PGA-Champion Koepka Der John Wayne des Golfsports

Es gibt Golfer, die in ihrer ganzen Karriere kein Major gewinnen. Und es gibt Brooks Koepka, der in dieser Saison gleich zwei dieser Turniere für sich entscheiden konnte - dank einer besonderen Eigenschaft.

Brooks Koepka
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Brooks Koepka


1804 starteten Meriwether Lewis und William Clark aus St. Louis die erste US-Überlandexpedition zur Pazifikküste. Tausende Siedler nahmen sich ein Beispiel an den Pionieren und machten sich aus der Metropole im Bundesstaat Missouri auf den Weg, um unerforschtes Land zu erschließen und im Wilden Westen ihr Glück zu suchen. Gut 200 Jahre später hat Profigolfer Brooks Koepka in der "Gateway City" die PGA Championship gewonnen.

Für Koepka ist St. Louis nicht der Start zu einer Reise ins Unbekannte. Seine Erfolgsgeschichte begann bereits im Juni 2017, als er überraschend die US Open gewann. Trotzdem ist der Ort, das "Tor zum Westen", passend für seinen nächsten großen Triumph. Schließlich geht Koepka "in die Schlussrunden von Major-Turnieren wie John Wayne durch die schwingenden Türen eines Saloons", wie ESPN-Reporter Ian O'Connor vor der Entscheidung am Sonntag über den 28-Jährigen geschrieben hatte.

Und genau das tat Koepka. Mit dem Selbstverständnis des besten Schützen im ganzen Westen schritt er am Sonntag über den Platz im Bellerive Country Club, ließ sich nicht nervös machen, wehrte jeden Angriff ab und gewann nach der erfolgreichen Titelverteidigung bei den US Open das zweite von vier Major-Turnieren in diesem Jahr.

Koepka mit der Wanamaker-Trophäe
SHAWN THEW/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Koepka mit der Wanamaker-Trophäe

Vier Turniersiege, davon drei Majors

Koepka ist ein Phänomen. Während andere Spitzengolfer wie Matt Kuchar oder Rickie Fowler eine ganze Karriere lang auf einen Major-Sieg warten, ist der Mann aus Jupiter, Florida, immer dann zur Stelle, wenn es wirklich um etwas geht. Ganze vier Turniere konnte Koepka auf der PGA-Tour gewinnen, drei davon waren Majors.

Im FedEx-Cup-Ranking belegte Koepka vor Beginn der PGA Championship mit einem Saisonsieg - bei den US Open - und vier weiteren Top-Ten-Platzierungen den zwölften Rang. Das heißt: Elf andere Golfer haben in diesem Jahr auf der Tour bislang besser gespielt als er. Allen voran Dustin Johnson und Justin Thomas, die schon jeweils drei Turniere gewonnen haben und auch sonst ein Spitzenergebnis ans nächste reihen.

Doch für einen der entscheidenden großen vier Titel reichte es für Johnson und Thomas 2018 nicht. Beide haben bislang nur je ein Major für sich entschieden. Bei Johnson liegt dieser Erfolg schon mehr als zwei Jahre zurück. Thomas war als Titelverteidiger nach St. Louis angereist und beendete die Woche auf dem geteilten sechsten Rang. Eine weitere Top-Platzierung, aber eben kein Sieg bei einem der Saisonhighlights.

Viele Spieler zeigen konstantere Leistungen und spielen insgesamt auf höherem Niveau als Koepka. Er hat weder die längsten Abschläge noch das präziseste kurze Spiel. Seine Annäherungen sind selten besonders spektakulär, und beim Putten liegt er im Saisonschnitt nicht mal unter den Top 100 auf der Tour. Aber im Moment ist keiner so nervenstark wie er, wenn es kurz vor Schluss ums ganz große Geld geht. Die diesjährigen US Open hatte er mit einem Birdie auf der drittletzten Bahn vorentschieden. Und auch in St. Louis waren es zwei Birdies an der 15 und 16, mit denen er seine Verfolger distanzierte.

Woods' Aufholjagd wird nicht belohnt

Dabei hatte Koepka bis dahin einige gute Chancen ausgelassen, sich weiter abzusetzen. Und den größten Druck bekam er von keinem Geringeren als dem größten Star des Golfsports: Tiger Woods krönte sein sensationelles Comeback nach Jahren voller karrierebedrohender Verletzungen, Operationen und Skandale mit einer grandiosen Aufholjagd und einer 64er-Runde, die fast zum Sieg gereicht hätte - wenn Koepka nicht Koepka wäre.

Der Führende blieb ganz ruhig, obwohl er mitbekommen musste, dass sich der vor ihm spielende Woods unter dem frenetischen Jubel der Zuschauer wie zu seinen besten Zeiten in einen Rausch golfte. Gerade in der Phase, in der Koepka selbst machbare Putts knapp am Loch vorbeischob, kämpfte sich Woods Birdie um Birdie an die Spitze heran. Und hatte am Ende als Zweiter doch das Nachsehen.

PGA Championships 2018
AFP

PGA Championships 2018

Es war nicht die einzige Attacke, der sich Koepka im Lauf der Runde erwehren musste. Als er zu Beginn kurz schwächelte und auf den Bahnen vier und fünf zwei Bogeys in Folge spielte, schloss Vorjahressieger Thomas zu ihm auf, brach dann aber wieder ein. Später spielte Koepkas Flightpartner Adam Scott fünf Birdies auf sieben Löchern und kam ihm so bedrohlich nahe. Aber John Wayne verliert ja auch nicht die Nerven, wenn er im Saloon angegriffen wird.

Und so hatte Koepka nicht nur auf dem Platz immer die richtige Antwort parat, sondern, wie es sich für einen echten Westernhelden gehört, nach dem packenden Showdown noch einen lockeren Spruch auf den Lippen. Als dem neuen PGA-Champion der Siegespokal überreicht wurde, sagte er mit Blick auf seinen relativ kleinen und schmächtigen Vorgänger: "Der ist wirklich schwer. Wie hat Justin Thomas den hochgehoben?"



insgesamt 2 Beiträge
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meresi 13.08.2018
1. Danke
ich wußte, dass sich jemand von SPON ein Herz nimmt und sich als Westernfan outet. Was fehlt ist, er konnte sich in Ruhe auf sein Spiel konzentrieren, wohingegen Woods mit dem Beifallsgeräuschen der Zuschauer zu kämpfen hatte
gammoncrack 13.08.2018
2. Koepka hat gute Nerven und eine gesunde Psyche.
Ansonsten würde so etwas nicht klappen. Er führt da Turnier auf der letzten Runde an - und die Zuschauer strömen die Bahnen entlang und folgen Tiger Woods. Jeden anderen, der sich führend der 18 nähert, würde das schon frustieren. Nicht so Koepka. Der hat einfach seinen Striemel runtergespielt. Und hier widerspreche ich allerdings dem Artikel. In wichtigen Situationen sehr gute Annährungsschläge und nachfolgende Putts. Dass die Zuschauer eher Tiger Woods folgen (wollten), ist wohl seinem erheblich spektakulärerem Spiel zu verdanken. Da trifft der auf den ersten 9 Bahnen kein einziges Fairway und kann sich immer wieder mit den wahnsinnigsten Golfschlägen zurück ins Spiel bringen. Da muss man die Zuschauer auch verstehen. Ich glaube, dass wir von Tiger Woods noch einiges zu erwarten haben. Aber von Koepka wohl auch, wenn auch nur bei den wirklich großen Turnieren.
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