Hamburg - Sprinter Oscar Pistorius hat seine erste von vier angestrebten Goldmedaillen überraschend verpasst. Der Südafrikaner unterlag im 200-Meter-Rennen dem Brasilianer Alan Oliveira, der ihn kurz vor der Ziellinie noch überholte. Oliveira siegte in 21,45 Sekunden und war damit sieben Hunderstelsekunden schneller als der "Blade Runner".
Pistorius beklagte sich anschließend über zu hohe Stelzen der Rivalen, die durch das neue Reglement erlaubt sind. "Wir sind kein faires Rennen gelaufen. Fakt ist: So schnell war er bisher noch nie. Auch nicht annähernd", sagte der Südafrikaner, dem zahlreiche Konkurrenten beipflichteten. "Wenn man sich Videos aus dem vergangenen Jahr anschaut, sieht man, dass er kleiner war als ich. Jetzt ist er größer", so Pistorius.
Der 25-Jährige schimpfte weiter: "Ich laufe zehn Meter in der Sekunde. Ich kann nicht nachvollziehen, wie jemand acht Meter Rückstand auf der Zielgerade noch aufholen kann. Das kann nicht richtig sein." Oliveira selbst wies die Kritik zurück. Der Brasilianer erklärte, er habe diese Federn schon im Halbfinale benutzt: "Ich habe damit alle Tests bestanden, das weiß Pistorius auch." Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) erklärte, dass alle Federn gemessen und zugelassen wurden.
Bronze ging an den Amerikaner Blake Leeper (22,46 Sekunden). Der beidseitig unterschenkelamputierte David Behre (23,71) aus Deutschland belegte in seinem ersten Paralympics-Finale den siebten Rang und blieb dabei deutlich unter seiner Bestzeit.
Noch im Halbfinale am Samstag war Pistorius Bestzeit und Weltrekord gelaufen. Er unterbot dabei in 21,30 Sekunden die kurz zuvor aufgestellte Bestmarke des Brasilianers Oliveira um 0,58 Sekunden. Der schlug nun im Finale zurück. Pistorius hatte vor vier Jahren dreimal Gold geholt und war zuletzt auch bei Olympia gelaufen.
In London startet der 25-Jährige noch über 100 und 400 Meter sowie in der 4x100-Meter-Staffel.
leh/dpa
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