Missbrauchsskandal im US-Turnen Opfer sagen unter Tränen gegen Nassar aus

Ein schwerer Tag für die Opfer: Vor Gericht haben Turnerinnen unter Tränen ausgesagt, die von dem Teamarzt Larry Nassar missbraucht worden sind. Dem Angeklagten droht eine Rekordstrafe.

Angeklagter Larry Nassar
AP

Angeklagter Larry Nassar


Hoch emotionalisiert und teilweise von Weinkrämpfen geschüttelt haben bei einer Gerichtsanhörung in Lansing im US-Staat Michigan zahlreiche Opfer den wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten ehemaligen US-Kunstturnarzt Larry Nassar direkt bezichtigt. "Er hat mein Vertrauen missbraucht und mich mehr als hundertmal bedrängt und genötigt", sagte die frühere Turnerin Alexis Moore unter Tränen.

Vier mutmaßliche Opfer äußerten sich direkt im Gerichtssaal, weitere Aussagen wurden anhand von Videoaufzeichnungen protokolliert. Der 54-jährige Nassar, in einen blauen Gefängnisdress gekleidet, vergrub mehrfach das Gesicht hinter seinen Händen und schluchzte bisweilen.

Video: Opfer sagen gegen Nassar aus

REUTERS

Bereits zu Wochenbeginn hatte auch die viermalige Olympiasiegerin Simone Biles als bislang prominentestes Opfer Nassar beschuldigt, sie über Jahre hinweg missbraucht zu haben. Die 20-Jährige war damit die vorerst letzte Athletin, die sich über die Praktiken des Mediziners äußerte. Ähnliche Aussagen hatten bereits die Top-Turnerinnen Gabby Douglas, Aly Raisman und McKayla Maroney getätigt.

Unter starkem Druck steht weiterhin der US-Verband. Maroney hat bereits eine Klage eingereicht. Die 22-Jährige soll vor einem Jahr von USA Gymnastics laut Medienberichten umgerechnet rund eine Million Dollar erhalten haben, damit sie über die Vorgänge um Nassar schweigt.

Nassar wurde bereits Anfang Dezember wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material zu 60 Jahren Haft verurteilt. Schon in wenigen Tagen droht ihm bei einem weiteren Schuldspruch eine zusätzliche Haftstrafe von bis zu 125 Jahren - also lebenslang. Mehr als 20 Jahre lang war Nassar für den US-Verband tätig, viermal gehörte er zum Olympiateam der USA.

Mittlerweile hat auch der Turn-Weltverband FIG auf den Skandal reagiert. Präsident Morinari Watanabe kündigte einen Unterstützungsfonds für die Missbrauchsopfer an. "Die Sicherheit von Kindern und jungen Athleten ist in unserem Sport fundamental wichtig. Wir werden keinerlei sexuellen Missbrauch in der Gemeinschaft der Turner tolerieren", sagte der Japaner.

aha/sid



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