Neuer UCI-Präsident Cookson "Habe es gehasst, wie dieser Sport kaputtgegangen ist"

Stundenlange Diskussionen, Verfahrensfehler und fragwürdige Interpretationen. Lange musste Brian Cookson warten, bis seine Wahl als neuer UCI-Präsident amtlich wurde. Um den Radsport zu reformieren, muss er nun eine große Anzahl an Traditionalisten für sich gewinnen.

Neuer UCI-Präsident Cookson: "Es reicht. Lasst uns einfach abstimmen"
AFP

Neuer UCI-Präsident Cookson: "Es reicht. Lasst uns einfach abstimmen"

Aus Florenz berichtet 


Der Wechsel an der Funktionärsspitze im Radsport-Weltverband (UCI) ist vollzogen. Nach acht Jahren wurde der umstrittene UCI-Präsident Pat McQuaid abgewählt und durch Brian Cookson ersetzt. Der eigentlichen Abstimmung waren stundenlange, durch juristische Winkelzüge geprägte Diskussionen vorausgegangen, nach welchen Kriterien ein Kandidat für das Präsidentschaftsamt nominiert werden kann.

"Es reicht. Lasst uns einfach abstimmen", platzte es schließlich aus Cookson heraus. Scheinbar genervt positionierte sich Cookson für eine klare "demokratische Abstimmung zwischen zwei Kandidaten." Die 42 Wahlberechtigen und knapp 80 Vertreter aus nationalen Radsportverbänden folgten dem Briten. Wenig später wurde das Ergebnis verkündigt: 24 Stimmen für Cookson. 18 für Pat McQuaid.

Bis zur Abstimmung schien für den bisherigen Amtsinhaber McQuaid dabei alles nach Plan zu laufen. Zahlreiche Beteiligte an der UCI- Kongresssitzung in Florenz überraschte der Ire, indem er auf seine Nominierung durch den Schweizer Radsportverband bestand, obwohl diese nachträglich annulliert wurde. Zudem standen Nominierungen von McQuaid seitens der Nationen Thai und Marokko im Raum.

Eine juristische Diskussion entbrannte im Sitzungssaal. Ein Schweizer Anwalt sprach sich für die Rechtsmäßigkeit einer Nominierung McQuaids aus, indem er aus Urteilen des obersten Sportgerichtshofs Cas zitierte. Die Cookson-Front konterte: Oligarch Igor Makarow erwähnte die Präsidentschaftsentscheidungen in seinem Heimatland. "In Russland kann auch nicht plötzlich ein Amerikaner nominiert werden", versuchte er mit einer holprigen Argumentation zu vergleichen.

"So ist Sport. Eine Entscheidung ist gefallen"

Als sich die Diskussion bereits im Kreis drehte, sprach Cookson sein Machtwort. Was nach einer spontanen Reaktion klang, kann nach der Abstimmung als siegesbewusste Manöver interpretiert werden. Cookson und seine Kommunikationsberater der Agentur Vero durften sich ihrer absoluten Mehrheit unter den 42 Delegierten bereits sicher gewesen sein. Ansonsten hätte Cookson ohne eine echte Nominierung seines Gegners das Stimm-Duell wohl nicht akzeptiert.

Einen ersten Punktsieg landete der Brite bereits zuvor, als ein Antrag auf eine Satzungsänderung, welche die Wahlordnung zu Gunsten McQuaids verändert hätte, auf das kommende Jahr verschoben wurde. 21 Stimmen dafür. 21 Stimmen dagegen. Nicht wenige im Sitzungssaal befürchteten, dass wenig später die Wahl um das Präsidentenamt ebenfalls im Patt enden könnte. Doch drei Nationen verließen zwei Stunden später diese vermeintliche Linie und wechselten auf die Seite Cooksons. Wer und was die Delegierten zum Wechsel bewegte, bleibt kurz nach der Wahl unklar.

"So ist Sport. Eine Entscheidung ist gefallen", sprach McQuaid nach der Sitzung ins Mikrofon. Als nächstes würde er "erst mal Urlaub" machen. Ein fairer Verlierer möchte man meinen, hätte McQuaid nicht bis zur letzten Sekunde mit allen Tricks gekämpft.

Wechsel hat nur an höchster Stelle begonnen

Der neue UCI-Präsident Brian Cookson lief zu diesem Zeitpunkt in einem orientalischen Kostüm, ein Gastgeschenk eines asiatischen Nationalverbandes, durch den Salone dei Cinquecento. Für ihn beginnt jetzt die Überzeugungsarbeit. Durch die 18 Gegenstimmen muss er sich mit einer Oppositionen auseinandersetzen, die sich hauptsächlich aus den Kontinenten Afrika, Asien und Amerika zusammensetzt.

"Wir sind mit dem Mandat des Wandels ausgestattet worden, und wir werden das jetzt auch machen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich die Wunden des Radsports heilen kann. Ich habe es gehasst, wie dieser Sport kaputtgegangen ist. Wir müssen so schnell wie möglich eine neue Struktur aufbauen", so Cookson.

Ob der Brite tatsächlich als Reformer bezeichnet werden kann, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Im inneren Kreis des Weltradsportverbands, das UCI Management Komitee, hat der Wechsel nur an höchster Stelle begonnen. Die europäischen Vertreter im Komitee werden dieselben Personen sein, die bereits unter McQuaid ihren Einfluss gelten machen konnten.



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
tom.le 27.09.2013
1.
Was auch immer mit dieser Auflistung im Text gemeint ist: In Thailand und im Großteil Afrikas ist Radsport ungefähr genauso populär wie in Grönland. Das von dort nun die große Opposition kommen soll, bleibt wohl das Geheimnis des Autors. Hier zählen sicherlich ganz besonders und schnell wirksame Argumente.... ($)
tom.le 27.09.2013
2.
Was auch immer mit dieser Auflistung im Text gemeint ist: In Thailand und im Großteil Afrikas ist Radsport ungefähr genauso populär wie in Grönland. Das von dort nun die große Opposition kommen soll, bleibt wohl das Geheimnis des Autors. Hier zählen sicherlich ganz besonders und schnell wirksame Argumente.... ($)
Kalaschnikowa 27.09.2013
3. Schade...
Zitat von sysopAFPStundenlange Diskussionen, Verfahrensfehler und fragwürdige Interpretationen. Lange musste Brian Cookson warten bis seine Wahl als neuer UCI-Präsident amtlich wurde. Um den Radsport zu reformieren, muss er nun eine große Anzahl an Traditionalisten für sich gewinnen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsport-brian-cookson-zum-uci-praesidenten-gewaehlt-a-925002.html
Schade, dass nicht der oberste Fahrradfahrer Deutschlands sich zur Wahl gestellt hat!! Ein Rudolf Scharping hätte sich alls UCI-Präsident sehr gut gemacht.......
LapOfGods 27.09.2013
4.
Zitat von KalaschnikowaSchade, dass nicht der oberste Fahrradfahrer Deutschlands sich zur Wahl gestellt hat!! Ein Rudolf Scharping hätte sich alls UCI-Präsident sehr gut gemacht.......
Etwas plumper Versuch einen Mördergag zu fabrizieren.
eine_frage_noch 28.09.2013
5. Endlich!
Hoffen wir mal, dass Cookson seine Ziele erreicht.
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