Betrugsprozess gegen Radprofi Gericht spricht Dopingsünder Schumacher frei

Radprofi Stefan Schumacher hat seinen Betrugsprozess gewonnen: Der geständige Dopingsünder wurde vom Landgericht Stuttgart freigesprochen. Er habe seinen Ex-Boss Hans-Michael Holczer nicht um Gehalt betrogen, so die Richter.

Radprofi Schumacher: Betrug nicht zweifelsfrei bewiesen
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Radprofi Schumacher: Betrug nicht zweifelsfrei bewiesen


Hamburg - Freispruch für Stefan Schumacher: Der Radprofi und geständige Dopingsünder hat den Prozess vor dem Landgericht Stuttgart gewonnen. Die 16. Große Strafkammer urteilte, Schumacher habe seinen ehemaligen Boss Hans-Michael Holczer nicht zweifelsfrei um Gehalt betrogen. Damit folgte sie dem Antrag der Verteidigung. Es war der erste Strafprozess gegen einen deutschen Dopingsünder.

"Die Strafkammer ist letztendlich nicht davon überzeugt, dass sie ausschließen kann, dass die Situation sich so zugetragen hat wie vom Angeklagten Schumacher geschildert", sagte Richter Martin Friedrich: "Die Aussagen des Zeugen Holczer reichen nicht, um die Schuld des Angeklagten zu beweisen." Die Prozesskosten trägt die Staatskasse.

Die Staatsanwaltschaft hatte Schumacher beschuldigt, den ehemaligen Gerolsteiner-Rennstall-Teamchef Holczer hintergangen und sich als nachweislich gedopter Athlet bei drei Gehaltszahlungen im Jahr 2008 einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" (rund 100.000 Euro) erschlichen zu haben. Staatsanwalt Peter Holzwarth hatte deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 16.800 Euro gefordert.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil nun Schumachers Argumentation, Holczer müsse von Doping im Team Gerolsteiner gewusst haben und könne daher nicht betrogen worden sein. Holczer, als Zeuge an dem Prozess beteiligt, hatte das stets vehement bestritten. Das Dopingklima im Team Gerolsteiner sei "doch eher freundlich" gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung.

Schumacher hatte bei der Tour de France 2008 trotz Nachfrage Doping geleugnet. Später war er positiv getestet und gesperrt worden. In einem Interview mit dem SPIEGEL räumte er im März 2013 erstmals die Einnahme von Epo und Wachstumshormonen ein.

bka/sid/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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alsi 29.10.2013
1.
alles andere hätte mich jetzt gewundert. schließlich bringen nur Sieger Aufmerksamkeit ob sie nun gedopt haben oder nicht dadurch dürfte Gerolsteiner auch kein Schaden entstanden sein
ajf00 29.10.2013
2.
Gutes Urteil. Es kann nicht sein, dass Doping-Team-Chefs jetzt auch noch mit dem Strafrecht gegen gestaendige Doper vorgeht. Die Mafia muss aufgebrochen werden und deren Schweigegeluebde nicht auch noch vom Staat durchgesetzt werden.
spon-facebook-10000103711 29.10.2013
3. Wer klagt wen ?
Wenn Stefan Schumachr seinen damaligen Chef betrogen haben soll, wieso klagt dann nicht Herr Holczer gegen Schumacher sondern der Staat ? Oder evtl. Gerolsteiner als damaliger Sponsor ? Dem Staat ist doch kein schaden entstanden, sondern durch die (anscheinend) bezahlte Einkommensteuer sogar noch ein Steuerertrag. Und dass Holczer jetzt beim Team Astana tätig ist, finde ich irgendwie bezeichnend.
jimp 29.10.2013
4.
Zitat von alsialles andere hätte mich jetzt gewundert. schließlich bringen nur Sieger Aufmerksamkeit ob sie nun gedopt haben oder nicht dadurch dürfte Gerolsteiner auch kein Schaden entstanden sein
Meiner Meinung nach ein richtiges Urteil. Dass Holczer sich hier als Opfer hinstellt ist ein Witz. Es mag Fälle geben, in denen die Sportler ohne Wissen ihrer sportlichen Leiter/Teambesitzer/Trainer etc. dopen. Dass dies bei Gerolsteiner der Fall war, ist höchst zweifelhaft, denn mit Levi Leipheimer, Davide Rebellin und Bernhard Kohl befanden sich noch andere nachgewiesene Doper in diesem Team. Ob Doping in diesem Fall nur toleriert oder eher sogar forciert wurde wäre eine interessante Frage, der sich Herr Holczer vielleicht mal in einem Verdahren gegen ihn selber stellen sollte.
piaalexa1973 29.10.2013
5.
hier klagt der staat nicht gegen schumacher auf schadenersatz, sondern es handelt sich um ein strafverfahren wegen betruges. zivilrechtliche ansprüche z.B. des teams oder des sponsors gegen schumacher dürften aufgrund des freispruchs allerdings auch schwierig durchzusetzen sein...
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