle das Nationale Olympische Komitee (COE) Spaniens seine Kandidatur bekanntgeben, sagte COE-Präsident Alejandro Blanco in Durban. Eine ähnliche Absichtserklärung hatte auch Japans Hauptstadt Tokio abgegeben. Alle Bewerbungen müssen bis zum 1. September beim IOC eingereicht werden. Lediglich Rom hat bisher seine Kandidatur offiziell gemacht.
Konkurrenz bekommen Rom, Tokio und Madrid durch die türkische Stadt Istanbul, die sich ebenfalls um die Austragung der Sommerspiele 2020 bewerben will. Das bestätigte IOC-Mitglied Richard Carrion am Rande der IOC-Session im südafrikanischen Durban. Es wäre die fünfte Bewerbung Istanbuls um Sommerspiele seit ihrem ersten Versuch für die Spiele 2000. Am 7. September 2013 entscheidet die IOC-Vollversammlung in Buenos Aires über den Gastgeber der Spiele. Bei der Vergabe der Sommerspiele 2016 war Tokio bei der Endabstimmung gescheitert.
Franz Beckenbauers Kritik an Europas IOC-Mitgliedern nach der Wahl von Pyeongchang hat viele Funktionäre nicht beeindruckt. Während IOC-Vizepräsident Thomas Bach zu Beckenbaures Argumentation keine Stellungnahme abgeben wollte, sagte Russlands früherer Schwimmstar Alexander Popow mit Blick auf die Fußball-WM 2022: "Franz Beckenbauer sollte nicht vergessen, welche Veranstaltungsorte sein Weltverband Fifa wählt - ich sage nur Katar." Das IOC sei ein demokratisches Gremium, jeder könne frei entscheiden und sei nicht an einen Zwang gebunden.
Frankreichs früherer Skistar Jean-Claude Killy, der die Bewerbung von Annecy unterstützte, erinnerte an die Worte des früheren IOC-Chefs Juan-Antonio Samaranch. "Er sagte immer: 'Europa reicht von Portugal bis Wladiwostok'." Auch der frühere Sportminister der Ukraine, Waleri Borsow, kann Beckenbauers Kritik nicht nachvollziehen. "München war schon deswegen schwierig, weil 2014 mit Sotschi die Stadt eines europäischen Landes bereits Winterspiele hat."
Nach dem Doping-Skandal bei der Fußball-WM der Frauen will das IOC untersuchen, wie es in Nordkorea generell mit Tests auf verbotene Substanzen steht. Dies erklärte Arne Ljungqvist, Chef der medizinischen Kommission, während der einer IOC-Session im südafrikanischen Durban. "Ich verstehe das Misstrauen der anderen. Aber ich weiß nicht wirklich viel über Dopingkontrollen in diesem Land, das eine so geschlossene Gesellschaft ist wie keine andere auf der Welt", sagte Ljungqvist. Es werde schwierig sein, klare Erkenntnisse über den Umgang mit verbotenen Substanzen beziehunsgweise Kontrollen in Nordkorea zu erhalten.
Außerdem will das IOC mit einem Verbot von Injektionsnadeln bei den Olympischen Spielen 2012 in London seinen Anti-Doping-Kampf verschärfen. Ohne medizinische Ausnahmegenehmigung werden die Nadeln in allen Trainings- und Wettkampfstätten sowie den olympischen Dörfern verboten, bestätigte der Schwede Ljungqvist. Das Auftauchen von Nadeln bei Olympia könne zu einem schlechten Image und Doping-Verdächtigungen führen. Bei vergangenen Olympischen Spielen hätten Reinigungskolonnen in den Olympischen Dörfern regelmäßig gebrauchte Spritzen oder Nadeln gefunden.
jar/sid/dpa/reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles zum Thema IOC | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH