Radsport Radrennen unterbrochen - weil eine Frau die Männer einholte

Mit zehn Minuten Abstand folgten beim "Omloop het Nieuwsblad"-Rennen die Frauen auf die Männer. Nicole Hanselmann holte sie dennoch ein - und wurde deswegen gestoppt. Kritik übte sie trotzdem nicht.

Radsportlerin Nicole Hanselmann
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Radsportlerin Nicole Hanselmann

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Beim prestigeträchtigen Tagesrennen Omloop het Nieuwsblad in Belgien ist am Samstag das Rennen der Frauen unterbrochen und neutralisiert worden. Der Grund dafür ist kurios: Die Schweizerin Nicole Hanselmann holte das Feld der männlichen Radprofis ein. Und das war so eigentlich nicht vorgesehen gewesen.

Männer und Frauen starteten auf demselben Streckenabschnitt. Zwischen dem Rennbeginn der Männer und dem der Frauen lagen zehn Minuten. Das Zeitpolster sollte dafür sorgen, dass sie sich unterwegs nicht begegnen.

Als Hanselmann, 27, Schweizer Meisterin im Straßenrennen und Zeitfahren 2017, zur Wagenkolonne der Männer aufschloss, griffen die Organisatoren ein. Sie musste kurz warten, die Männer fuhren weiter, die anderen Fahrerinnen schlossen auf. So wurde das Zeitpolster wiederhergestellt. Hanselmann, die zuvor alleine in Führung gelegen hatte, durfte zwar zwei Minuten vor ihrer Konkurrenz starten. Den Vorsprung konnte sie aber nicht halten, am Ende landete sie auf dem 74. Platz, der Sieg ging an Chantal Blaak.

Nicole Hanselmann im Jahr 2017
imago/ Geisser

Nicole Hanselmann im Jahr 2017

Ein Skandal war die Neutralisation aber nicht. "Für mich ist die Story, die darum gemacht wird, eigentlich viel kurioser als der Vorfall selbst", sagte Hanselmann dem SPIEGEL. "Es war eine normale Rennsituation. Die Entscheidung war okay."

Grund für die Entscheidung waren offenbar Sicherheitsbedenken. "Die Straßen waren schmal, mit Kopfsteinpflaster-Abschnitten", sagte Hanselmann: "Unsere Begleitfahrzeuge wären nicht am Konvoi vorbeigekommen."

Die Organisatoren vom Radsportverband UCI waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Dass sie selbst nicht besser abschnitt, habe nicht an der Zwangspause gelegen. "Die Neutralisation war nach 35 Kilometern, es waren noch 90 Kilometer zu fahren, und die rennentscheidenden Passagen kamen erst noch", sagt sie. Sie habe damit gerechnet, dass das Feld sie einholen würde. Das sei nun wohl einfach etwas früher geschehen.

"Das war eigentlich top"

"Vielleicht haben die Organisatoren unterschätzt, wie langsam manche Männer starten", sagte Hanselmann. Sie selbst und ihre Konkurrentinnen seien nämlich "nicht übermäßig schnell unterwegs" gewesen.

Hanselmann wollte die Veranstalter aber nicht kritisieren, im Gegenteil. Dass die Frauen zeitnah nach den Männern gestartet sind, sieht sie positiv.

"Wir fordern immer gleiche Startzeiten und Strecken für Männer und Frauen. Jetzt wurde das versucht, das war eigentlich top", sagte sie. So nämlich blieben die Zuschauer am Streckenrand stehen und schauten den Frauen zu. Wäre deren Rennen wie üblich zu einem späteren Zeitpunkt ausgetragen worden, wäre die Aufmerksamkeit wohl geringer gewesen. Größere Zeitabstände zu fordern, sei daher nicht förderlich.

Vielleicht sollten die männlichen Kollegen einfach schneller fahren? Hanselmann lacht bei der Frage. "Das wäre sicher das Einfachste."

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