Ehemaliger Radsport-Weltmeister Schur verpasst Aufnahme in die Hall of Fame

Er zählt zu den großen Stars der deutschen Radsport-Geschichte. Trotzdem wird Gustav-Adolf Schur erneut nicht in die Hall of Fame aufgenommen. Das dürfte mit kontroversen Aussagen des 86-Jährigen zusammenhängen.

Gustav-Adolf «Täve» Schur
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Gustav-Adolf «Täve» Schur


DDR-Radsportidol Gustav-Adolf "Täve" Schur wird nicht in die Ruhmeshalle des deutschen Sports aufgenommen. In der Jury gab es keine Mehrheit für Schur, wie die Stiftung Deutsche Sporthilfe in Frankfurt mitteilte.

Die Nominierung Schurs hatte Kritik ausgelöst. Der zweimalige Rad-Weltmeister und frühere Abgeordnete der DDR-Volkskammer und des Bundestags hatte jüngst in einem Interview im "Neuen Deutschland" Doping in der DDR heruntergespielt.

Michael Ilgner, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Sporthilfe, erklärte die Entscheidung der Jury. "Schur ist nicht gewählt worden, und es wird in dieser Weise keinen dritten Anlauf geben", sagte Ilgner. Die Sporthilfe sei überzeugt, dass statt eines Entscheids einer Jury eine grundsätzliche Diskussion über die deutsche Sportvergangenheit nötig sei. 2011 war Schur schon einmal vorgeschlagen worden.

Die Ruhmeshalle gilt auch deswegen als umstritten, weil dort auch mit Josef Neckermann und Willi Daume Sportfunktionäre aufgenommen wurden, die in der Nazizeit der NSDAP nahestanden.

Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins und eine der größten Kritikerinnen Schurs, zeigte sich erleichtert von der Nichtaufnahme Schurs. "Nach einer intensiven Diskussion ist die Jury ihrem Wertekodex gefolgt. Das ist sehr zu begrüßen", sagte sie: "Die von der Sporthilfe angekündigte Diskussion über die Geschichte des deutschen Sports ist überfällig, sollte aber nicht ohne seine Opfer geschehen."

Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt und Initiator der erneuten Schur-Nominierung, war dagegen enttäuscht. "Ich halte diese Entscheidung für einen kapitalen Fehler. Es wurde die Chance vertan, einen großen Sportsmann noch zu seinen Lebzeiten in die Hall of Fame aufzunehmen."

Er werde es nicht unterlassen, so der Rechtsanwalt, Schurs "sportliche Leistungen hochzuhalten. Deutschland würde gut daran tun, intensiv zu diskutieren, wie solche Fragestellungen künftig zu beantworten sind."

In die Hall of Fame wurden vier neue Mitglieder gewählt: die Weitspringerin Heike Drechsler, der Skispringer Sven Hannawald, der nordische Kombinierer Franz Keller und Fußball-Nationalspieler Lothar Matthäus.

bam/dpa/sid



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