Patriots-Niederlage im Super Bowl Bradys Alptraum ohne Ende

Tom Brady und seine New England Patriots hatten vom Titel und der Revanche geträumt - doch im Schlussviertel des Super Bowl unterliefen dem Quarterback und seinem Team zu viele Fehler. Wie vor vier Jahren triumphierten die New York Giants dank eines Touchdowns in letzter Minute.

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Hamburg - Die Spieler der New York Giants rannten jubelnd an ihm vorbei, Tom Brady stand wie gelähmt auf dem Feld. Der 34-Jährige schien es nicht glauben zu können. Zum zweiten Mal hatte der Quarterback der New England Patriots im Super Bowl gegen die Giants verloren, zum zweiten Mal fiel die Entscheidung in der letzten Minute. Bradys Blick war auf den Boden gerichtet, der Kopf gesenkt, als er das Feld verließ.

"Wir haben es nicht ganz geschafft", flüchtete sich Brady in einen Euphemismus. "Einige Möglichkeiten haben wir verpasst, aber bis zum Ende gekämpft. Darauf bin ich stolz", versuchte er wohl sich und seine Teamkollegen zu trösten.

57 Sekunden vor Schluss war den New York Giants der entscheidende Touchdown zum 21:17 (9:10)-Sieg gelungen. Damit verpasste es auch Patriots-Profi Sebastian Vollmer, als erster Deutscher den Super Bowl zu gewinnen. Zuvor hatte New England die große Chance, sich für die Final-Niederlage von 2008 zu revanchieren. Doch im letzten Viertel warf Brady zu ungenau, ein gegnerischer Spieler konnte den Ball abfangen. Wenig später ließ Wes Welker einen bereits sicher geglaubten Pass seines Quarterbacks fallen. "Es war der wichtigste Moment meines Lebens und ich versage", sagte Welker. "Ich habe das Team im Stich gelassen."

Vor rund 69.000 Zuschauern in Indianapolis legte New England einen Fehlstart hin, die Giants führten nach zwölf Minuten 9:0. Ein Zuspiel von Quarterback Eli Manning fing Passempfänger Victor Cruz in der Endzone der Patriots. Das war der erste Touchdown. Während Manning sehr sicher wirkte und sich fast keine Fehler erlaubte, fand Brady zunächst nicht in die Partie. Schon im Halbfinale gegen die Baltimore Ravens (23:20) hatte der Patriots-Spielmacher eine schwache Leistung gezeigt.

Brady gelingt Pass-Rekord

Doch der Quarterback steigerte sich im zweiten Durchgang. Auch weil er nun deutlich mehr Zeit hatte, um einen freien Passempfänger zu finden. Großen Anteil daran hatte Sebastian Vollmer. Der Tackle spielte zum ersten Mal seit seinem Fußbruch Ende November und hatte wie die gesamte Offensive Line der Patriots zunächst große Probleme mit New Yorks starker Verteidigung. Dann stellten sich Vollmer und Co. besser auf die Defensive Ends Justin Tuck, Jason Pierre-Paul sowie Osi Umenyiora ein und hielten sie von Brady fern.

So konnte das Team aus Boston die Partie drehen. Zunächst verwandelte Stephen Gostkowski ein Field Goal zum 3:9 (17.). Dann erzielten die Patriots insgesamt 96 Yards Raumgewinn, Danny Woodhead gelang acht Sekunden vor der Pause nach einem Brady-Pass der Touchdown zum 10:9.

Nach der Halbzeit-Show von Madonna setzte der Quarterback seine starke Leistung fort. Direkt den ersten Angriff nach Wiederanpfiff schloss Brady mit einem Touchdown-Pass auf Tight End Aaron Hernandez ab (34.). Brady stellte dabei mit 16 erfolgreichen Pässen in Folge einen neuen Super-Bowl-Rekord auf.

Es deutete alles darauf hin, dass Brady sein Team zum vierten Super-Bowl-Triumph nach 2001, 2003 und 2004 führen würde. Er wäre damit neben Joe Montana und Terry Bradshaw der einzige Quarterback mit vier NFL-Titeln geworden.

Dritte Niederlage gegen die Giants in Folge

Schon vier Jahre zuvor hatten die Patriots dazu die Chance. Damals war das Team von Trainer Bill Belichick als großer Favorit ins Finale gegangen, hatte zudem die Chance, als zweites Team der NFL-Geschichte in der gesamten Saison ungeschlagen zu bleiben.

Im 42. Super Bowl hatte Manning die Giants 35 Sekunden vor Ende mit einem Touchdown zum 17:14-Triumph geworfen. Als beide Teams Anfang November des vergangenen Jahres in der Hauptrunde aufeinandertrafen, gelang New Yorks Quarterback 15 Sekunden vor Schluss erneut der entscheidende Touchdown-Pass zum 24:20-Sieg.

Das Brady-Drama wiederholte sich auch im Super Bowl XLVI. Zunächst verkürzte Giants-Kicker Lawrence Tynes mit zwei verwandelten Field Goals auf 15:17 (38./45.). Dann unterlief Brady mit der Interception (abgefangener Pass) zu Beginn des Schlussviertels der einzige Ballverlust der Partie. Das konnte Manning zunächst nicht nutzen, die Patriots kamen 9:24 Minuten vor Schluss wieder in Ballbesitz.

Brady agierte souverän, auch wenn die Giants-Defensive den Druck auf den Quarterback nochmals erhöhte. Rund vier Minuten vor Ende ließ Welker dann den Ball fallen. Der Wide Receiver, in der regulären Saison bester Passempfänger der Patriots, war frei auf der linken Seite und hatte den Ball scheinbar schon sicher. Beim folgenden dritten Down verpasste es Brady, elf Yards Raumgewinn zu erzielen, so dass New Yorks Offensive 3:46 Minuten vor Ende noch einmal auf das Feld durfte.

Bereits in der Hauptrunde hatte Manning gezeigt, dass er der Mann für die entscheidenden Momente ist. Insgesamt sechs Spiele hatte er im Schlussviertel gedreht und mit 15 Touchdowns in den letzten 15 Minuten einen neuen NFL-Rekord aufgestellt.

Auch in Indianapolis behielt er die Nerven. Gleich mit dem ersten Pass der Angriffsserie erzielte der Giants-Quarterback 38 Yards Raumgewinn, Mario Manningham fing den Ball spektakulär. Zum Glück für die Giants blieb er um Fußbreite im Feld, sonst wäre der Versuch ungültig gewesen. Nach vier weiteren erfolgreichen Pässen lief Ahmad Bradshaw über sechs Yards in die Endzone.

Die letzten Verzweifelungswürfe Bradys fanden keinen Abnehmer mehr. "Ich kann keinem meiner Spieler etwas vorwerfen. Sie haben alles gegeben", sagte Patriots-Coach Bill Belichick. Doch das war am Sonntag in Indianapolis nicht genug.

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insgesamt 17 Beiträge
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Tottiso 06.02.2012
1. Wenn man großes klein macht
Im letzten Jahr war die Übertragung des Superbowls, ausgestrahlt bei der ARD, ein wahrer Genuss. Was SAT 1 in diesem Jahr daraus gemacht hat ist unerträglich.
Thomas Kossatz 06.02.2012
2.
Ein eher schwacher Super Bowl, der von der Spannung lebte. Dazu passt, dass der letzte Touchdown einer taktischen Dummheit entsprang. Hätte man sich noch zweimal "festgerannt", die Uhr wäre heruntergelaufen und ein Field Goal hätte entschieden.
jascheer 06.02.2012
3. Unerträglich trifft es genau.
Zitat von TottisoIm letzten Jahr war die Übertragung des Superbowls, ausgestrahlt bei der ARD, ein wahrer Genuss. Was SAT 1 in diesem Jahr daraus gemacht hat ist unerträglich.
Stimme absolut zu. Bei SAT 1 sah man hin und wieder zwischen dämlicher Werbung ein wenig Football. Wir haben nach ein paar Minuten zur BBC umgeschaltet. Ganz ohne Werbung, dafür mit Kommentatoren, die wussten, wovon sie sprachen. Welch ein Unterschied.
tellmepls 06.02.2012
4. Puuuh
War das anstrengend zu gucken. Sat-1 hat es wirklich gnadenlos mit Werbung durchzogen. Ich kenn die US-Übertragungen ja nicht, aber ich glaub nicht mal in den USA wird soviel Werbung gezeigt. Und immer penetrant die selben Werbe-Clips. Dagegen sind selbst Box-Übertragungen ja noch wesentlich erträglicher. Spiel war sauspannend, Half Time Show fand ich sehr gelungen. Aber einmal Football auf nem Privat Sender reicht mir im Jahr. Man kann nur hoffen, dass ARD/ZDF sich die Rechte für nächstes Jahr sichert.
lostjedi 06.02.2012
5. Ach, auf Sat.1 lief der?
Zitat von TottisoIm letzten Jahr war die Übertragung des Superbowls, ausgestrahlt bei der ARD, ein wahrer Genuss. Was SAT 1 in diesem Jahr daraus gemacht hat ist unerträglich.
Da scheint mir ESPN America die bessere Wahl gewesen zu sein. ;) Zum Thema "durch einen Touchdown in letzter Minute" - ist dem Schreiber des Beitrags denn die (letztlich leider noch nicht gegebene) mögliche Signifikanz dieses ungewollten Touchdowns aufgefallen? Die Giants hatten es in der Hand, mit einem Field Goal in den letzten Sekunden den Patriots nicht mal mehr eine Chance zu geben *g* Und dann kam wieder so ein Belichick. Der arme Mann tat mir richtig leid, als er versuchte, die Vollbremsung zu machen und doch noch in die Endzone fiel. Fast schade, dass der Trick nicht zum Erfolg führte.
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