Rad-Krise in Deutschland Eine Sportart schafft sich ab

Mit dem Ende des Milram-Rennstalls ist der Radsport in Deutschland auf dem Tiefpunkt angelangt. Sponsoren ziehen ihr Geld zurück, der Nachwuchs sucht sich andere Sportarten, die Fans wenden sich ab. Angesichts ständiger neuer Dopingmeldungen ist Besserung nicht in Sicht.

dpa

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Die Manager des Nordmilch-Konzerns haben im Moment Wichtiges zu tun. Die Fusion mit dem Mitbewerber Humana steht an, es entstünde einer der größten Milchriesen in Europa. Schon jetzt arbeiten 7000 Landwirte für Nordmilch.

Ein Bauer gehört dagegen nicht mehr zum Nordmilch-Imperium: Der Schweinemastlandwirt Markus Fothen ist derzeit auf der Suche nach einem neuen Auftraggeber. Fothen ist nicht nur Bauer, er ist auch Radprofi und war zuletzt Mitglied im Team Milram, dem von Nordmilch jahrelang gesponserten Profirennstall. Aber die ewigen Negativschlagzeilen aus dem Radsport haben Nordmilch zum Ausstieg bewogen. Das Team Milram gibt es nicht mehr, es war der einzige verbliebene deutsche Profirennstall von Rang, am Wochenende wurde das letzte größere Rennen absolviert. Der Radsport in Deutschland ist an seinem vorläufigen Endpunkt angekommen.

"Der Sport hat sich selbst ruiniert", hat der frühere Teamchef Hans-Michael Holczer in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" gesagt. Holczer war mal mittendrin. Er hat den deutschen Rennstall Gerolsteiner aufgebaut und geleitet. Es waren rauschhafte Jahre im deutschen Radsport. Jan Ullrich hatte die Tour de France gewonnen. Sein Team Telekom und später T-Mobile gehörte zu den Platzhirschen der Branche, Gerolsteiner agierte daneben als die kleine, aber ambitionierte Schwester. Deutschland schien die neue Führungsmacht des Radsports zu werden. Ein Volk trug Magenta.

Die Bewunderung ist für immer weg

Aus und vorbei. Profiradsport und Doping - das gehört in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile untrennbar zusammen. Die Helden von einst sind flächendeckend als Sünder entzaubert. Die Tour de France wird immer eine faszinierende Veranstaltung bleiben, aber man wird sie nie wieder mit dieser unschuldigen Begeisterung verfolgen wie in den neunziger Jahren. Damals wurden die Profis bewundert für ihre Anstrengungen, dafür, dass sie keine Grenzen zu kennen schienen.

Diese Bewunderung ist weg, die Sponsoren sind es auch. Erst verabschiedete sich die Telekom nach dem Dopingsommer 2007 aus dem Radsport, Gerolsteiner folgte ein Jahr später. Team Milram, erst 2006 gegründet, blieb als Auffangbecken deutscher Profis zunächst übrig und hat jetzt aufgegeben. Am Wochenende gab der Rennstall bei der Lombardei-Rundfahrt seine Abschiedsvorstellung in Europa, es folgt noch ein Auftritt in Japan am 24. Oktober, dann ist endgültig Schluss. Nach dem Ausstieg von Nordmilch hat Teamchef Gerry van Gerwen lange nach einem neuen Sponsor gesucht. Aber kein Unternehmen war bereit, in einen mit einem solchen Schmuddelimage belasteten Sport noch zu investieren. Es habe aus der Wirtschaft "keine Signale, dass es wieder aufwärts gehen könnte", gegeben, hat van Gerwen in der Zeitschrift "Sponsors" geklagt.

Es gibt keine Stars mehr, keine Hoffnungsträger

Deutschland hat kein Team mehr, es hat aber auch keine Stars. Jan Ullrich sitzt in der Schweiz, abgetaucht, ein unrühmliches Ende einer ruhmreichen Laufbahn. Sein ehemaliger Weggefährte Andreas Klöden fährt zwar noch, ist aber in Deutschland als Vorbild längst nicht mehr vermittelbar, weil er seit Jahren beim Thema Doping mauert. Der Berliner Jens Voigt ist ein dankbarer Gesprächspartner für die Medien und macht immer noch durch seinen kämpferischen Einsatz bei der Tour von sich reden, aber auch seine Karriere befindet sich im Spätherbst. Die verbliebenen deutschen Vorzeigeprofis wie Linus Gerdemann oder Fabian Wegmann, die zuletzt noch bei Milram unter Vertrag standen, fielen in diesem Jahr kaum auf. Top-Platzierungen blieben aus, bei der Tour de France waren die Milram-Profis bestenfalls anwesend.

Schlagzeilen machte das Team nur noch einmal im September: Da wurde der belgische Milram-Profi Roy Sentjens als Doper erwischt.

"Sportliche Vorbilder sind aktuell nicht in Sicht", sagt Gerwen. Der Radsport hat für viele junge Leute, die talentiert wären, an Anziehungs- und Strahlkraft verloren. Die Alten wie Voigt und Klöden werden in zwei, drei Jahren nicht mehr dabei sein, es wächst nichts nach. Es gibt noch einige kleinere Rennställe wie das Team NetApp, bei dem auch der ehemalige Telekom-Profi Jens Heppner als Sportdirektor untergekommen ist. Oder das Team ContinentalNSP - das auf seine Weise die Rückkehr zu den Zeiten des Radsports vor dem Ullrich-Boom verkörpert. Einer der Fahrer bei NSP ist der 22-jährige Björn Thurau, der Sohn der deutschen Tour-de-France-Legende Didi Thurau aus den siebziger Jahren.

Holczer hat davon gesprochen, dass man "nicht jeden Dopingfall zur Existenzfrage einer Sportart stilisieren" sollte. Dass am Dienstag die beiden portugiesischen Profibrüder Rui und Mario Costa wegen Dopings gesperrt wurden, dürfte den Sport tatsächlich nicht in seinen Grundfesten erschüttern. Aber wenn ein dreifacher Tour-Sieger wie Alberto Contador in Verdacht gerät und ihm möglicherweise der Tour-Sieg 2010 nachträglich aberkannt werden sollte, dann steht eine gesamte Sportart im Visier. Das weiß auch Holczer, der mittlerweile in seinen angestammten Beruf des Lehrers zurückgekehrt ist. "Widerlich" sei das, was da im Profiradsport passiere: "Manche scheinen einfach unverbesserlich zu sein."

Am Dienstag wurde in Paris der Verlauf der Tour 2011 präsentiert. Erstmals seit 19 Jahren wird kein deutsches Team dabei sein.

Forum - Geißel Doping - ist der Radsport noch zu retten?
insgesamt 335 Beiträge
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Seite 1
FastFertig, 30.09.2010
1. Lasst sie halt endlich dopen!
Wenn alle Dopen sind die Chancen letzlich ja wieder gleich. Das ist wie bei der Formel 1. Da zählt auch nicht nur das fahrerische Können, da braucht man auch einen guten Ingenieur. Radfahrer brauchen dann eben einen guten Arzt der das letzte aus einem rausholt. Dann gibt es auch wieder neue Rekorde! Und die medizinische Wissenschaft gewinnt auch neue Erkenntnisse die vielleicht der Allgemeinheit zu gute kommen. Sagt man ja auch von der Formel 1. Das was da entwickelt wird kann später in normalen Strassenautos den Verbrauch optimieren. Also so wie uns die Raumfahrt das Teflon spendiert hat. Gut, das stimmt so nicht ganz genau, ist aber doch egal. Es gehört doch auch zur Freiheit, dass man sich reinpfeiffen kann was man will. Vielleicht sehen wir dann bald Radfahrer mit 4 Lungenflügeln und einer Figur wie ein Kängaruh. Das wäre immer noch interessanter, als einen wimmernden Radfahrer zu sehen der laufend seine Unschuld beteuert. Das ist kein Sport, das ist Soap.
Maschinchen, 30.09.2010
2. .
Zitat von sysopDer Radsport kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Trotz aller Beteuerungen wird offenbar noch immer massiv gedopt. Nun steht der aktuelle Tour-Sieger Alberto Contador unter Verdacht. Hat der Radsport noch eine Zukunft?
Man lehnt sich m.E. nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass bislang jeder Tour-de-France-Sieger gedopt war.
K1llaH 30.09.2010
3. muhaha
Eine völlig unerwartete und nicht abzusehende Meldung ! Die Sensation schlechthin !! Geilste Ausrede 2010 :"Verunreinigte Nahrung"!!!! Na logisdch, ist schließlich überall drin !!!!
diddldaddl 30.09.2010
4. .
Zitat von FastFertigWenn alle Dopen sind die Chancen letzlich ja wieder gleich. Das ist wie bei der Formel 1. Da zählt auch nicht nur das fahrerische Können, da braucht man auch einen guten Ingenieur. Radfahrer brauchen dann eben einen guten Arzt der das letzte aus einem rausholt. Dann gibt es auch wieder neue Rekorde! Und die medizinische Wissenschaft gewinnt auch neue Erkenntnisse die vielleicht der Allgemeinheit zu gute kommen. Sagt man ja auch von der Formel 1. Das was da entwickelt wird kann später in normalen Strassenautos den Verbrauch optimieren. Also so wie uns die Raumfahrt das Teflon spendiert hat. Gut, das stimmt so nicht ganz genau, ist aber doch egal. Es gehört doch auch zur Freiheit, dass man sich reinpfeiffen kann was man will. Vielleicht sehen wir dann bald Radfahrer mit 4 Lungenflügeln und einer Figur wie ein Kängaruh. Das wäre immer noch interessanter, als einen wimmernden Radfahrer zu sehen der laufend seine Unschuld beteuert. Das ist kein Sport, das ist Soap.
Das ist doch zynisch. Man muß endlich den Mut aufbringen, aus diesem Zombiezirkus auszusteigen, man = die öff.-rechtl. Medien mit den Konsequenzen für die Sponsoren. Und dann sog. Argument, es gäbe Verträge! Dann werden eben die UCI und Akteure wie Contador schadensersatzpflichtig gemacht. Die ehrlichen Sportler und Funktionäre können einem Leid tun.
a.maniac 30.09.2010
5. nichts neues...
ich bin schon lange der Meinung das grundsätzlich der Profisport jeglicher Disziplin durch Lug, Trug und Trickserei verseucht ist. (meines Erachtens gilt das nicht nur für den Sport, sondern für jeglicher Sache wo es um richtig viel Geld geht...) Nun hat er sich der Contador sich erwischen lassen. nichts neues...
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