Peking 2008: Boll und Owtscharov raus, deutscher Taekwondoka fühlt sich betrogen

"Medaille gestohlen": Der Taekwondo-Kämpfer Daniel Manz hat in einem dramatischen Duell die Bronzemedaille verloren. Sein Trainer erhebt schwere Vorwürfe. Für die deutschen Tischtennisspieler ist das olympische Turnier beendet.

Hamburg - Timo Boll ist unerwartet früh aus dem olympischen Tischtennis-Turnier ausgeschieden. Der an Nummer fünf gesetzte Europameister verlor am Donnerstag im Achtelfinale 1:4 gegen Oh Sang Eun aus Südkorea und schied als letzter deutscher Spieler ohne die erhoffte zweite Medaille in Peking aus.

Tischtennisspieler Boll: Aus im Achtelfinale
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Tischtennisspieler Boll: Aus im Achtelfinale

Fünf Tage nach dem Gewinn der Silbermedaille mit der deutschen Mannschaft konnte der 27 Jahre alte Linkshänder seine Normalform nicht abrufen. Beim 9:11, 4:11, 9:11, 11:8, 3:11 war der deutsche Ausnahmespieler dem Weltranglisten-15. unerwartet deutlich unterlegen. Vor vier Jahren in Athen war Boll im Viertelfinale gegen den Schweden Jan-Ove Waldner gescheitert.

Vor Boll mussten bereits seine Düsseldorfer Clubkollegen Dimitrij Owtscharov und Christian Süß ihre Schläger einpacken. Der 19-jährige Owtscharov verlor 1:4 im Achtelfinale gegen Ko Lai Chak aus Hongkong (4:11, 7:11, 4:11, 11:1, 1:11). Süß unterlag in der dritten Runde 0:4 gegen den früheren Europameister Wladimir Samsonow aus Weißrussland. Der Weißrusse flog danach mit 3:4 gegen Schwedens Altstar Jörgen Perssonn aus dem Wettbewerb. Gastgeber China zog mit allen drei Akteuren aus dem Goldteam ins Viertelfinale. Bei den Damen erreichten drei Chinesinnen und Li Jia Wei aus Singapur das Halbfinale.

Ein umstrittener Punkt zum 3:4 acht Sekunden vor Schluss des kleinen Finales hat Taekwondoka Daniel Manz um die Bronzemedaille im olympischen Turnier von Peking gebracht. "Daniel ist die Medaille gestohlen worden. Das war nie und nimmer ein Punkt", wetterte Trainer Waldemar Helm nach dem umjubelten Sieg von Taiwans Weltmeister Sung Yu-Chi, nachdem sein Schützling sekundenlang fassungslos auf der Matte kniete. Gold gewannen Son Tae-Jin (Männer -68 Kilogramm) und Lim Su-Yeong (beide Südkorea/Frauen -57 Kilogramm). " Das muss ich erst verarbeiten", sagte Daniel Manz und verschwand als Olympia-Fünfter bitter enttäuscht von der Bildfläche.

Der dreimalige Canadier-Olympiasieger Andreas Dittmer hat als Halbfinal-Vierter über 500 Meter das Finale verpasst. Die Flotte des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) ist somit in zehn von zwölf Endläufen vertreten. Ziel von Cheftrainer Reiner Kießler sind am Freitag und Samstag (9.30 Uhr MESZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) drei Goldmedaillen. Einerkajak-Spezialist Jonas Ems erreichte im verregneten Shunyi Park wie erwartet über 500 Meter als Sechster nicht das Finale, zum notwendigen dritten Rang fehlten über zwei Sekunden. Der 36-jährige Dittmer, der sich am Vortag im Halbfinale über 1000 Meter für den Endlauf am Freitag qualifiziert hatte, verfehlte trotz eines starken Endspurts das Weiterkommen über den halben Kilometer knapp.

Freistilringer David Bichinaschwili hat am Abschlusstag der Olympiawettbewerbe Bronze und damit die erste deutsche Medaille in dieser Stilart seit zwölf Jahren verpasst. Der 33-Jährige unterlag im kleinen Finale gegen den russischen Weltmeister Georgi Ketojew und belegte damit Platz fünf. Die letzte deutsche Olympiamedaille im Freistilringen hatte Arawat Sabejew 1996 in Atlanta mit Bronze gewonnen. Die Goldmedaille ging an Rewazi Mindoraschwili aus Georgien, der sich im Finale gegen Jusup Abdusalomow (Tadschikistan) durchsetzte.

Mit den drittmeisten Stimmen hat Fechterin Claudia Bokel überraschend den Sprung in die IOC-Athleten-Kommission geschafft. Sie erhielt bei der Wahl unter den Athleten 1836 Stimmen und wurde damit am Donnerstag in Peking für acht Jahre in das Internationale Olympische Komitee gewählt. Außer Bokel gelang auch dem südkoreanischen Taekwondo-Olympiasieger Moon Dae Sung (3220), Schwimm-Olympiasieger Alexander Popow (Russland/1903) und der kubanischen Volleyballerin Yumilka Ruiz (1571) der Einzug in die Kommission.

Zum Abschluss der olympischen Segelrennen in Qingdao hat das Tornado-Duo Johannes Polgar und Florian Spalteholz die zweite Medaille für den Deutschen Segler-Verband (DSV) verpasst. Die auf dem vierten Rang in die abschließende Wettfahrt gestarteten Weltranglisten-Neunten konnten sich aufgrund einer Kenterung nicht mehr verbessern und wurden am Ende Achte. Zum Zeitpunkt des Malheurs, das durch eine Kollision des Ruders mit einem Stück Treibholz ausgelöst wurde, lagen die Deutschen auf dem Bronzerang. Im Starboot hatten Marc Pickel und Ingo Borkowski schon vor dem letzten Rennen kaum noch realistische Chancen auf Edelmetall. Die WM-Fünften verbesserten sich in der Gesamtwertung aber immerhin vom achten auf den siebten Platz. Iain Percy und Andrew Simpson sorgten im Star derweil für das vierte Segel-Gold Großbritanniens in Qingdao. Im Tornado ging die Goldmedaille an die zweimaligen Weltmeister Fernando Echavarri und Anton Paz aus Spanien.

jar/sid

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