IOC-Präsident Bach "Nachnutzung in Sotschi sehr beeinträchtigt"

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Punkt in Thomas Bachs Agenda. Doch nun musste der IOC-Präsident anerkennen, das dies bei den Winterspielen in Sotschi nicht geschafft wurde. Die Nachnutzung der Spielstätten gestalte sich schwierig, so Bach.

IOC-Präsident Bach (Mitte): Nachhaltigkeit ist zentraler Punkt seiner Agenda
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IOC-Präsident Bach (Mitte): Nachhaltigkeit ist zentraler Punkt seiner Agenda


Hamburg - Die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi im Februar waren die erste große Bühne für Thomas Bach als IOC-Präsident. Zum Ende der Spiele hatte der Deutsche gesagt: "Jetzt wird es wichtig sein, die Nachhaltigkeit dieser Spiele zu sichern."

Neun Monate später muss Bach eingestehen, dass dieses Ziel verfehlt wurde. "In Bezug auf die Nachnutzung hat Sotschi durch die politischen Umstände Probleme. Das ist offensichtlich", sagte Bach in einem Interview mit der "Rheinischen Post".

Mehr als 50 Milliarden Dollar haben die Spiele gekostet, genutzt werden sollten die Arenen und Hallen als Konferenzstätten, einige Gebäude sollten in Sotschi ab- und andernorts wieder aufgebaut werden. Diese Pläne seien laut Bach "durch die politischen Verhältnisse sehr beeinträchtigt".

Nachhaltigkeit zentraler Punkt in Bachs Agenda

Dass die Nachhaltigkeit der Spiele in Sotschi von Beginn an fragwürdig war, sieht Bach nicht. Er hebt in dem Interview hervor, dass die russische Regierung ursprünglich viel vorhatte. "Es gab dezidierte Pläne, die unter anderem die Anbindung Sotschis über Charterflüge vorsahen. Das war sehr konkret und detailliert. Das nun umzusetzen, wird enorm schwierig", sagte der deutsche IOC-Chef.

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Punkt in Bachs Agenda 2020, über die am Montag und Dienstag in Monaco auf der 127. Session des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abgestimmt wird. "Nachhaltigkeit, Glaubwürdigkeit und Jugend sind unsere Topthemen im Zuge unserer Reformagenda. Nachhaltigkeit geht für uns über den Umweltschutz hinaus. Es geht auch um das Erbe, das die Spiele hinterlassen, um soziale und finanzielle Nachhaltigkeit", sagte Bach.

Insgesamt stimmen die IOC-Mitglieder über 40 Verbesserungsvorschläge ab, die Bach vorgelegt hat. Sotschi gilt Olympia-Gegnern mit seinen enormen Investitionen als Paradebeispiel für den olympischen Gigantismus.

luk/sid



insgesamt 7 Beiträge
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nofreemen 06.12.2014
1. Totalversagen mit grossen Sprüchen
Solche Planspiele lernt man leider auf unseren UNIs nicht. Zwischen Umsetzungswünschen und Machbarkeit klafft eine grosse Lücke. Gross sind nur die Worte und Saläre. Es wird leider dabei bleiben weil das System so ausgelegt ist. Man hört lieber auf die grosssprüchigen Propheten als auf die Pragmatiker und Realisten.
hafnafjoerdur 06.12.2014
2. So ein Pech aber auch
Das war ja nun wirklich nicht abzusehen. Dabei ist Sotschi doch ein seit Jahren hochfrequentiertes Wintersportmekka mit natürlich gewachsenen Strukturen, einem breiten Konsens in der Bevölkerung und umweltfreundlichen Konzepten. Und man darf nicht vergessen, welch vorbildliche Vorreiterrolle Russland im Anti-Dopingkampf einnimmt. Wirklich, Thomas Bach, das ist einfach nur dumm gelaufen, das IOC hat wie immer alles richtig gemacht.
noalk 06.12.2014
3. Auch eine Form von Nachhaltigkeit
Wer weiß, vielleicht tut es der Umwelt um Sotschi gut, nicht der menschlichen Dauernutzung zu unterliegen. So kann sich die vom Menschen verschandelte Natur nachhaltig erholen.
Freidenker10 06.12.2014
4.
"Die Nachnutzung der Spielstätten gestalte sich schwierig, so Bach"... War natürlich nicht zu Ahnen, dass keiner ohne Schnee Skifahren will... Hoffe wirklich, dass Bach diesen perversen Olympia-Gigantismus einbremst!
Robert_Rostock 06.12.2014
5.
Zitat von hafnafjoerdurDas war ja nun wirklich nicht abzusehen. Dabei ist Sotschi doch ein seit Jahren hochfrequentiertes Wintersportmekka mit natürlich gewachsenen Strukturen, einem breiten Konsens in der Bevölkerung und umweltfreundlichen Konzepten. Und man darf nicht vergessen, welch vorbildliche Vorreiterrolle Russland im Anti-Dopingkampf einnimmt. Wirklich, Thomas Bach, das ist einfach nur dumm gelaufen, das IOC hat wie immer alles richtig gemacht.
Insofern ist es ja auch wirklich ganz toll, dass die Bürger von St. Moritz, von München und Garmisch sowie die norwegische Regierung sich gegen die Ausrichtung von Winterspielen entschieden haben. Somit wird eine Wiederholung der in Sotschi gemachten Fehler verhindert, und es werden nicht schon wieder in solchen Wintersport-Diasporas wie Garmisch-Partenkrichen oder Oslo-Holmenkollen völlig neue, nicht benötigte, nach den Spielen ungenutzt herumstehende Wintersportanlagen. Stattdessen können gottseidank die seit Jahrzehnten vorhandenen, für -zig Weltcups, Weltmeisterschaften und ähnliche Großwettkämpfe genutzten Anlagen im weltberühmten Wintersportort Peking genutzt werden.
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