Paralympics-Highlights Das war die Nacht in Rio

Ein kurioses Sprint-Gold, Probleme im Anti-Doping-Kampf und ein verirrter Heißluftballon: Bei den Paralympics in Rio de Janeiro ist in der Nacht wieder allerhand passiert. Eine Übersicht.

Deutsche Sprintstaffel
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Deutsche Sprintstaffel


So haben die Deutschen abgeschnitten

Gleich doppelt feierte die deutsche Sprintstaffel um Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors. Im 4x100-Meter-Finale holte das Team zunächst Silber, konnte sich dann aber sogar über Gold freuen. Während die vier Läufer bereits auf der Ehrenrunde waren, wurde das Siegerteam aus den USA disqualifiziert. Der Grund: Der zweite US-Läufer hatte den dritten schon vor der Wechselzone berührt. "Wir kamen gerade auf die Zielgerade zurück und sahen, wie auf der Tribüne alle ausflippten", sagte Rehm. "Wir haben uns gedacht: Ja, wir haben Silber geholt, das ist toll. Aber warum rastet ihr deshalb so aus? Dann habe ich auf die Anzeigetafel geguckt. Das ist krass!"

Für Sprinter Behre gab es sogar noch eine weitere Medaille: Über die 200-Meter-Distanz holte der 29-Jährige Bronze - und stellte dabei in 21,41 Sekunden einen Europarekord auf. "Das ist megamäßig. Einmal Gold und einmal Bronze an nur einem Abend - ich kann sehr zufrieden sein", sagte Behre.

Mit dem schnellsten Lauf ihrer Karriere hat sich Irmgard Bensusan die Silbermedaille über 400 Meter gesichert. In 59,62 Sekunden musste sie sich nur der Französin Marie-Amelie le Fur geschlagen geben, die in 59,27 Sekunden Weltrekord lief. Bei der WM 2015 in Katar war die gebürtige Südafrikanerin Bensusan, deren rechter Unterschenkel gelähmt ist, noch fast vier Sekunden langsamer gewesen.

Im Tischtennis holte Valentin Baus Silber. Der 20-Jährige unterlag dem Chinesen Cao Ningning im Finale 0:3 (11:13, 10:12, 8:11). "Natürlich wollte ich gewinnen, aber ich bin auch mit Silber zufrieden. Ich habe ein super Turnier gespielt. Im Finale haben ein, zwei kleine Sachen den Ausschlag gegeben", sagte Baus, der an Osteogenesis imperfecta leidet, was umgangssprachlich oft als Glasknochenkrankheit bezeichnet wird.

Valentin Baus
DPA

Valentin Baus

Heiko Kröger hat zum Auftakt der Segelwettbewerbe Kurs auf eine Medaille genommen. Der Paralympics-Sieger von 2000 fuhr in den ersten beiden Rennen der Einmann-Kielbootklasse 2.4mR auf die Ränge fünf und drei und belegte in der Gesamtwertung den dritten Platz. "Das war ein guter Einstieg. Die Starts waren nicht ganz so gut, aber auf der Strecke hat alles gut gepasst", sagte der 50-Jährige, dem der linke Unterarm fehlt. Kröger bestreitet in Rio seine fünften Paralympics.

Trotz der Erfolge rutschte das Team des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) In der Nationenwertung ab. Nach 238 von 528 Entscheidungen steht Deutschland mit fünf Goldmedaillen, neunmal Silber und sechsmal Bronze auf Rang elf. An der Spitze ist weiter unangefochten China (50/40/28) vor Großbritannien (28/16/19) und der Ukraine (22/19/20).

Das war sonst noch los in Rio

Der 1500-Meter-Lauf der Männer endete mit bemerkenswerten Zeiten: Der sehbehinderte Abdellatif Baka aus Algerien siegte in Weltrekordzeit von 3:48,29 Minuten, Silber holte der Äthiopier Tamiru Demisse in 3:48,49 Minuten, Henry Kirwa aus Kenia gewann in 3:49,59 Minuten Bronze. Damit waren sie alle schneller als der Sieger bei den Olympischen Spielen: Der US-Amerikaner Matthew Centrowitz hatte in 3:50,00 Minuten Gold geholt. Den Weltrekord bei den Nichtbehinderten hält der Marokkaner Hicham El Guerrouj, der für die Strecke 3:26,00 Minuten benötigte.

Silbergewinner Demisse sorgte zudem für Aufsehen, als er nach dem Vorbild von Olympia-Läufer Feyisa Lilesa gegen die eigene Regierung protestierte. Wie zuvor Lilesa kreuzte Demisse nach dem Zieleinlauf über 1500 Meter seine Hände über dem Kopf, um gegen die Unterdrückung der Volksgruppe der Oromo zu demonstrieren - zum Missfallen des IPC. "Wir haben ihm sehr klargemacht, dass wir politische Zeichen während der Spiele nicht akzeptieren, und dass er so etwas nicht wieder machen darf", sagte IPC-Präsident Craven.

Tamiru Demisse
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Tamiru Demisse

Der saudische Gewichtheber Mashal Alkhazai ist des Dopings überführt und für acht Jahre gesperrt worden. Bei einer Trainingskontrolle kurz vor Beginn der Spiele waren Spuren der verbotenen Substanz Metenolon in Alkhazais Urin gefunden worden. Da der 36-Jährige bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere positiv getestet wurde, verhängte das IPC umgehend eine harte Strafe.

Trotz des Fangs hat das IPC Lücken in seinem Anti-Doping-System eingeräumt. "Das war heute Morgen ein Thema bei der Sitzung unseres Boards. Wir müssen sehen, welche Lehren wir für die Zukunft daraus ziehen", sagte IPC-Präsident Philip Craven. Hintergrund ist die Flut der Bestleistungen: 117 Weltrekorde wurden während der ersten vier Wettkampftage aufgestellt - das macht Experten und Offizielle stutzig. Während der gesamten Paralympics gibt es 1500 Dopingtests für mehr als 4300 Athleten.

Ein kleiner Heißluftballon hat für Aufregung im Olympiapark gesorgt. Das unbemannte Flugobjekt landete auf einem Arenadach und verursachte kleinere Schäden, vor allem durch den starken Wassereinsatz der Feuerwehrleute. Personen wurden jedoch nicht verletzt. Gestartet wurde der Ballon laut der Organisatoren in einer Favela.

bka/sid/dpa/AP



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
dieter 4711 13.09.2016
1. Gold muß her
Gold muß her, sonst sacken wir im Medaillienspiegel weiter ab.
LatitudeVSK 13.09.2016
2.
Heiko Kröger fuhr in den ersten beiden Rennen der Einmann-Kielbootklasse 2.4mR auf die Ränge zwei und drei und belegte somit in der Gesamtwertung den zweiten Platz.
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