Weltrekord bei Para-Leichtathletik-EM Markus Rehm springt fast über die Grube

8,48 Meter! Viel weiter hätte Markus Rehm bei der Para-EM in Berlin nicht springen dürfen. Mit seinem Weltrekord wäre er auch bei den Nicht-Para-Sportlern Europameister geworden.

Markus Rehm
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Weitsprung-Europameister Markus Rehm wäre fast zum Zu-weit-Sprung-Europameister geworden. Bei seinem letzten Versuch bei der Para-Leichtathletik-EM in Berlin traf der 30-Jährige das Brett perfekt und segelte so weit durch die Luft, dass er nach der Landung aus der Sprunggrube herausrollte.

8,48 Meter bedeuteten nicht nur den klaren Sieg und den dritten EM-Titel für Rehm, sondern auch neuen Weltrekord. Die bisherige Bestmarke von 8,47 Meter hatte der Deutsche erst in diesem Jahr bei einem Wettkampf in Japan aufgestellt.

"Es war schwierig heute", sagte Rehm über das Springen bei wechselnden Winden. "Aber Weltrekord vor der Heimkulisse mit ganz vielen Freunden und Familie ist ein Traum. Das ist sehr emotional."

Rehm, dem nach einem Wakeboard-Unfall 2003 der rechte Unterschenkel amputiert worden war, ist im Weitsprung bei Großereignissen seit 2011 ungeschlagen. Unter anderem hatte er bei den Paralympics 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro jeweils die Goldmedaille gewonnen. Konkurrenz könnte er demnächst von einem Landsmann bekommen. Der 23-jährige Felix Streng, Europameister über 200 Meter, wurde mit persönlicher Bestweite von 7,71 Meter Zweiter.

Rehm träumt davon, an Nicht-Para-Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen. Mit seinem Rekordsprung auf 8,48 Meter hätte er in diesem Jahr auch bei der EM für Athleten ohne Behinderung mit großem Abstand den Titel gewonnen. Stattdessen hatte sich Anfang August der Grieche Miltiadis Tentoglou mit 8,15 Meter Gold gesichert. Fabian Heinle war mit einer Weite von 8,02 Meter sensationell auf dem zweiten Platz gelandet.

mmm/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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Kaian 26.08.2018
1. Cyborg?
Bei den gezielten Veränderungen am Körper muss man schon die Frage stellen, ob die behinderten-veranstaltungen nicht als Cyborg-Meisterschaften gewertet werden sollten.
Gmorker 26.08.2018
2. High-Tech-Protese
"Rehm träumt davon, an Nicht-Para-Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen." ... Bei aller hochverdienter Anerkennung für die sportliche Leistung, ist das wohl kaum möglich, da die High-tech-Protese eine Federkraft mit sich bringt, die mit biologischer Normalausstattung nicht vorhanden ist. Er wäre somit automatisch technik-gedopt bei den Wettkämpfen der "Normalos" und somit kann das nicht funktionieren.
KuGen 26.08.2018
3. Deshalb sollte Cyborgs , wie auch Pistorius,...
....bei normalen Olympiaden oder EMs nicht teilnehmen dürfen.
alpinschussel 26.08.2018
4. Abstand war kleiner
Der virtuelle Abstand von Rehm zu den Sportlern ohne Prothese war kleiner: Tentoglou sprang 8,25m, Heinle 8,13m - wie aus dem verlinkten Artikel richtig zu ersehen ist.
friespeace 26.08.2018
5. Mega Leistung
Gar keine Frage, der Mann ist ein absoluter Ausnahmeathlet. Dennoch werfen allein seine massiven Steigerungen in den letzten Jahren Fragen auf, wie wichtig das Material ist. Ich weiß, dass sich da Experten mit beschäftigt haben mit einem recht verhalten deutlichen Ergebnis (vermutlich hat er durch die Prothese einen Vorteil) - für mich als Laien reicht es eigentlich schon zu sehen, dass er nicht mit dem gesunden Bein anspringt um zu sehen, dass er hier einen Vorteil hat, der es nicht sinnvoll erscheinen lässt ihn bei den "normalen" starten zu lassen.
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