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Neues Radsport-Team Giant-Alpecin: Großauftrag für die Saubermänner

Von Christoph Sicars

Marcel Kittel: Gemeinsam mit John Degenkolb der Star der Mannschaft Zur Großansicht
DPA

Marcel Kittel: Gemeinsam mit John Degenkolb der Star der Mannschaft

Das neue Radsport-Team Giant-Alpecin hat sich Großes vorgenommen: Mit den beiden deutschen Top-Sprintern Marcel Kittel und John Degenkolb will es einen neuen Radsport-Boom in Deutschland entfachen.

Die jüngere Vergangenheit des Radsports in Deutschland führt beim Publikum meist zu folgender Assoziation: Radsport = Doping. Die Skandale um die Teams Telekom, T-Mobile, Gerolsteiner und Milram sowie um die Protagonisten Jan Ullrich, Patrik Sinkewitz, Erik Zabel und Co. haben den Ruf des Sports zutiefst ruiniert. Nun tritt ein Rennstall an, dieses Image zu verbessern.

In Berlin präsentierte sich das neu gegründete Team Giant-Alpecin, der erste deutsche Rennstall mit der höchsten Lizenz seit fünf Jahren. Die Stars der Mannschaft sind die Top-Sprinter Marcel Kittel und John Degenkolb.

Beide machen sich schon lange für ein deutsches Anti-Doping-Gesetz stark, im Frühjahr soll das im November vorgestellte Gesetzesvorhaben in Berlin verabschiedet werden. Degenkolb sieht die Zeit gekommen, dem verrufenen Sport wieder auf die Beine zu helfen. "Viele Sachen im Radsport haben sich gewandelt. Ich habe hart und viel dafür geworben und habe viele Fragen bezüglich Doping beantworten müssen", so Degenkolb: "Wir können auf das bisher Erreichte stolz sein."

Team Giant-Alpecin bei der Präsentation in Berlin Zur Großansicht
AFP

Team Giant-Alpecin bei der Präsentation in Berlin

Degenkolb und Kittel traten auch bei der Team-Präsentation als klare Doping-Gegner auf. "Es ist ein wichtiger Weg, die Regeln noch einmal zu verschärfen. Es darf keine Toleranz gegenüber Betrügern geben", sagte der achtmalige Tour-Etappengewinner Kittel und nahm damit auch den anwesenden Radsport-Weltverbandspräsidenten Brian Cookson in die Pflicht, der dem Astana-Rennstall trotz mehrerer Dopingfälle die WorldTour-Lizenz gewährt hatte.

Die Präsentation inszenierte der Bielefelder Shampoo-Hersteller und Hauptsponsor Alpecin in der französischen Botschaft in Berlin, kein Zufall, schließlich gab die ARD fast zeitgleich mit der Vorstellung bekannt, ab Sommer wieder mit Live-Bildern von der Tour de France (4. bis 26. Juli) zu berichten. 2011 hatten die öffentlich-rechtlichen nur noch aufgrund von Vertragspflichten von der Frankreich-Rundfahrt live berichtet und danach wegen der Dopingskandale die Berichterstattung eingestellt.

Ein neues Team, eine neue TV-Chance für den Sport - das allein wird allerdings noch lange nicht reichen, um die Vergangenheit vergessen zu lassen. Das weiß auch Giant-Alpecin-Teamchef Iwan Spekenbrink. "Ich hoffe, das wird ein neuer Startschuss für den Radsport in Deutschland. Wir übernehmen Verantwortung dafür", sagte er.

Marc Bator, früher "Tagesschau"-Sprecher und nun Team-Berater von Giant Alpecin , sieht die Aufgabe von Kittel, Degenkolb und Co. darin, Radsport in Deutschland wieder auf ein gesundes und vor allem sauberes Fundament zu stellen. "Die Zeit, die hinter uns liegst, muss ein Mahnmal sein. Niemand in diesem Sport darf aufhören daran zu glauben und zu arbeiten, diesen Sport zu erneuern."

Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme, der ebenfalls bei der Präsentation anwesend war, ist froh, mit Giant-Alpecin wieder ein deutsches Erstliga-Team bei der Frankreich-Rundfahrt begrüßen zu dürfen. Im vergangenen Jahr durfte sich bereits der deutsche Zweitdivisionär NetApp-Endura (jetzt Team Bora-Argon 18) über eine Wildcard freuen. Doch trotz guter Resultate fehlte es dem Team an Strahlkraft, um in Deutschland wieder ein Radsport-Fieber zu entfachen. Dies soll nun anders werden.

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insgesamt 21 Beiträge
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1. schlechte Vorlage
Vampiresclub 07.01.2015
Ich liebe ja diesen Sport, und finde auch, Armstrong hätte seine Tour-Titel behalten sollen. Aber ich frage mich trotzdem, was manche Manager solche Entscheidungen treffen lässt. Hätte man nicht ein anderes Produkt aus dem Portfolio als Namensgeber nehmen können, als ausgerechnet jenes das mot dem Sloga "Doping für die Haare" wirbt?
2. Es
alsi 07.01.2015
ist halt ein Geschäft was man am den teamnahmen ja sehen kann. Wer den anderen besser über den Tisch zieht gewinnt.
3. Toller Teamname
hrostock 07.01.2015
Gerade diese Firma mit in den Namen zu nehmen...dusseliger kann man sich doch nicht anstellen. erst mal der eigene Slogan der Firma "...Doping für die Haare" und dann diese nicht gerade seriösen Werbespots mit angeblichen Laboruntersuchungen. Das macht echt Mut. Warum steht da dieses Giant davor? Ich denke es ist ein Deutsches Team!! Klingt außerdem sehr von sich überzeugt...man man. Trotzdem viel Erfolg Jungs, ihr könnt ja für den Namen nichts!
4.
keinereiner 07.01.2015
Zitat von VampiresclubIch liebe ja diesen Sport, und finde auch, Armstrong hätte seine Tour-Titel behalten sollen. Aber ich frage mich trotzdem, was manche Manager solche Entscheidungen treffen lässt. Hätte man nicht ein anderes Produkt aus dem Portfolio als Namensgeber nehmen können, als ausgerechnet jenes das mot dem Sloga "Doping für die Haare" wirbt?
Gebe ich ihnen Recht. Die Manager von Alpecin haben es aber Gold richtig gemacht. Gerade aufgrund ihres Slogans denke bringt ihnen das jede menge Schmunzler und Presseberichte ein.
5.
dont_think 07.01.2015
Zitat von hrostockGerade diese Firma mit in den Namen zu nehmen...dusseliger kann man sich doch nicht anstellen. erst mal der eigene Slogan der Firma "...Doping für die Haare" und dann diese nicht gerade seriösen Werbespots mit angeblichen Laboruntersuchungen. Das macht echt Mut. Warum steht da dieses Giant davor? Ich denke es ist ein Deutsches Team!! Klingt außerdem sehr von sich überzeugt...man man. Trotzdem viel Erfolg Jungs, ihr könnt ja für den Namen nichts!
Das ist ostwestfälischer Humor (jaja, so etwas gibt es wirklich). Außerdem ist Doping so alt wie der Radsport und keineswegs eine Modeerscheinung. Vermutlich wurde systematisches Doping extra für den Radsport im vorletzten (!) Jahrhundert entwickelt.
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Die Sieger der Tour de France
Jahr Sieger Land
2014 Vincenzo Nibali Italien
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
2004 Lance Armstrong* USA
2003 Lance Armstrong* USA
2002 Lance Armstrong* USA
2001 Lance Armstrong* USA
2000 Lance Armstrong * USA
*Aberkannt
Hintergrund: Die Verfahren gegen Jan Ullrich
Klicken Sie auf die Orte der Ermittlungen, um mehr zu erfahren:
Bonn
Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt nach einer Anzeige der Rechtsprofessorin Britta Bannenberg wegen Betrugs zum Nachteil von Ullrichs ehemaligem Arbeitgeber T-Mobile. Staatsanwalt Fred Apostel wollte anhand eines DNA-Abgleichs feststellen, ob es sich bei den gefundenen Blutkonserven im Labor des Mediziners Eufemiano Fuentes in Madrid um Ullrichs Blut handelt. Ullrich gab zwar eine DNA-Probe ab, versuchte aber, mittels mehrerer Klagen in Spanien die Herausgabe der Blutbeutel zu verhindern. Doch die Analyse durch die Bonner Staatsanwaltschaft konnte er nicht verhindern. Sie ergab: Die Beutel enthalten das Blut von Jan Ullrich. Auch der ebenfalls verdächtigte italienische Radprofi Ivan Basso gestand, Blut zu Dopingzwecken bei Fuentes gelagert zu haben. Ende Juli 2007 bekam die Staatsanwaltschaft die Erlaubnis, im Zuge ihrer Ermittlungen die Bankunterlagen Ullrichs einsehen zu dürfen, um eventuelle Zahlungen an Fuentes nachprüfen zu können. Nachdem Ullrich im April 2008 der Weitergabe von Beweismitteln aus der Schweiz zugestimmt hatte, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Zahlung einer sechsstelligen Summe ein. Ullrich sei lediglich eine "geringe kriminelle Energie" zuzuschreiben, da zum Tatzeitpunkt der gesamte Profiradsport verseucht gewesen sei.
Schweiz
Der Schweizer Sport-Verband Swiss Olympic ermittelt gegen Ullrich, da der Deutsche, der in der Schweiz lebt, zum Zeitpunkt der Razzia im Fuentes-Labor eine Schweizer Rennlizenz besaß. Im Gegensatz zu den beiden anderen Ermittlungen handelt es sich hierbei um ein sportrechtliches Verfahren, an dessen Ende Ullrich für immer von Wettkämpfen ausgeschlossen oder freigesprochen werden kann. Der Verband und sein Justitiar Bernhard Welten warten auf Materialien aus Bonn und Madrid, um ein endgültiges Urteil fällen zu können. Die spanische Justiz verwehrte den Sportverbänden bislang die Verwertung ihrer Ermittlungsergebnisse in Sportgerichtsverfahren, da sich die spanischen Ermittlungen ausschließlich auf Fuentes konzentrieren. Aus diesem Grund hat sowohl das Italienische Olympische Komitee (Coni) Ivan Basso, als auch der spanische Verband etwa 30 Sportler vorläufig freigesprochen. Sollten die Ermittlungen in Madrid im Fall Fuentes abgeschlossen sein, könnten diese Fälle wieder aufgerollt werden.
Hamburg
Ullrich hat in Hamburg ein Verfahren gegen den Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke angestrengt, weil der Anti-Doping-Fachmann öffentlich behauptet hatte, Ullrich habe 35.000 Euro an den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes gezahlt. Ullrich bot Franke eine außergerichtliche Einigung an - doch der besteht nach SPIEGEL-Informationen auf eine Beweisaufnahme.
Freiburg
Die Staatsanwaltschaft in Freiburg ermittelt zwar nicht direkt gegen Ullrich, interessiert sich aber im Zuge der Ermittlungen im Dopingskandal rund um die Ärzte der Uniklinik Freiburg für neue Erkenntnisse im Fall des ehemaligen Radsport-Idols.


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