Radsport Dopingsünder Kohl für zwei Jahre gesperrt

Höchststrafe für den Dopingsünder: Obwohl der Radprofi Bernhard Kohl ein geständiger Ersttäter ist, wurde der Österreicher für zwei Jahre gesperrt. Das entschied ein Gremium in Wien. Der 26-Jährige war bei der Tour de France positiv auf Epo getestet worden.


Hamburg - Sein Geständnis hat Dopingsünder Bernhard Kohl aus Österreich nichts genutzt: Zwei Jahre Sperre für den "Ersttäter" Kohl lautete am Montag der Urteilsspruch der Rechtskommission der Anti-Doping-Agentur seines Heimatlands. Damit verhängte das fünfköpfige Gremium in Wien gegen den Radprofi die Höchststrafe. Der Dritte der diesjährigen Tour de France hatte der Kommission zuvor über zweieinhalb Stunden Rede und Antwort gestanden - aber nicht, wie angekündigt, die Namen von Doping-Drahtziehern genannt, die ihn mit Epo versorgt hatten.

Radprofi Kohl: 150 Minuten Fragen beantwortet
DPA

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"Ich habe meine Aussage getätigt und bin ehrlich gewesen. Wenn es gewürdigt wird, ist es ein gutes Zeichen für den Sport, für die Sportler. Wenn nicht, werden wir in das leidige Thema des Schweigens zurückkommen", hatte Kohl nach der Anhörung erklärt. Er war in einer nachträglichen Analyse nach der Tour der Manipulation mit dem Blutdoping-Mittel Cera überführt worden.

Kohl hatte gehofft, in den Genuss der Kronzeugen-Regelung zu kommen, die seine Strafe reduziert hätte. Der Kletterspezialist vom inzwischen nicht mehr existenten Gerolsteiner-Team hatte nach positiver A-Probe im Gegensatz zu seinem früheren Teamkollegen Stefan Schumacher sofort gestanden.

"Ich finde es schade, dass ich die gleiche Strafe bekomme, wie jemand, der alles leugnet" sagte der 26-Jährige nach der Entscheidung. "Ich habe definitiv dargelegt, wie es zur Beschaffung kam und was meine Beweggründe waren", klagte er. Bis auf ein kleines Detail, das er wegen einer möglichen folgenden Gerichtsverhandlung nicht nennen wollte, habe er die volle Wahrheit gesagt.

Für die Kommission war der Fall allerdings klar. "Er hat uns keine Namen genannt, wer seine Hintermänner sind, damit war das Strafmaß klar", sagte der Vorsitzende Gernot Schaar nach APA-Angaben. Mit der Nennung von Details über Doping-Praktiken hätte Kohl nach geltender Kronzeugenregelung eine Strafminderung erreichen können. Doch bei seinem Geständnis habe er nicht mehr gesagt, als durch den positiven Test ohnehin schon klar gewesen sei. Das Protokoll der Aussage Kohls soll nun an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, die daraus vielleicht mit entsprechender Recherche Schlüsse auf Namen ziehen könnte.

Kohl wolle sich erst nach der schriftlichen Zustellung des Urteils entscheiden, ob er gegen die zweijährige Sperre Einspruch erheben will oder nicht. Kohl kann bei der Unabhängigen Schiedskommission in Österreich und vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne seinen Fall neu verhandeln lassen.

Mitte Oktober hatte der gelernte Schornsteinfeger unter Tränen in Wien öffentlich gestanden. Dabei hatte er auch seinen früheren Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer ausdrücklich entlastet ("Er wusste von nichts") und angekündigt, zu gegebener Zeit "die Hintermänner" nennen zu wollen. Am Vortag der Nada-Verhandlung hatte Kohl-Manager Stefan Matschinger angekündigt, Kohl werde umfänglich aussagen und berichten, wie er an die Dopingmittel herangekommen sei und wie er sie sich verabreicht habe.

Eine offizielle Stellungnahme Kohls gab es am Montag zunächst nicht. Auf seiner Web-Seite wandte er sich aber mit einer Entschuldigung an seine Fans. "Auf dem Weg zu meinen sportlichen Zielen habe ich mir schließlich selbst ein Bein gestellt und mich um die Früchte meiner jahrelangen schweren Arbeit gebracht. Ich habe Euch alle schwer enttäuscht, und bitte Euch, mir meinen Fehler irgendwann zu verzeihen", schrieb er dort.

Er werde jetzt nicht alles hinschmeißen, sondern dies als neue Herausforderung betrachten. "Es gab oft schwierige Situationen in meinem Leben, die es zu bezwingen gab. Nicht nur hohe Berge!", erklärte der frühere T-Mobile-Profi Kohl, der 2008 seinen größten Erfolg bei der Tour feierte, und schließt mit einem "Danke, Euer Berni". Kohl hatte vor Bekanntwerden des positiven Befunds einen Vertrag beim belgischen Team Silence-Lotto bis 2011 unterzeichnet, ist aber vom Rennstall inzwischen entlassen worden.

fpf/dpa

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Umberto, 11.10.2008
1.
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Seit vielen Jahren werden immer wieder 100 m Läufer des Dopings überführt. Trotzdem wird immer noch diese Distanz gelaufen. Gleiches kann man über Gewichtheber feststellen, die auch trotzdem immer noch 'heben'. Ich sehe nicht, dass dies beim Radsport anders sein wird.
sitiwati 11.10.2008
2. der Radsport
gibts ja nicht erst seit JU oder LA, daher wird der Radsport auch nicht untergehen, ist wie Koch in Hessen, Hessen wird auch den H Koch und dei Faru Y überstehen !
Fritz Katzfuß 11.10.2008
3. Vollkommen
am Ende.
sitiwati 11.10.2008
4. da tun
Zitat von Fritz Katzfußam Ende.
Sie den 100.000ende Hobbyradfahrern Unrecht ! aber scheinbar kommen Sie aus ihren Heim nicht rauss !
Pinarello, 11.10.2008
5. Ja ja, nur der Radsport dopt!
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Ach nee, nicht schon wieder auf den Radsport, dort wird genauso wenig oder viel gedopt wie in allen anderen Profisportarten auch, bei den Belastungen einer 3-wöchigen Rundfahrt auch kein Wunder, besonders wenn den Medienvertretern nach jeder Etappe einer abzugehen scheint, wenn schon wieder eine neue Rekordzeit und Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht wurde, was den normalen Radsportfan nicht die Bohne interessiert, der fährt nämlich auch selber und weiß, daß man einmal schneller und auch wieder langsamer ist. Allerdings kann man den SPON und die restliche ach so moralischen Zeigefingerheber-fraktion von ARD und ZDF wohl beruhigen, nach den das IOC rund 1000 Blutproben aus Peking nachträglich mit neuen Verfahren überprüfen läßt, kann man ja als Radsportfan mal gespannt sein, ob diejenigen mit dem moralischen Zeigefinger dann auch noch so einseitig auf den Radsport einprügeln, weil die Dopingfälle in den restlichen Sportarten sind ja nur bedauerliche einzelne Einzelfälle, darüber kann man ja getrost hinwegsehen, beim Radsport genügt schon der Verdacht gegen Stefan Schuhmacher um den kompletten Rückzug von ARD und ZDF von allen Radsportveranstaltungen anzukündigen. Was ist das nur für eine heuchlerische Welt, aber das steht ja schon in der Bibel, am schlimmsten von allen Sündern sind die Pharisäer mit dem so hochgelobten Anspruch.
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