Ex-Radprofi Zabel gibt umfangreiches Doping zu

Lange hatte er sich gegen Vorwürfe gewehrt, nach den jüngsten Entwicklungen hat Erik Zabel nun aber doch jahrelanges Doping gestanden. Zwischen 1996 und 2004 habe er mit Epo, Cortison und Blutdoping betrogen, sagte der ehemalige Top-Sprinter der "Süddeutschen Zeitung".

Erik Zabel: "Es ist doch eine ganze Menge"
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Erik Zabel: "Es ist doch eine ganze Menge"


Hamburg - 1996, ja, da habe er gedopt, hatte Erik Zabel vor sechs Jahren eingeräumt - aber ansonsten sei er stets sauber gewesen, darauf legte der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France Wert. Als in der vergangenen Woche in einem Bericht des französischen Senats die Ergebnisse von Nachtests der Tour de France 1998 veröffentlicht wurden und Zabel als Epo-Betrüger aufflog, gingen dem 43-Jährigen die Ausreden aus.

"Ich muss erst mal den offiziellen Bericht abwarten und in mich gehen. Ich weiß nicht, welche Proben analysiert wurden. Das muss man sehen, und dann wird es auch eine Stellungnahme geben", hatte der 43-Jährige zunächst angesichts der Enthüllungen gesagt.

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen: In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" räumt Zabel ein, in seiner Karriere als Radprofi in den Jahren von 1996 bis 2004 umfangreich gedopt zu haben. "Epo, Cortison, dann sogar Blutdoping: Es ist doch eine ganze Menge."

Zabel erklärte, dass er sich 1996 bewusst entschlossen habe, mit dem Dopen zu beginnen, zunächst mit Epo. In seinem Teilgeständnis 2007 hatte Zabel angegeben, das Blutdopingmittel nicht vertragen und es deshalb nur kurz benutzt zu haben.

"Vor allem wollte ich mein Leben behalten"

Nachdem die Nachweismethoden besser geworden seien, schwenkte er damals nach eigenen Angaben auf Eigenbluttransfusionen um. "2003 habe ich vor der Tour de France eine Re-Infusion bekommen", sagte Zabel in dem Interview, das am Montag in voller Länge erscheint.

Dass er bislang nur von einer einmaligen kurzen Epo-Phase zu Beginn der Tour 1996 gesprochen hatte, begründete Zabel mit seinem damaligen sportlichen Wunschdasein. "Vor allem wollte ich mein Leben behalten, mein Traumleben als Radprofi. Das hat man ja so geliebt, diesen Sport, die Reisen. Dieser Egoismus, der war einfach stärker."

Ein Bericht des französischen Senats, der die Ergebnisse von Nachtests der Tour de France 1998 veröffentlichte und Zabel als Epo-Betrüger entlarvte, brachte den 43-Jährigen zum Umdenken. Er wolle "wieder in den Spiegel gucken" können, begründet er sein Geständnis.

Aktuelle deutsche Radprofis begrüßen Zabels Geständnis. "Das ist ein sehr guter Schritt, der uns weiter bringt. Aber natürlich bin ich auch ein wenig enttäuscht", sagte John Degenkolb. Marcel Kittel, mit seinen vier Tagessiegen einer der erfolgreichsten Fahrer bei der vor Wochenfrist beendeten 100. Tour de France, ergänzte: "Ich hoffe, er macht jetzt alles klar und deutlich, auch im Interesse der jungen Generation und des Nachwuchses, damit wir endlich einen Schlussstrich ziehen können."

luk/dpa

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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
biddebidde 28.07.2013
1. Nichts Neues
Wenn man sich mit (ehemaligen)Sportprofis unterhält,kommt schnell heraus,dass das Gang und Gebe ist.Schon immer!Man sollte mal ein Blick auf die Ruderer riskieren.Sollen die größten Dopingverbraucher im Sportbereich sein.
dig 28.07.2013
2. leider
die gleichen Ausreden, wie schon 1996.
laermgegner 28.07.2013
3. Überall Betrüger
Nun auch der Berliner und die falschen Tränen 2007. Schäme Dich, da Du auch den Osten wieder verrufen hast. Schäme Dich, weil Du Dein Kind betrogen hast ! Also dann auch Ullrich- Denken, die alle sie sind unfehlbar ! Wer ist eigentlich so naiv - da schindert man sich die Berge rauf - setzt seine Gesundheit in Gefahr - um dann nachher alles in die Tonnen treten zu können. Um dann wieder in den Spiegel schauen zu können ?! Wieder naiv - Herr Zabel. da verwechseln sie was- sie sind kein Politiker und auch nicht an der Spitze des Berliner Senats- nur die dürfen das !
mein Gott 28.07.2013
4.
Zitat von sysopDPALange hatte er sich gegen Vorwürfe gewehrt, nach den jüngsten Entwicklungen hat Erik Zabel nun aber doch jahrelanges Doping gestanden. Zwischen 1996 und 2004 habe er mit Epo, Cortison und Blutdoping betrogen, sagte der ehemalige Top-Sprinter der "Süddeutschen Zeitung". http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsport-erik-zabel-gibt-jahrelanges-doping-zu-a-913577.html
Welche Folgen hat das? Sind Gelder zurück zu zahlen, sind Pokale und Medaillen abzuliefern?
tim-quasineutral 28.07.2013
5.
Es ist im Grunde ja egal, was man von den Herren noch hört. Ich wünschen Herrn Zabel und den anderen alles gute für Ihre Zukunft - viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Nur noch dieses: Herr Zabel meinte: "Ich muss erst mal den offiziellen Bericht abwarten und in mich gehen. Ich weiß nicht, welche Proben analysiert wurden. Das muss man sehen, und dann wird es auch eine Stellungnahme geben." Manchmal ist es besser, gar nichts zu sagen. Wie anders als, "ich muss erstmal abwarten, was mir nachgewiesen wird und was ich dann anschließend auch zugeben werden (aber natürlich nicht mehr)" kann man seine Aussage werten? Tue ich ihm Unrecht, wenn ich dies so sehe? Ich bitte ihn und die anderen Betroffen, kommt mit Euch selber ins Reine und lasst die Öffentlichkeit in Ruhe!
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