Dopingarzt Fuentes vor Gericht Der Doktor mit den Blutbeuteln

Es dürfte der bislang spektakulärste Dopingprozess der Sportgeschichte werden: Ab Montag steht der berüchtigte Arzt Eufemiano Fuentes in Madrid vor Gericht. Zittern vor seinen Aussagen müssen nicht nur Radprofis, sondern auch Fußballer.

DPA

Doping im Radsport und kein Ende. In der Vorwoche beherrschte die publikumswirksame, aber letztlich wenig erhellende TV-Beichte von Lance Armstrong die Schlagzeilen. Ab kommenden Montag ist dagegen mit möglichen echten Enthüllungen zu rechnen. Dann steht der berüchtigte spanische Dopingarzt Eufemiano Fuentes gemeinsam mit seinen mutmaßlichen Komplizen in Madrid vor Gericht. Und nicht nur Radsportler müssten zittern, sollte der 57-Jährige auspacken.

Die Untersuchung gegen Fuentes und seine Mitwisser, bekannt geworden als Operation Puerto, war vielleicht die spektakulärste aller Dopingermittlungen. Sie löste im Mai 2006 mit groß angelegten Razzien in drei spanischen Städten ähnlich große Schockwellen im Radsport aus wie Armstrongs Überführung als Dopingsünder im vergangenen Herbst.

Überwältigend war die Fülle an Beweismaterial, die "Puerto" zutage brachte. Hatte die US-amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada auf gut tausend Seiten das Dopinggeschäft um Armstrong rekonstruiert, so trug die spanische Guardia Civil während ihrer Ermittlungen gar 7000 Seiten Material über Fuentes' Betrugsnetzwerk zusammen.

Fuentes bediente die Armstrong-Konkurrenz

Dessen Spezialität war eine ausgefeilte Logistik von Bluttransfusionen. Die Blutbeutel wurden von ihm in einer speziellen Analyseklinik in Madrid gelagert. Fuentes bediente vor allem die Konkurrenz von Armstrong. Der US-Amerikaner griff lieber auf die Dienste des Italieners Michele Ferrari zurück.

Der Kundenkreis von Ferrari war deutlich kleiner als der seines Madrider Fachkollegen. Die Dopingstaatsanwaltschaft im italienischen Padua geht von 20 bis 30 Kunden pro Saison aus, das Gros davon im Radsport. Fuentes hingegen soll in Hochzeiten insgesamt 200 Leistungssportler parallel versorgt haben. Neben den 58 namentlich identifizierten Fuentes-Kunden im Radsport - unter ihnen die ehemaligen Spitzenfahrer Jan Ullrich, Ivan Basso und Joseba Beloki - waren wohl auch Sportler aus anderen Disziplinen darunter. Fuentes selbst gab im Juni 2006 in einem Interview mit dem spanischen Radiosender Cadena Ser zu: "Ich habe auch mit Fußballern, Tennisspielern und Leichtathleten gearbeitet. Es sind gar nicht alle Namen bekannt geworden."

Hatte Fuentes auch Fußballer in der Kartei?

Der "Daily Telegraph" zitierte am Montag den ehemaligen deutschen Radprofi und überführten Fuentes-Kunden Jörg Jaksche, der sich daran erinnert, dass "Fuentes sehr stolz darauf war", auch in anderen Sportarten als dem Radsport erfolgreich zu wirken. Der frühere Telekom-Fahrer hat, allerdings ohne Belege zu bringen, zudem den Verdacht geäußert, dass Fuentes noch während der WM 2006 in Deutschland mit Fußballern zusammengearbeitet habe.

In den Akten der Staatsanwaltschaft tauchen allerdings nur die Namen von Radsportlern auf - angeblich, weil die Ermittler andere Sportler nicht zweifelsfrei identifizieren konnten. Ohnehin scheint ein Großteil der Recherchearbeit der spanischen Guardia Civil zu versanden. Nur fünf der 58 identifizierten Radprofis wurden bislang zur Verantwortung gezogen, darunter jedoch kein einziger in Spanien selbst. Die italienische Sportjustiz verurteilte neben den einheimischen Profis Ivan Basso und Michele Scarponi auch den Spanier Alejandro Valverde.

Die beiden anderen Verurteilten aus Operation Puerto sind die Deutschen Jaksche und Jan Ullrich. Italiens Radidol Marco Pantani, bei Fuentes als PTNI geführt, war bei Bekanntwerden der Ermittlungen schon verstorben. Dem 2010 mit Spuren von Clenbuterol im Blut erwischten Alberto Contador wird zwar das Kürzel AC in der Kundenliste von Fuentes zugeordnet. Der Spanier selbst stritt Doping durch Fuentes bislang hartnäckig ab.

Ums Gefängnis kommen die Angeklagten wohl herum

Diese Haltung dürfte Contador als geladener Zeuge in dem Prozess ab Montag durchhalten. Anders als im amerikanischen Strafrecht, wo Zeugen vereidigt werden und im Falle eines Meineids oder bei Behinderung der Justiz im Gefängnis landen können, erlaubt die spanische Rechtssprechung eine Aussageverweigerung, wenn sich jemand selbst belasten könnte.

Angeklagt sind ab dem 28. Januar neben Fuentes dessen Schwester Yolanda, sein Mitarbeiter José Luis Merino Batres sowie die früheren Rennstallmanager Manolo Saiz und José Labarta. Ihnen droht eine zweijährige Gefängnisstrafe sowie ein Verbot der Ausübung ihres Berufs für die gleiche Zeit.

Weil kurze Gefängnisstrafen nicht vorbestrafter Personen in Spanien gewöhnlich nicht abgesessen werden müssen, bedeutet das zweijährige Berufsverbot wohl die größte Unannehmlichkeit. Da es zum Tatzeitpunkt noch keine Dopinggesetzgebung in Spanien gab, wird ihnen nicht Doping, sondern Gesundheitsgefährdung durch unsachgemäße Durchführung der Transfusionen vorgeworfen.

Ein Urteil der ersten Instanz wird für April/Mai erwartet. Ein sehr wahrscheinliches Berufungsverfahren würde frühestens Ende 2013 beendet sein.

Nur eine Handvoll der 58 namentlich genannten Profis dürfte dann überhaupt noch aktiv sein.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
timopieper 23.01.2013
1. nicht ernst gemeint
Am Ende kommt raus, dass die Leistungsträger der spanischen Fußball-Nationalmannschaft Kunden bei Fuentes waren, infolgedessen Spanien seine drei letzten großen Titel aberkannt bekommt.
n+1 23.01.2013
2. Das verstehe wer will
Über Euphemeino Fuentes wird sonst nur Gutes gesprochen. Einer, der die Sportler versteht. Und bei der Tour de France für absolute Chancengleichheit gesorgt hat. Da nimmt ein Sportarzt mal seinen Beruf ernst und dann fallen sie über ihn her.
Das Auge des Betrachters 23.01.2013
3. Und das wird auch so bleiben
Zitat von sysopDPAEs dürfte der bislang spektakulärste Dopingprozess der Sportgeschichte werden: Ab Montag steht der berüchtigte Arzt Eufemiano Fuentes in Madrid vor Gericht. Zittern vor seinen Aussagen müssen nicht nur Radprofis, sondern auch Fußballer. http://www.spiegel.de/sport/sonst/operation-puerto-prozess-gegen-dopingarzt-fuentes-a-878929.html
Es werden auch weiterhin die Namen von Fußballern und Tennisspielern geschützt werden. Alle spielen in dem grausigen Spiel mit, Justiz, Medien und Politik, auch hier bei uns. Es soll das Bauernopfer Radsport geschlachtet werden um vom Rest der "Brot und Spiele" Fraktion abzulenken. Der deutsche Staatszwangsfunk von den Parteien im Bundestag dominiert gibt 100te Millionen für Fußball aus. Die Polizeieinsätze bezahlt der Fußball auch nicht, während jede Rdsportveranstaltung für die nur begleitende Polizei zur Kasse gebeten wird. Daran verstarb übrigens die Deutschlandtour. Es ist eine unheimliche Allianz aus allen Beteiligten und das länderübergreifend. Auch weiss jeder der es wissen will, dass Fuentes und seine Famielie schon seit Jahren mit dem Tode bedroht wird, sollte er auch nur das Wort Fußball noch einmal in den Mund nehmen. Machen wir uns nichts vor, die Freunde des Fußballs in Politik und Medien werden die Weste dieser Sportart sauber halten. Wer weiß in Deutschland schon, dass der komplette Juventus Turin, wegen systematischen Dopings verurteilt wurde?
noodles64 23.01.2013
4. Armstrong ist doch erledigt
Und Doping im Fussball, Leichtathletik, Biathlon Boxen usw gab es doch noch nie. Tsss da glaubt doch wohl niemand das Fuentes mit diesen Glauben aufräumen wird. Der Radsport liegt am Boden und noch mehr Sportarten in diesen Sumpf zu stürzen, würde bedeuten dass die gesamte Gelddruckmaschine Profisport angeprangert und aufgelöst gehört. Das kann und will sich niemand leisten. Also schön weitermachen wie immer: Einen rauspicken und niedermachen! Der Rest kann gemütlich weitermachen wie immer. Mich würde echt mal interessieren was rauskommen würde wenn Fußballer genauso konsequent von Dopingjägern verfolgt würden wie die Radfahrer. Aber nicht umsonst hat die FIFA ihre eigenen, wesentlich laxeren "Anti"dopingregeln.
Robert_Rostock 23.01.2013
5.
Zitat von sysopDPAEs dürfte der bislang spektakulärste Dopingprozess der Sportgeschichte werden: Ab Montag steht der berüchtigte Arzt Eufemiano Fuentes in Madrid vor Gericht. Zittern vor seinen Aussagen müssen nicht nur Radprofis, sondern auch Fußballer. http://www.spiegel.de/sport/sonst/operation-puerto-prozess-gegen-dopingarzt-fuentes-a-878929.html
So ein Unsinn. Doping im Fußball-dass ich nicht lache. Es wurde doch schon oft genug, auch hier im Forum, stichhaltig bewiesen, dass Doping im Fußball völlig sinnlos ist. Außerdem: Würde dann noch ein Sender Fußball übertragen? Erst recht so heldenhafte Anti-Doping-Sender wie ARD oder ZDF? Wenn es irgendwie den allerkleinsten Hinweis auf Doping im Fußball gegeben hätte, dann hätte es doch längst stundenlange Sondersendungen darüber gegeben, und die Sportschau würde längst zu unverdächtigen Sportarten gewechselt sein. Hat sie ja bei Radsport auch gemacht, und überträgt stattdessen jetzt Boxen und Triathlon. (Hinweis: Der Beitrag könnte Spuren von Sarkasmus enthalten)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.