Betrugsprozess gegen Radprofi Schumacher wirft Zeugen Falschaussage vor

Gab es systematisches Doping im ehemaligen Team Gerolsteiner? Nein, sagen die Teamärzte. Natürlich, sagt Radprofi Stefan Schumacher - und bezichtigt die Mediziner der Lüge. Einig sind sich die Beteiligten jedoch darüber, dass Doping ein "Gesprächsthema" innerhalb der Mannschaft war.

Radprofi Schumacher (im Gerolsteiner-Trikot): "Angst um ihren Job"
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Radprofi Schumacher (im Gerolsteiner-Trikot): "Angst um ihren Job"


Hamburg - Im Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher hat auch der dritte als Zeuge geladene Arzt Mark S. die Anti-Doping-Haltung des früheren Radteams Gerolsteiner bestätigt und Hilfe zum Regelbruch verneint.

Schumacher selbst blieb angesichts der Aussage gelassen und bezichtigte die Zeugen der Lüge. "Natürlich haben sie falsch ausgesagt", sagte der vor dem Landgericht Stuttgart angeklagte Schumacher am 13. Prozesstag: "Die Ärzte haben alle Angst um ihren Job. Ich habe ja auch gesagt, ich dope nicht."

Schumacher, der Doping-Missbrauch mittlerweile gestanden hat, steht vor Gericht, weil die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, mit systematischem Doping seinen einstigen Boss beim ehemaligen Gerolsteiner-Team, Hans-Michael Holczer, hintergangen und sich laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" erschlichen zu haben.

Dopingmittel waren Gesprächsthema

Schumacher sagt jedoch, dass Holczer über seine Dopingpraktiken Bescheid gewusst habe und er ihn deshalb nicht habe betrügen können. Die Zeugen, so die Meinung der Schumacher-Seite, hatten die Position des 32-Jährigen gestützt: Sowohl Teamarzt Ernst J. als auch Achim S. hatten in ihren Zeugenaussagen bestätigt, dass Dopingmittel im Team ein Gesprächsthema waren.

J. hatte bei seiner Vernehmung angegeben, es habe Profis gegeben, die "Doping-Fragen gestellt haben: Ist das Mittel leistungsfördernd, ist es nachweisbar". Er habe darauf "durchaus Antworten gegeben, aber klar darauf hingewiesen, dass es im Team Gerolsteiner dieses Vorgehen nicht geben kann".

Für Schumachers Anwalt Michael Lehner ist die Sache klar: "Wenn heute ein Arzt sagt, er habe beraten, dann ist das die Bestätigung der Aussagen von Kopp und Schumacher." Sowohl Schumacher als auch sein ehemaliger Teamkollege David Kopp hatten angegeben, beim Dopen von Teamärzten unterstützt worden zu sein.

Obwohl sich die Ärzte in Einzelheiten widersprachen, waren sie sich in einem wesentlichen Punkt einig: "Die Meinung von Holczer zu Doping war: Haltet euch an den Wada-Code, haltet euch an die Bestimmung", sagte S. Doping sei im Rennstall verboten gewesen, Unterstützung durch die Ärzte habe es für die Fahrer nicht gegeben.

bka/dpa



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insgesamt 3 Beiträge
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plagiatejäger 07.08.2013
1. Und wenn, kann sich niemand erinnern
solche Black-outs sind den Gerichten wie Staatsanwälten bekannt, auch Meineide sind üblich, aber oft schwer nachweisbar.
hansulrich47 07.08.2013
2. Da hilft wohl nur eine Kronzeugenregelung!
Wenn die Zeugen Angst vor Jobverlust haben und deshalb das Schweigekartell hält, muss einer mit Straffreiheit zur Aussage der Wahrheit gebracht werden, oder?? Bisher wurde doch immer nur zugegeben, was verjährt war!! Wenn Abeitslosigkeit droht, ist der Meineid oder die uneidliche Falschaussage nicht weit.
fred82 07.08.2013
3. Unfassbar ...
Dass Herr Holzer wirklich ernsthaft glaubt es würde ihm jemand abnehmen, dass er von den Dopingpraktiken in seinem Team nichts wusste ... Selbst wenn er nicht direkt involviert war, weg geschaut zu Gunsten des Erfolgs hat er mit Sicherheit! echt erbärmlich sein Versuch jetzt hier noch etwas Geld anzugreifen !
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