Schumacher vs. Holczer: Showdown vor Gericht

Ex-Gerolsteiner-Boss Holczer: Auf unangenehme Nachfragen gefasst machenZur Großansicht
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Ex-Gerolsteiner-Boss Holczer: Auf unangenehme Nachfragen gefasst machen

Mit Spannung wird seine Aussage erwartet: Am Donnerstag tritt der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer als Zeuge im Prozess gegen Stefan Schumacher auf. Der Radprofi wirft Holczer vor, von den Dopingpraktiken im Team gewusst zu haben.

Hamburg - Schon am zweiten von acht Verhandlungstagen im Landgericht Stuttgart könnte es zum großen Showdown kommen. Ex-Teamchef Hans-Michael Holczer tritt im Betrugsprozess gegen den des Dopings überführten Radprofi Stefan Schumacher am Donnerstag in den Zeugenstand. Der 59 Jahre alte Mathematik- und Geschichtslehrer will plausibel machen, dass er von den Dopingpraktiken im Team Gerolsteiner nichts wusste. Er muss sich allerdings auf unangenehme Nachfragen gefasst machen.

Schumacher hat in seiner SPIEGEL-Beichte vor Ostern und am ersten Verhandlungstag am 10. April den Beteuerungen Holczers deutlich widersprochen: "Er hat sich als Anti-Doping-Kämpfer präsentiert, ohne selber was gegen Doping zu tun. Er hat überhaupt keine Kontrolle gehabt und auch keine Ambitionen, das Thema im Team zu unterbinden." Den in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Anti-Doping-Aktivisten Holczer gab es nach Schumachers Meinung überhaupt nicht.

Dem Radprofi, der vergangenen Sonntag bei einem Rennen im dänischen Aalborg Schnittwunden und Gehirnerschütterung erlitten hatte, wird vorgeworfen, seinen ehemaligen Teamchef um drei Monatsgehälter in Höhe von 151.463,50 Euro betrogen zu haben. Schumacher habe Doping bei der Tour de France 2008 geleugnet und das Geld daher unrechtmäßig erhalten. Im Nachhinein war er wie bei den Olympischen Sommerspielen in Peking positiv auf das Blutdoping-Präparat Cera getestet worden. Bis August 2010 hatte ihn der Internationale Sportgerichtshof Cas deswegen gesperrt.

"Es war ihm klar, das war mir klar"

Holczer habe von all diesen Dingen gewusst, sagt Schumacher. "Es war offensichtlich, dass ich gelogen hatte. Es war ihm klar, das war mir klar", sagte er über das entscheidende Gespräch während der Frankreich-Rundfahrt. Das Wissen um die illegalen Vorgänge streitet Holczer bislang vehement ab.

Allerdings: In seinem 2010 veröffentlichten Buch "Garantiert positiv" beschreibt Holczer die Gratwanderung. Ein Profiteam sei "ein Unternehmen, das um die 80 Prozent seines Budgets in die körperliche Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter" investiere. "Die Gewährleistung einer ärztlichen Betreuung halte ich hier für unabdingbar. Freilich ist der Übergang von einer optimalen ärztlichen Betreuung zu den ersten Schritten in die Manipulation schmal, wenn nicht sogar fließend", heißt es dort.

Namen der laut Schumacher aktiv am Doping beteiligten Teamärzte wollte der nach langem Leugnen geständige Radprofi am ersten Verhandlungstag nicht nennen - trotz hartnäckiger Nachfragen des Richters Martin Friedrich und des Staatsanwaltes Peter Holzwarth. Der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner, einer der beiden Schumacher-Anwälte, mahnte dennoch zur Geduld: "Es gibt ja noch Zeugen. Ich denke, bis zur Urteilsverkündung werden wir Namen wissen." Als weitere Zeugen sollen der ebenfalls Doping geständige Ex-Profi Bernhard Kohl und der Mediziner Mark Schmidt aussagen.

Der einstige Team-Sponsor, die Gerolsteiner Brunnen GmbH, verfolgt den Prozess mit Interesse. Zu eventuell möglichen Regressforderungen wollte sich die Sprecherin der Firma nicht äußern. Das Unternehmen war 2008 nach den bekannt gewordenen Dopingfällen nach zehnjährigem Engagement ausgestiegen. Zuletzt wurden pro Saison geschätzte neun Millionen Euro in das von Holczer geführte Radsportteam investiert.

aha/dpa

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wwwwalter 18.04.2013
...für den Sponsor. Jahrelang jedes Jahr Millionen investiert, und am Ende einen nachhaltigen Imageschaden geerntet. Aber schon dmals war eigentlich klar - wer sich mit dem Radsport einlässt, der spielt mit dem Feuer.
...für den Sponsor. Jahrelang jedes Jahr Millionen investiert, und am Ende einen nachhaltigen Imageschaden geerntet. Aber schon dmals war eigentlich klar - wer sich mit dem Radsport einlässt, der spielt mit dem Feuer.
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  • Mittwoch, 17.04.2013 – 13:56 Uhr
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Die späte Erkenntnis der Sünder
  • AP
    Gedopt, gelogen, gestanden: Der ehemalige Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher hat in einem Gespräch mit dem SPIEGEL Doping zugegeben. Er ist aber nicht der erste deutsche Radsportler, der ein Geständnis ablegt.
Kampf gegen Doping
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.





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