Para-Leichtathletik "Weltmester" auf dem Weg zum EM-Titel?

Klein anfangen, groß rauskommen - so lautet das Motto von Matthias Mester. Der 1,41 Meter große Speerwerfer ist einer der Größten seiner Disziplin. Und das nicht nur aufgrund seiner sportlichen Leistung.

Mathias Mester
imago/ Beautiful Sports

Mathias Mester

Von León Küther


In seiner Karriere hat er fast alles erreicht: Matthias Mester war bereits Weltmeister im Speerwurf und Silbermedaillengewinner im Kugelstoßen bei den Paralympics, er hat das Silberne Lorbeerblatt verliehen bekommen. Doch der 31-Jährige ist nicht nur auf einer sportlichen Mission. Zusammen mit seinem Freund Niko Kappel, ebenfalls amtierender Weltmeister und zudem Paralympics-Sieger im Kugelstoßen, sorgt Mester in den sozialen Netzwerken immer wieder für Erheiterung. Das Ziel: Die beiden Athleten wollen mit Humor für einen offeneren Umgang mit ihrer Behinderung sorgen:

Dabei dokumentieren Mester und Kappel ihren sportlichen Alltag und erklären sowohl Vor- als auch Nachteile ihrer Kleinwüchsigkeit auf ironische Art und Weise. Passende Spitznamen dürfen natürlich auch nicht fehlen: Während Mester sich Weltmester nennt, hat sich Kappel den Spitznamen Bonsai verpasst.

2016 postete Mester im Vorfeld der Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro ein Bild von sich in einer viel zu großen Hose. Bei der Einkleidung vor den Spielen wurden dem kleinwüchsigen Sportler falsche Kleidungsstücke zugeordnet. Mester nahm es mit Humor und teilte das Missgeschick mit seinen Fans. Das kommt an.

So sehr, dass sich Mester auch neue berufliche Perspektiven eröffnen: Er soll schon ein Angebot bekommen haben, den "Game of Thrones"-Schauspieler Peter Dinklage zu doubeln. Und bei den Winter-Paralympics in Pyeongchang war Mester mit Kappel als Reporter und Experte im Einsatz.

Dazu hat Mester gemeinsam mit dem Deutschen Behindertensportverband die Serie "Weltmester trifft" ins Leben gerufen, in der verschiedene Sportler von ihm interviewt werden. Im April war er als Laudator beim German Paralympic Media Award im Einsatz. Mester versteht sich als Botschafter seines Sports und ist sich der Bedeutung des öffentlichen Interesses bewusst.

Der erste kleinwüchsige Athlet, der den Speer über 40 Meter weit warf

Früher spielte der Speerwerfer Fußball. Er habe sogar mal ein Kopfballtor gemacht, hat Mester im SWR erzählt. Später hat ihn dann seine ehemalige Trainerin Steffi Nerius beim Probetraining entdeckt. 2005 war das, in Leverkusen. Vier Weltmeistertitel, drei Europameistertitel und eine Silbermedaille bei den Paralympics später ist Mester eines der Aushängeschilder des Deutschen Behindertensportverbandes.

Sportlich wartet am Sonntag der nächste Höhepunkt auf den 31-jährigen, dann geht es in Berlin um den Europameistertitel in der Wettkampfklasse F 41. Eine Medaille bei der EM im eigenen Land würde seiner Karriere ein weiteres Highlight hinzufügen. Seine Vorzeigedisziplin bleibt das Speerwerfen. Mester war der erste kleinwüchsige Athlet, dem es gelungen ist, den Speer über die 40-Meter-Marke zu werfen.

Glaubt man seinem Instagram-Profil, kann es Mester kaum noch abwarten, in Berlin an den Start zu gehen. Zusammen mit "Bonsai" Kappel zählt er die Tage bis zu seinem Wettkampf. Kappel hat sein Kugelstoß-Finale zwar schon hinter sich und mit einem zweiten Platz beendet, bleibt aber dennoch in Berlin, um seinen Freund und Trainingskollegen zu unterstützen.

Dessen Fernziel sind die Paralympics 2020 in Tokio. Dort soll es dann auch mit der paralympischen Goldmedaille klappen. Es wäre der krönende Abschluss einer glanzvollen Karriere. Erst mal gilt die volle Konzentration aber Berlin. "Europamester" klingt schließlich auch nicht schlecht.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
Zentrist 26.08.2018
1. Respekt
Im Gegensatz zu so manchem, der seine eigenen Nachteile nur beklagt, handelt Herr Mester Ich wünsche ihm viel Glück, er ist ein Vorbild.
noalk 26.08.2018
2. Es ist höchste Zeit
Die zeitliche und örtliche Trennung von Meisterschaftsveranstaltungen für Nicht-/Behinderte gehört umgehend aufgehoben. Alle zusammen bei ein und demselben Event, jeder in seiner Disziplin. Auch wenn dadurch Olympische Spiele oder Meisterschaften eine Woche länger dauern sollten.
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