Basketball-Schiedsrichter Lottermoser: Referee auf Reisen

Von Sebastian Finis

Robert Lottermoser ist der wohl bekannteste Basketball-Schiedsrichter in Deutschland. Nun erfüllt sich für ihn ein Traum: Er nimmt an den Olympischen Spielen in London teil. Das Basketball-Magazin "FIVE" stellt den extrem stressigen Alltag des Profi-Referees vor.

Schiedsrichter Lottermoser: "Ich wusste, worauf ich mich einlasse" Fotos
Getty Images

Barcelona, 08. Mai 2011. Es ist 16 Uhr, als Robert Lottermoser mit seinen Kollegen den Innenbereich des Palau Sant Jordi betritt. Ein in Grün und Gelb getauchtes Farbenmeer auf den Zuschauerrängen empfängt ihn. Es sind die Farben von Panathinaikos Athen und Maccabi Tel Aviv, zwei Teams, die vor knapp 16.000 Fans und Millionen Fernsehzuschauern aus 170 Ländern das Euroleague-Finale austragen werden. Mit erst 34 Jahren ist Lottermoser, der sich vier Jahre zuvor dazu entschieden hatte, die Schiedsrichtertätigkeit als Vollprofi auszuüben, auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt.

Von seiner Nominierung für das Finale hatte Lottermoser am Abend zuvor erfahren. "Natürlich habe ich mich über diesen Vertrauensbeweis gefreut. Zumal ich nicht damit gerechnet hatte, im Endspiel zum Einsatz zu kommen. So richtig realisiert habe ich das Ganze erst beim Warm-up der Teams."

Gut ein Dreivierteljahr später wird diese Auszeichnung noch getoppt - durch die Nominierung als Unparteiischer für das Olympische Basketball-Turnier in London 2012. Wie für jeden Sportler geht damit auch für Lottermoser ein sportlicher Traum in Erfüllung.

"Ich wusste, worauf ich mich einlasse"

Der junge Schiedsrichter ist viel unterwegs und akzeptiert, dass er kein "normales Leben" führt. "Als ich den Job angetreten habe, wusste ich, worauf ich mich einlasse. Ich bin es gewohnt, viel unterwegs zu sein." Viel, das waren im Jahr 2011 56 Spiele in der Bundesliga, 17 Partie in der Euroleague, zehn bei der Herren-Europameisterschaft in Litauen, neun bei der U19-Herren-Weltmeisterschaft in Lettland, neun bei der U20-Herren-Europameisterschaft in Bilbao und sechs Spiele bei der Olympia-Generalprobe. Insgesamt war er rund 200 Tage auf Reisen.

Lottermosers Rhythmus lässt nicht viel Freiraum: Am Wochenende steht die Bundesliga an. Montags hat er meistens einen freien Tag. Von Dienstag bis Donnerstag ist er international im Einsatz. Und am Freitag ist sein zweiter freier Tag.

Bei allen internationalen Einsätzen muss Lottermoser einen Tag vor dem Spiel bis circa 20 Uhr anreisen. Nach seiner Ankunft im Hotel steht meist noch ein Abendessen mit den Schiedsrichterkollegen an. Am kommenden Tag, anderthalb Stunden vor Spielbeginn, treffen sich die drei Offiziellen wieder und werden zur Halle gebracht. Nach jeder Partie führt ein Observer eine Bewertung sowie eine Fehleranalyse durch. Am nächsten Morgen geht es dann zurück in die Heimat. Um die Reiseplanung muss sich Lottermoser im Übrigen selbst kümmern.

"Jeder ist ersetzbar!"

Wenn Robert Lottermoser nach einem Trip ins Ausland nach Hause kommt, widmet er sich der Nachbereitung der Spiele - per Videoanalyse. Erst wenn diese Aufgaben erledigt sind, schaltet er in den Privat-Modus. "Ich versuche, nach einem Trip möglichst schnell abzuschalten und wieder runterzukommen", sagt er.

Wenngleich der 35-Jährige vorhabe, irgendwann eine Familie zu gründen, werde sich in den kommenden drei Jahren an seinem Arbeitsumfang nichts ändern. "Ich hoffe, ich bleibe gesund", sagt er. "Es macht mir einfach sehr viel Spaß. Nicht nur der Job als Schiedsrichter, sondern auch der Umgang mit den Kollegen, Spielern und Trainern. Wenn der Spaß und diese Leidenschaft nicht mehr da sein sollten, dann muss man sich überlegen, ob ein Weitermachen sinnvoll ist."

Lottermoser stellt hohe Ansprüche an sich selbst. "Ich versuche, eine gute Leistung in der Bundesliga und auf internationaler Bühne abzurufen", sagt er. "Wie jeder Sportler möchte ich bis zum Ende dabei sein, sprich ins Finale kommen. Es ist nicht so, dass ich, nur weil ich Robert Lottermoser bin, automatisch ein Finalspiel pfeifen darf. Ich muss mir dieses Privileg jedes Jahr neu erarbeiten. Ich rede mir immer wieder ein: Jeder ist ersetzbar!"

Sicher ist aber schon jetzt: Lottermoser pfeift in wenigen Monaten bei den Olympischen Spielen. Damit ist er einer von nur 30 Schiedsrichtern weltweit, die für dieses Turnier nominiert wurden - und mit 35 Jahren ist er einer der Jüngsten seiner Zunft.

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1.
kanone3 29.05.2012
Zitat von sysopRobert Lottermoser ist der wohl bekannteste Basketball-Schiedsrichter in Deutschland. Nun erfüllt sich für ihn ein Traum: Er nimmt an den Olympischen Spielen in London teil. Das Basketball-Magazin "FIVE" stellt den extrem stressigen Alltag des Profi-Referees vor. Porträt über Basketball-Schiedsrichter Robert Lottermoser - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,835119,00.html)
Lotti, unser bester Basketball-Schiri in Deutschland :D
2. optional
Miller3000 30.05.2012
Schade, hätte man mehr rausholen können aus der Geschichte. So erfährt man nicht viel neues. Hätte Potential gehabt mit einigen Kuriositäten, etc. Was anderes: das Euro League Finale kommt in 170 Ländern? Wer außerhalb Europas interessiert sich denn dafür? Da schaut doch jeder nur NBA. Selbst innerhalb Europas ist Basketball in vielen Ländern doch nicht mehr als eine Randsportart (lassen wir Südeuropa mal außen vor). Nur weil ein Sender wie Eurosport in x Ländern zu sehen ist, heißt es jetzt nicht, dass man auch in x Ländern zuschaut.
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