Russische Athleten bei Paralympics "Wut, Trauer, Betroffenheit, Scham, Ohnmacht"

Bei den Paralympics 2016 war Russland wegen erwiesenen Staatsdopings noch ausgeschlossen. Diesmal dürfen 30 russische Sportler starten. Für Athletensprecherin Manuela Schmermund ein Unding.

Logo des Russischen Paralympischen Komitees
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Sportschützin Manuela Schmermund hat in ihrer Funktion als Athletensprecherin deutliche Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sowie dem Paralympischen Komitee (IPC) geäußert. "Ich fühle ein unsägliches Gemisch von Wut, Trauer, Betroffenheit, Scham und Ohnmacht", sagte die stellvertretende Athletensprecherin der Behindertensportler: "Ich schäme mich für diese Organisationen!"

Im Gegensatz zu 2016, als Russland wegen erwiesenen Staatsdopings komplett von den Sommer-Paralympics in Rio ausgeschlossen wurde, verzichtet das IPC diesmal auf einen Komplettausschluss. Das russische Paralympische Komitee (RPC) bleibt zwar suspendiert, 30 besonders überprüfte Sportler dürfen als "Neutrale Paralympische Athleten" (NPA) aber an den Start gehen: zehn alpine Skiläufer, zwölf Langläufer, drei Snowboarder und ein fünfköpfiges Rollstuhlcurling- Team. Eine Nennung Russlands wie bei Olympia ("Olympische Athleten aus Russland") gibt es bei den Paralympics nicht, zudem weder eine russische Flagge noch die Hymne, dazu neutrale Kleidung.

Als Mitglied der achtköpfigen Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beteiligte sich Schmermund auch an einem Protest-Statement. "Es ist unerträglich, wie wissentlich mit einem organisierten Sportbetrug umgegangen wird", erklärte sie: "Durch diesen Umgang des IOC - und leider mittlerweile auch des IPC - wird der gesamte Antidopingkampf ad absurdum geführt."

Dieser Ärger richtete sich auch gegen Andrew Parsons, der im vergangenen September Sir Philip Craven nach 16 Jahren als IPC-Präsident ablöste. "In der damaligen Situation und personellen Besetzung des IPC-Präsidiums und der weiteren Verantwortlichen waren die Eier da und groß", sagte Schmermund mit Blick auf Rio: "Aktuell sind diese offensichtlich viel kleiner geworden. Ehrlich gesagt habe ich das auch befürchtet. Es steht und fällt mit Personen."

mon/dpa/sid



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