Radsport Wiggins schockiert vom Armstrong-Doping

"Es ist ziemlich entlarvend": Bradley Wiggins ist überrascht von der Eindeutigkeit der Dopingbeweise gegen Radprofi Lance Armstrong. Der Tour-de-France-Sieger glaubt aber, dass ein derartiges Vorgehen heutzutage nicht mehr möglich sei.

Tour-de-France-Sieger Wiggins: "Es ist ziemlich entlarvend"
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Tour-de-France-Sieger Wiggins: "Es ist ziemlich entlarvend"


Hamburg - Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins ist bestürzt über die Dopingbeweise gegen Radprofi Lance Armstrong. "Das ist sicher keine einseitige Auftragsarbeit, es ist ziemlich entlarvend. Ich bin schockiert vom Ausmaß", sagte der Brite dem TV-Sender Sky News. Ein Bericht der US-Anti-Doping-Agentur Usada hatte zuvor umfassende Indizien für Armstrongs ausgeklügeltes Dopingsystem enthüllt und zudem zahlreiche Zeugenaussagen ehemaliger Mitstreiter des siebenmaligen Tour-Siegers zusammengetragen. Der Amerikaner hatte Doping stets vehement bestritten.

Wiggins räumte allerdings ein, er sei nicht völlig überrascht über den Fall Armstrong. "Ich hatte eine ziemlich gute Ahnung davon, was vor sich ging", sagte der Brite. Er betonte jedoch, dass sich der Radsport inzwischen verändert und deutlich bei der Dopingbekämpfung verbessert habe. "Wir sind mittlerweile eine der Sportarten, die am erfolgreichsten die Leute überführt", sagte der Olympiasieger.

Dagegen macht sich Wiggins' Teamchef bei Sky, Dave Brailsford, Sorgen um den Ruf des Radsports. "Es ist verständlich, dass die Leute sich jetzt alle Resultate anschauen und sie hinterfragen", sagte der Leistungssportdirektor des britischen Verbands dem BBC-Radio. Der Radsport sei vom Weg abgekommen und habe "seinen moralischen Kompass verloren", fügte Brailsford hinzu.

Australier überprüfen, ob Doping ein Straftatbestand sein kann

Sein australischer Amtskollege Klaus Mueller machte sich für die härtere juristische Verfolgung von Dopingvergehen stark. Sein Verband werde sich angesichts des Armstrong-Skandals mit der australischen Regierung darüber beraten, ob Doping künftig ein Straftatbestand sein müsse. "Das wäre eine klare Botschaft an alle Sportler, dass diese Vergehen sehr ernst, ja sogar kriminell sind, eine Gefängnisstrafe nach sich ziehen können und der Polizei das Recht zu Ermittlungen geben", so Mueller.

Armstrong gibt sich indes weiter ungerührt von den Enthüllungen im mehr als 1000 Seiten starken Dopingreport der Usada. Er sei gerade im Hauptquartier seiner Stiftung "Livestrong", twitterte der 41-Jährige am Donnerstagabend. "Ich spreche mit dem Team über die Events der nächsten Woche und die Pläne für 2013. Ich kann es nicht erwarten, so viele Freunde und Unterstützer zu sehen", schrieb Armstrong. Auf den Usada-Bericht hat er bislang nicht reagiert. Seine Anwälte kritisieren eine "Hexenjagd" auf Armstrong.

leh/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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John Lemon 12.10.2012
1. Glashaus, Steine und so...
Ich habe das Gefühl, wer in der Vergangenheit Leistungssprünge wie Herr Wiggins gemacht hat, sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
SächsischerGoldmann 12.10.2012
2. Man sollte doch endlich
zugeben, dass Doping zum Radsport gehört wie die Butter zum Brot. Die Mehrheit der Radfahrer verstecken sich hinter ein paar Sündenböcken, welche öffentlich Reue zeigen müssen, um von den anderen abzulenken.
menne61 12.10.2012
3. Ohne Moral!
Der Mann ist nie ein ehrlicher Sportler gewesen. Den Schaden den er angerichtet hat kann er nicht mehr wieder gut machen. Ist nur traurig das die USA immer noch zu diesem Mann steht.
l.augenstein 12.10.2012
4. Shocking
Zitat von sysopREUTERS"Es ist ziemlich entlarvend": Bradley Wiggins ist überrascht von der Eindeutigkeit der Dopingbeweise gegen Radprofi Lance Armstrong. Der Tour-de-France-Sieger glaubt aber, dass ein derartiges Vorgehen heutzutage nicht mehr möglich sei. http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsport-bradley-wiggins-schockiert-vom-armstrong-doping-a-860913.html
Da frage ich mich aber schon, warum Wiggins "schockiert" ist? Er ist doch Profi, er selbst legt relativ unerklärliche Leistungssprünge hin, sein Team dominierte die diesjährige TdF fast so stark wie seinerzeit Armstrong's USPostal oder Discovery, die gefahrene Durchschnittszeit war dieses Jahr wieder mal die höchste (!!!) von allen bisher gefahrenen usw. - und er ist "schockiert"! Ich bin es schön langsam auch:-)
Ostwestfale 12.10.2012
5. Wiggins
Zitat von John LemonIch habe das Gefühl, wer in der Vergangenheit Leistungssprünge wie Herr Wiggins gemacht hat, sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
Das ist jetzt ein Spiel mit dem Feuer, weil es bei SPON auf Grund der vielen "Dopingexperten" unter den Foristen, die nie zuvor ein Radrennen gesehen haben sehr schwer ist sachlich über Radsport zu diskutieren, aber da das ja längst nicht für jeden Foristen gilt versuche ich es trotzdem mal: Wiggins war über Jahre ein Weltklassezeitfahrer. Von seinen körperlichen Vorausssetzungen war er lange Zeit sehr gut mit Tony Martin vergleichbar.Dann hat er vor ca zwei Jahren radikal abgenommen, damit er nicht mehr zu schwer für die Berge war.Er ist immer noch kein Weltklassebergfahrer und hätte die Tour meiner Meinung nach ohne die Hilfe von Chris Froome nie gewonnen.Außerdem war das Profil wie für ihn gemacht: Zwei schwere Zeitfahren und weniger Berankünfte als früher. Einen extremen "Leistungssprung" sehe ich bei Wiggins nicht. Er galt auch vor 3-4 Jahren schon als der Fahrer mit dem größten "Motor" im Feld, nur stand ihm da sein Gewicht im Weg.Was mich allerdings auch mißtrauisch macht ist die Dominanz von Sky bei der Tour und auch ddie tatsache, dass Wiggins bei seiner "Abmagerungskur" nichts von seinen Zeitfahrqualitätten eingebüßt hat.
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