König: Sie haben ja jetzt alles erreicht.
Eskeland: Was habe ich denn erreicht? Ich habe ein Bracelet im 8-Game, aber noch keine großen Erfolge im No Limit Hold'em. Ich will der Beste werden, oder anders: Ich will versuchen, so gut wie möglich zu werden.
König: Weil man nicht der Beste werden kann?
Eskeland: Man kann sich im Poker immer verbessern, selbst die vermeintlich Besten können das, wenn sie wollen. Ich habe ein Ziel erreicht: das Bracelet. Es war eher ein Traum. Nun ist es mein Ziel, das nächste Bracelet zu gewinnen und weiterzukommen. Aber ich will, dass es mehr als ein Ziel ist, es soll ein Muss werden.
König: Ein Muss - muss das wirklich sein?
Eskeland: Es kommt auf das Ziel an. Wenn das Ziel ist, so gut wie möglich zu werden, dann sage ich: Ja. Einen Turniersieg kann ich nicht zu einem Muss machen, das liegt nicht in meiner Hand. Dort kann ich nur so gut wie möglich spielen.
Das zweite Heads-up läuft wesentlich besser. Ich habe den Weltmeister schon dreimal geblufft, einmal hat er mich erwischt. Ich liege trotzdem mit etwa 12.000 zu 8000 Chips vorn. Trotzdem ist es nicht so einfach, gute Fragen zu stellen und gleichzeitig gut zu spielen. Zum Glück geht es nicht nur mir so.
Eskeland: Ich hatte zwei Paare, aber ich glaube, Sie haben die Straße. Oder war das wieder ein Bluff?
König: A) Nein. B) Ja. Was hat die Frau eigentlich zum Pokerprojekt gesagt?
Eskeland: Sie kannte mich ja schon als jemanden, der "Magic the Gathering" semiprofessionell gespielt hat und viel unterwegs war. Die Person, in die sie sich verliebt hat, war jemand, der Spiele mag. Sie hat es immer toleriert, weil ich nie Geld verspielt habe. Die einzige Sache, die sie hasst, ist, wenn ich am Rechner sitze und wir etwas zu bereden haben. Das ist nicht gut. Generell ist sie aber zufrieden. Ich bin jetzt ausgeglichener und zufriedener, was mich auch zu einem besseren Ehemann macht.
König: Sind Sie eigentlich traurig, erst mal nicht mehr als Lehrer zu arbeiten?
Eskeland: Die Kleinen sind großartige Kids. Ich mag den Job, du bist die wichtigste Bezugsperson im Leben der Kinder, nach ihren Eltern. Es ist nicht nur das Lernen, es geht auch um das Vermitteln von Werten. Wie es ist, sich in einer Gruppe zu verhalten, nett zum anderen zu sein. Andere zu respektieren. Außerdem ist es eine Arbeit, die nicht langweilig ist.
König: Der Titel bei der World Series of Poker - es heißt, Sie wollten erst gar nicht antreten?
Eskeland: Richtig. Ich dachte, ich wäre vielleicht nicht gut genug. Als ich mich hinsetzte, habe ich dann schnell gemerkt, dass auch die wirklich großen Spieler nicht viel besser waren als ich. Ich hatte ein bisschen Glück, aber das braucht man für einen Turniersieg.
König: Das Turnier dauerte drei Tage.
Eskeland: Zweimal zwölf Stunden und einmal 15 Stunden. Ich war sehr konzentriert während der gesamten Zeit, habe aber nie wirklich daran gedacht, gewinnen zu können. Bis plötzlich nur noch fünf Leute am Tisch saßen.
König: Ihr Stil ist eher zurückhaltend. Wie lange dauert es, seinen eigenen Stil zu finden?
Eskeland: Man muss einen Stil finden, der zu einem passt. Ich möchte zwar gern alle Stile beherrschen, aber immer wenn ich mal versucht habe, so aggressiv zu spielen wie Gus Hansen, hat es nicht funktioniert. Ich weiß nicht warum, möglicherweise liegt es an der Persönlichkeit. Ich spiele wie ich bin: Konzentriert, sorgfältig - aber immer auch in der Lage, verrückte Sachen zu machen.
Der Chipstapel des Meisters ist merklich geschrumpft. Irgendwie auch eine verrückte Sache. Ich bekomme wieder Pocket-Zehnen. Raise, Reraise, das alte Spiel. Wenn er jetzt wieder Damen zeigt werde ich die Fassade der Spielbank aus eigener Tasche sanieren. Er zeigt Neunen. Mein Handschlag nach dem River muss sich ziemlich feucht anfühlen, denke ich. Zeit für die letzten Fragen.
König: Turniere gehen an die Substanz. Wie bereitet man sich seriös auf einen tagelangen Marathon vor?
Eskeland: Ich trainiere viel, laufe. Sehr wichtig ist auch genug Schlaf. Ich hatte damit früher Probleme, ich konnte manchmal nur vier Stunden schlafen. Es war dann schwer, sich noch zu konzentrieren. Ich nehme jetzt Melatonin, ein Mittel, das eigentlich gegen Jetlag helfen soll. In den USA gibt es das ohne Rezept, in Norwegen mit. Ich decke mich am morgen außerdem mit Früchten ein, schweres Essen macht müde. Ich habe Fleisch radikal reduziert, das hat aber auch mit der veränderten mentalen Vorbereitung zu tun.
König: Welche mentale Vorbereitung?
Eskeland: Ich habe früher Turniere gespielt, ohne wirklich einen Plan zu haben. Ich nenne das "falsches Mindset". Heute würde ich einen guten Motivationscoach abgeben. "Get ready! Focus! Ich werde gut spielen! Ich werde keine großen Bluffs am ersten Tag machen." Die mentale Balance ist wichtig. Wer im Leben "auf Tilt" ist, ist es auch beim Pokern. Wenn du zu glücklich bist oder zu traurig, beeinflusst das dein Spiel. So sind wir alle!
Die Zeit ist rum. Ich bin glücklich, aber nicht zu. Ich hatte das Glück, das man braucht, um den Pokerweltmeister einmal zu schlagen. Er sieht nicht traurig aus. Er wird in den nächsten Jahren noch viel besser werden. Weil er kann. Ich werde auch besser werden. Weil ich muss.
Der Sieg der Könige: Phil Hellmuth ist ein netter Mensch. Warum sonst soll er einem Pokeramateur in einem Cashgame die Chance geben, aus einer misslichen Lage zu entkommen. Okay, zu großzügig ist der Meister auch wieder nicht, schließlich ist die Situation eigentlich aussichtslos für Mr. Wiggins. Aber was ist das schon, aussichtslos im Poker? Quelle: Youtube/Pokerstars.net The Big Game
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