Paralympics-Eröffnung: London feiert seine zweiten Spiele

In London feiern 62.000 Zuschauer die Eröffnung der Paralympischen Spiele. Stephen Hawking führt als Erzähler durch die Show unter dem Motto "Enlightment" - Aufklärung und Erleuchtung. Auch die königliche Familie lässt sich die Feier nicht entgehen.

Paralympics in London eröffnet: Phantasievoll, fröhlich, akrobatisch und emotional Fotos
AP

Hamburg - London kommt aus dem Feiern kaum noch heraus. 17 Tage nach dem Ende der Olympischen Spiele beginnen nun die Paralympics. Zum Auftakt gab es in der britischen Hauptstadt eine gigantische Eröffnungsfeier. Um 23.13 Ortszeit eröffnete Queen Elizabeth II. die 14. Sommerspiele. Anschließend gab es ein gigantisches Feuerwerk. Es wird ein Sportfest der Rekorde: 4200 Athleten aus 165 Ländern kämpfen um 1509 Medaillen, 2,5 Millionen Besucher in den Sportstätten und ein Milliarden-Publikum weltweit vor den TV-Bildschirmen werden erwartet.

"An diese Spiele wird man sich erinnern", sagte Organisationschef Sebastian Coe, ehe um 23.13 Uhr Ortszeit von Queen Elizabeth II. die offizielle Eröffnung folgte. Den Paralympischen Eid für die Sportler sprach die britsche Schwimmerin Liz Johnson. "Herzlichen willkommen bei den größten Paralympics aller Zeiten", rief Philip Craven, der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC): "Habt Spaß!"

Vor 62.000 Zuschauern im ausverkauften Olympia-Stadion, darunter neben der Queen auch Prinz William und seine Frau Catherine, wurde zum Auftakt des Showprogramms der spektakulären Eröffnungsfeier die Geburt der Erde nachgestellt: Ein gleißend heller Himmelskörper senkte sich in die Mitte des ausverkauften Londoner Olympiastadions.

Danach hatte Stephen Hawking einen umjubelten Auftritt. Der an einer Nervenkrankheit leidende Physiker führte als Erzähler durch die Feier unter dem Motto "Enlightment" - Aufklärung und Erleuchtung.

Im Zentrum der Feier stand das kleine Mädchen Miranda, eine Figur von Shakespeare, die mit Hawking das Publikum aufforderte, auf eine virtuelle Reise durch die Historie der Wissenschaft zu gehen. Als Darsteller fungierte unter anderem der als "Gandalf" in "Der Herr der Ringe"-Trilogie bekannt gewordene Schauspieler Ian McKellen.

Daniela Schulte führt deutsche Delegation an, Gauck jubelt auf der Tribüne

Das deutsche Team wurde von der blinden Schwimmerin Daniela Schulte angeführt. Rund 210 Sportler, Trainer und Betreuer des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) folgten Schulte ins Stadion. 150 Athleten gehen für Deutschland an den Start. Auf der Tribüne jubelte auch Bundespräsident Joachim Gauck.

"Ich wünsche mir, dass wir mehr Aufmerksamkeit kriegen und ganz genauso behandelt werden wie Nicht-Behinderte, nicht in Watte gepackt werden", sagte Schulte vor ihren vierten Spielen. Schwimm-Kollegin Kirsten Bruhn freute sich für Schulte: "Es hätte keinen besser treffen können. Sie ist nicht so extrovertiert, aber das, was sie sonst ins Wasser bringt, kann sie jetzt als Fahnenträgerin zeigen."

Zwei früheren deutschen Behindertensportlerinnen - Handycap-Rudererin Monika Tampe und Goalballspielerin Cornelia Dietz - war schon am Nachmittag die Ehre zuteil geworden, die paralympische Fackel für einige hundert Meter durch London zu tragen.

Als Einstimmung auf das weltgrößte Behindertensportfest erhielten die Athleten eine Botschaft von Angela Merkel. "Ich kann Menschen mit Behinderung nur ermutigen, sich politisch zu engagieren. Es gibt aber leider in unserem Leben insgesamt immer noch zu viele Barrieren, die wir beseitigen müssen", sagte die Bundeskanzlerin der "Paralympics Zeitung", einer Sonderbeilage von "Tagesspiegel", "Zeit" und "Handelsblatt".

London ist nicht der erste britische Gastgeber für Paralympische Spiele. 1948 fanden in Stoke Mandeville die ersten Wettbewerbe für Behinderte statt. Als Gründervater gilt der deutsche Arzt Ludwig Guttmann.

luk/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Sehr gelungen!
regentrude 30.08.2012
Habe gerade die Übertragung gesehen, dies hat mir noch besser gefallen als die Eröffnung der olympischen Spiele. Tolle, durchdachte Show, Botschaft stringenter rübergebracht, klarer roter Faden und viele Denkanstößchen. Viele Nationen hatten auch bessere Klamotten an als bei der olympischen Eröffnung, nur die Deutschen kamen wieder in peinlichem Blau und Rosa :-|
2. Paralympics
spon-facebook-10000106934 30.08.2012
Also bei der Eröffnungsparty waren "wir" schon mal wieder ausschließlich "unter uns". Also gerade in London wäre es doch schoen gewesen, wenn die Show von wenigstens einem der im UK reichlich vorhandenen Superstars begleitet worden wäre.
3. Sehr schön, sehr würdig!
wohlfarths-mädchen 30.08.2012
Eigentlich wollte ich nicht so lange aufbleiben, aber ich wollte etwas aufmunterndes schauen, nachdem ich gestern etwas verkehrter Laune war...solche Paralympics- Eröffnungen gabs wohl noch nie in dieser Dimension und alle Eintrittskarten sind im Vorfeld schon verkauft gewesen.Auch die Eintrittskarten der nächsten 2 Wochen sind bereits ausverkauft. Und all diese behinderten Sportler, waren begeistert und voller Lebensfreude reingegangen und trugen stolz die Fahne ihres Landes. Ganz Großartig. Ich freute mich sehr, das diese Sendung übertragen wurde in recht voller Länge und mit Untertiteln! Ich bin fast taub und darauf angewiesen. Es war eine sehr feierliche Stimmung dort und es zeigt einmal mehr, das Behinderungen aller Art bei den Menschen von Nicht-Behinderten akzeptiert und diese einfach zum Leben dazu gehören. Wir sind alles Menschen und genauso viel wert, wie alle anderen, die nicht behindert sind. Ich wünsche mir sehr, das die Behinderten als solche und der Sport mit ihnen im Besonderen einfach mehr dazugehören und mehr voller Integration bedarf . Behinderungen müssen also normal sein und diese Menschen als Menschen behandelt werden . Viele werden von außen im Alltag noch stark unterdrückt und sogar beschämt missachtet bzw. primitiv weggesperrt. Die Behinderten selbst nehmen die Behinderungen an, das müssen sie, ob sie wollen oder nicht, denn sie müssen sich nicht ihrer schämen. Vieles könnte allerdings im Leben leichter gehen, wenn zB. der Arbeitsplatz auf die behinderten Menschen ausgerichtet würde,denn Fähigkeiten haben alle --und unnötige Barrieren beseitigt werden würden. Sehr, sehr schön war auch die Show mit Miranda von Shakespear und Steven Hawking als Kommentator, was sehr tiefgründig fand.
4. OBERPEINLICH, was die ARD da verzapft hat
hman2 30.08.2012
Erst läßt die ARD mal locker flockig die erste halbe Stunde der Eröffnungsfeier unter den Tisch fallen. *Live* hat sie angekündigt. Und einer der ersten Sätze der Ankündigung war "die Feier hat vor einer knappen halben Stunde angefangen". Bitte was? Aber es geht noch peinlicher. Laut Programm waren 2 Stunden Übertragung vorgesehen - aber die Feier dauerte 3,5 Stunden. Trotz der unterschlagenen ersten halben Stunde (was dazu führte dass geschlagene zwei Stunden lang nur Sportlereinmarsch zu sehen war) musste über eine Stunde überzogen werden. Gut dass ich vor dem TV saß. Hätte ich die Sendung aufgezeichnet hätte ich mir in den Allerwertesten gebissen. Die eigentliche Show ging nämlich erst los, als die Übertragung laut Programm schon beendet gewesen sein sollte... Aber da hören die Peinlichkeiten noch lange nicht auf. Der Ton war grauenhaft. Offensichtlich hatte die ARD keinen Originalton, so dass alles über Mikrofone aufgezeichnet wurde, über die meiste Zeit "klang" es so, als wenn dafür die Mikros der Moderatoren hätten herhalten müssen, so bassarm und verhallt war der Ton. Ein Ohrengraus. Und genau wie bei Olympia: Zwar gab es eine Tonspur betitelt "ohne Audiodeskription", neben "Dolby" (was für eine Verschwendung) und "stereo". Nur gab es wieder keine Tonspur ohne Kommentar! Zwar war der Kommentar lange nicht so geistlos und sinnbefreit wie bei Olympia. Aber bitte, muss man Stephen Hawking zutexten, zumal die Übersetzung seines Parts doch eingeblendet war???
5. Huchß
hman2 30.08.2012
Zitat von wohlfarths-mädchenIch freute mich sehr, das diese Sendung übertragen wurde in recht voller Länge und mit Untertiteln!
Gerade das wurde sie nicht. Die erste halbe Stunde wurde komplett unterschlagen...
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Paralympics 2012: Die deutschen Stars in London

Paralympische Spiele: Der ewige Medaillenspiegel
Platz Team Gold Silber Bronze
1 USA 666 586 589
2 Großbritannien 493 470 463
3 Deutschland 434 427 400
4 Kanada 339 272 299
5 Australien 294 324 278
6 Frankreich 294 296 285
7 Niederlande 237 204 171
8 China 232 187 135
9 Polen 209 202 177
10 Spanien 191 187 198
Paralympische Spiele: Deutsche Medaillen seit 1992
Jahr Gold Silber Bronze
1992 61 52 48
1996 40 58 51
2000 16 41 38
2004 19 28 32
2008 14 25 20