Peking 2008 Deutsche Medien protestieren gegen Internet-Zensur

"Diktatorisches Regime": Führende deutsche Zeitungen und Fernsehsender haben gegen die eingeschränkten Arbeitsbedingungen bei den Olympischen Spielen in Peking protestiert. Der unvollständige Zugang zum Internet wird als skandalös bezeichnet.


Berlin - Kurz vor dem Beginn der Olympischen Spiele in China haben führende deutsche Zeitungen und Fernsehsender gegen die Beschränkungen der Arbeitsmöglichkeiten für Journalisten protestiert. Herausgeber und Chefredakteure sprechen von Zensur und einem diktatorischen Regime.

Computer im Pressenzentrum in Peking: "Verbindung unterbrochen"
DPA

Computer im Pressenzentrum in Peking: "Verbindung unterbrochen"

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", jeder habe gewusst, dass die Spiele in ein System mit diktatorischen Auswüchsen vergeben würden. "Jeder wusste, dass gerade das Thema Pressefreiheit eines der schwierigen sein würde", fuhr er fort. Das chinesische Olympische Komitee habe aber die Zusage gemacht, den ausländischen Journalisten die Arbeitsmöglichkeiten zu geben, die sie in anderen Ländern mit Pressefreiheit auch haben. "Das ist bei weitem nicht der Fall", sagte Brender.

Der Vorsitzende des Herausgebergremiums der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Berthold Kohler, sagte, es sei so wenig überraschend wie hinnehmbar, dass Peking die Berichterstattung aus China auch während der Olympischen Spiele zu kontrollieren und zu beschränken versuche. Bislang verhinderten die chinesischen Behörden, dass die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die Sonntagszeitung und andere internationale Blätter in Peking tagesaktuell gelesen werden könnten.

Selbst im Deutschen Haus im Olympischen Dorf sollen sie während der Spiele nur mit der üblichen Verspätung von drei bis vier Tagen erhältlich sein. Begründet werde das damit, dass die Inhalte der Zeitungen "zunächst gesichtet" werden müssten. "Diese Zensur ist ein Schlag gegen die Pressefreiheit, ob vor, während oder nach den Olympischen Spielen", sagte Kohler.

Feste Zusage gebrochen

Der stellvertretende Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", Wolfgang Krach, sagte, wer sich mit einem diktatorischen Regime einlasse, dürfe sich nicht wundern, wenn dieses Regime plötzlich diktatorische Züge zeige. Dennoch sei es skandalös, dass die Regierung in Peking ihre feste Zusage gebrochen habe, Pressefreiheit zu gewähren. Zu dieser gehöre auch der unzensierte Zugang zum Internet.

RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel berichtete von Schwierigkeiten seiner Mitarbeiter bei der Arbeit in China. Die RTL-China-Korrespondentin bekomme es immer wieder mit Restriktionen zu tun. Der Sender lasse sich aber "in keiner Weise vorschreiben, worüber wir zu berichten haben und worüber nicht, und wir erwähnen auch, wer uns Schwierigkeiten bereitet". Er sei sich relativ sicher, dass die Informationen transportiert werden könnten, die notwendig seien.

fpf/APD



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