Radsport-Legende Rudi Altig ist tot

Der frühere Radsport-Weltmeister Rudi Altig ist tot. Im Alter von 79 Jahren erlag er den Folgen eines Krebsleidens.

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Der deutsche Sport trauert um Rudi Altig. Der frühere Radsport-Weltmeister erlag am Samstag den Folgen einer Krebs-Erkrankung, unter der er schon länger litt. Altig verstarb in einem Hospiz in Remagen. "Wir trauern um Rudi Altig und drücken seiner Familie unser herzliches Beileid aus", sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

Altig kämpfte stets gegen seine Krankheit an, 1994 hatte er eine Magenkrebs-Erkrankung überstanden. Den Radsport bezeichnete er einmal als einen "roten Faden in meinem Leben. Den schneide ich, solange ich lebe, nicht durch." Altig hinterlässt seine Frau Monique aus zweiter Ehe und drei Kinder.

Der gebürtige Mannheimer war einer der größten deutschen Sportstars der Sechzigerjahre. Bei der Tour de France gewann er acht Etappen und fuhr insgesamt 18 Tage im Gelben Trikot. Einer seiner größten Erfolge war der WM-Titel 1966 im Straßenrennen auf dem Nürburgring. Jahrelang wartete Altig darauf, dass ein Landsmann seinen Erfolg wiederholt. Doch egal ob Jan Ullrich, Erik Zabel oder zuletzt John Degenkolb an den Start ging - sein Wunsch ging nicht in Erfüllung.

Anerkennung als "Sacré Rudi"

1962 sicherte sich Altig als erster deutscher Profi das Grüne Trikot der Tour de France, außerdem triumphierte er im gleichen Jahr bei der Spanien-Rundfahrt. 1966 wurde Altig zu Deutschlands Sportler des Jahres gekürt und erhielt auch das Silberne Lorbeerblatt. 1997 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Altig gewann als erster Deutscher die Klassiker Mailand-Sanremo und die Flandern-Rundfahrt. Zudem wurde er mehrfach Weltmeister in der Einerverfolgung auf der Bahn und fuhr bei insgesamt 23 Sechstagerennen Siege ein.

Er war nicht nur in Deutschland populär. In Frankreich war Altig ein gern gesehener Gast. "Sacré Rudi", den "verdammten Rudi", nannten ihn die Franzosen anerkennend für seine kämpferische Fahrweise. Noch weit nach seiner Karriere pflegte er Freundschaften zu anderen Radsport-Größen wie dem fünfmaligen Tour-Sieger Eddy Merckx.

Spitzname "radelnde Apotheke"

Kontrovers war Altigs Haltung zum Thema Doping. Er hatte zu seiner aktiven Zeit den Spitznamen "radelnde Apotheke". 1969 wurde er bei der Tour des Dopings überführt; 1966 hatte er sich beim belgischen Klassiker Flèche Wallonne einer Kontrolle entzogen.

Für Altig war das "Kleinkram", kein Vergleich zu heutigen Zeiten. "Ich weiß, was ich gemacht habe. Mit Doping hatte das nichts zu tun. Wir haben gut trainiert, viel geschlafen und gut gegessen, und wenn wir Kopfweh hatten, gab's vom Arzt eine Tablette. Das machten doch alle so. Doping ist, wenn man Blut panscht. Außerdem betrifft das den gesamten Sport und nicht immer nur die Radfahrer", schimpfte der Ex-Sprinter.

Nach Ende seiner Karriere blieb Altig dem Radsport eng verbunden, zeigte sich gut durchtrainiert. Noch vor wenigen Jahren legte er 2000 bis 3000 Kilometer pro Saison zurück und spielte Golf. Er arbeitete lange als Bundestrainer der Amateure, später war er Rennleiter etwa beim Rennen Rund um den Henninger Turm in Frankfurt und TV-Experte bei verschiedenen Sendern.

krä/ulz/sid/dpa



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