Radsport: T-Mobile dementiert Interesse an Jaksche, Sinkewitz wird nur kurz gesperrt

Das Team T-Mobile bestreitet, mit dem Doping-Sünder Jörg Jaksche zu verhandeln. Das hatte eine Zeitung gemeldet. Ein Sprecher des Rennstalls sagte SPIEGEL ONLINE: "Jaksche ist kein Thema für uns." Ex-T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz muss ein Jahr pausieren.

Hamburg - Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" steht Jaksche vor einer Verpflichtung beim Bonner Radrennstall T-Mobile. Es soll, so wird Jaksche zitiert, "konkrete Annäherungen über ein Vertragsangebot" gegeben haben. T-Mobile-Teamsprecher Stefan Wagner sagte SPIEGEL ONLINE jedoch: "Jaksche ist im Moment kein Thema für uns."

Telekom-Profi Jaksche (1999): "Fühle mich zu Hause"
DPA

Telekom-Profi Jaksche (1999): "Fühle mich zu Hause"

Zwar habe Jaksche das T-Mobile-Team am Rande der Rad-Weltmeisterschaft in Stuttgart aufgesucht und sei offenbar auch sehr interessiert, nach seiner Doping-Sperre für den Magenta-Rennstall zu fahren, von Verhandlungen weiß Sprecher Wagner aber nichts. Beim Sponsor Telekom, der einen Ausstieg aus dem Radsport prüft, wollte man die Meldung auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.

Jaksche sagte heute: "Fakt ist, ich habe mit T-Mobile nicht über die Modalitäten eines Vertrags geredet. Ich habe kein einziges Angebot."

T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton hatte bereits mehrfach erklärt, dass er eine Verpflichtung von Jaksche, der im SPIEGEL ein umfassendes Doping-Geständnis abgelegt hatte, nicht prinzipiell ausschließe. Er hält den 31-Jährigen für "geläutert" und bescheinigt ihm die "richtige Einstellung".

Jaksche, der von 1998 bis 2000 für das Team Telekom startete, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Ich würde mich nur bei T-Mobile zu Hause fühlen. Das ist nach der internen Neuorientierung das Anti-Doping-Team, das ich suche." Das Gehalt wäre ihm dabei gleichgültig. Der Radprofi, der zuletzt für das zweitklassige Tinkoff-Team fuhr, ist vom österreichischen Radsportverband bis 1. Juli 2008 gesperrt worden und bemüht sich derzeit um eine Reduzierung seiner Sperre.

Das Team Gerolsteiner dürfte als neuer Arbeitgeber Jaksches hingegen nicht mehr in Frage kommen. Nachdem dessen Teamchef Hans-Michael Holczer erklärt hatte, dass ihm Jaksches bisherige Aussagen nicht umfassend genug seien, schrieb ihm der Fahrer einen Brief. Laut "Süddeutscher Zeitung" wirft Jaksche Holczer darin vor, sich voreilig geäußert zu haben und nicht zu begreifen, dass etwa Aussagen gegenüber dem Bundeskriminalamt nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Ansonsten werde eine mögliche Strafverfolgung von Doping-Tätern erschwert.

Zudem schrieb Jaksche, dass Gerolsteiner "die letzten Jahre selbst von Doping-Auffälligkeiten und -Fällen betroffen war". Holczer reagierte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erbost: "Zu Jaksches Brief sage ich kein Wort. So etwas muss ich nicht kommentieren."

Radprofi Patrik Sinkewitz hat von der Kronzeugenregelung profitiert und ist nach seinen Enthüllungen zu den Teams Quickstep und T-Mobile vom Bund Deutscher Radfahrer mit einer Sperre von nur einem Jahr belegt worden - sonst hätte ihm zumindest eine Strafe von zwei Jahren gedroht. Zusätzlich muss der 27-Jährige eine Geldstrafe von 40.000 Euro zahlen, die der BDR zweckgebunden zur Durchführung zusätzlicher Trainingskontrollen im Radsport durch die Nationale Antidoping-Agentur verwendet.

Sinkewitz war beim Training in den Pyrenäen am 8. Juni dieses Jahres bei einer unangemeldeten Kontrolle mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen und daraufhin von T-Mobile suspendiert und später entlassen worden.

all/sid/dpa

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Forum - Wie weit reicht der Doping-Sumpf?
insgesamt 144 Beiträge
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1. leistungssport
nanouc 27.05.2007
Ich hatte das schon mal in einem anderen thread thematisiert. Leistungssport ist dem rock n' roll näher als der ohrenbeichte. Den sauberen ehrlichen sport gibt es nicht. Siehe Mühlegg, Baumann, Ulrich usw usf. Die liste ist endlos. Warum also einer heeren idee nachhängen. Beim popstar regt sich doch kaum noch einer auf, wenn er mal mit koks , h, amphys oder eine minderjährigen erwischt wird. Warum soll der leistungssport anders sein? Also sollte jeder, der leistungssport betreibt mit dem generalverdacht des dopings leben. Dann kann es auch nicht zu solchen szenen wie bei Aldag und Ete kommen. Keine sportförderung durch den staat und wir sparen noch eine menge geld für die ausrichtung von olympia, wm und sonstigen großereignissen. Soll doch dann ein sponsor über pay tv die unterhaltung zahlen. Wie übrigens jetzt schon bei der championsleague.
2. Wettbewerb
Stefanie Bach 27.05.2007
Zitat von nanouc(...) Den sauberen ehrlichen sport gibt es nicht. Siehe Mühlegg, Baumann, Ulrich usw usf. Die liste ist endlos. Warum also einer heeren idee nachhängen. (...)
Wir diskutieren hier doch nur Symptome einer kulturellen Frage: Sind wir in der Lage, geregelten Wettbewerb zu organisieren und zu praktizieren? Der geregelte Wettbewerb wird durch Doping und Dumping bedroht. Beides sind Angriffe auf die Bedingungen eines geregelten, gerechten Wettbewerbs. Vielleicht hat Ulrich gedopt, wir wissen es nicht, was wir wissen ist, dass die SPD-Fraktion Mitarbeiter zu Dumping-Löhnen beschäftigt, hierher gehört der Schwerpunkt der Aufregeung. Widerspruch! Wir müssen als Gesellschaft die Frage klären, ob wir bereit sind, den Bedingungen eines fairen, geregelten Wettbewerbs zu entsprechen. Der Sport ist nur ein (kleiner) Bereich. Ihn alleine aufzuräumen ist zu wenig. Politik und Wirtschaft gehören ins Zentrum. Stefanie Bach Magazin Deutsch (http://www.magazin.institut1.de/)
3. Doping-Sumpf
Seifert 27.05.2007
Würde Doping zum Offizialdelikt erklärt -also jede Form der Leistungssteigerung durch Manipulation unter Strafe gestellt-ginge zwar im internationalen Sport das Licht aus,es bestünde aber die Chance,dass der Sport insgesamt sauberer würde. Leider bleibt das wohl Utopie,wie ja wohl auch der Amateurstatus Großvaters Art schon längst zu Grabe getragen wurde und damit dem Doping massiven Ausmaßes international der Weg bereitet wurde. Ich befürchte,das keine Sportart(nicht mal Angeln oder "Taubensport")ohne Dope auskommt. Bliebe noch die Freigabe:aber soll man sie wirklich schlucken +spritzen lassen,was das Zeug hält? Schade,Tom Simpsom war ein frühes Zeichen,aber begreifen wollte es keiner!!
4.
Iggy Rock 27.05.2007
Beides könnte dem Sport helfen, Amnestie und für diejenigen die da nicht mitmachen bzw. für diejenigen die es weiter betreiben härteste Strafen. Mit der Amnestie könnte man erst einmal für die Aufklärung sorgen und mit harten Strafen, jegliches Doping auf Dauer unterbinden. Die jetzigen Sperrungen oder Geldstrafen sind viel zu lasch. Wie wäre es wenn jeder teilnehmende Sportler vor einem Wettkampf einen Vertrag unterschreiben muss der beinhaltet das ihm, bei nachgewiesenem Doping, nicht nur eine 5-10 jährige Sperre droht, sondern er 80-90% seiner finanziellen Einnahmen (vor allem die durch Werbeverträge), aufgrund möglicher Erfolge unter Dopingeinfluss, der Antidopingforschung und evtl. noch humanitärer Hilfe zur verfügung stellen muss? Das würde richtig wehtun und schnellstens zum umdenken führen. Ebenso müsste man Anreize schaffen das Beteiligte schneller und auch überzeugter auspacken, wenn sie etwas wissen. Das man erst nach einer Karriere als Betreuer im Sport plötzlich auf die Idee kommt mal Klartext zu reden und es der öffentlichkeit mitzuteilen ist zu spät.
5. Wenn schon, dann aber alle aufzählen!
Pinarello 27.05.2007
Zitat von sysopSchwimmen, Wintersport, Leichathletik: Das Thema Doping könnte nach dem Ruf des Radsports auch andere Sportarten ramponieren. Wie kann man den Doping-Sumpf austrocknen? Helfen härtere Strafen oder Amnestie?
Sie bauchen das Thema Doping gar nicht auf den Sport zu begrenzen sondern gleich auf die ganze Gesellschaft beziehen. Also, Nikotin, Kokain, Alkohol, Amphetamine, Ecstasy und "Angstnehmer" schon bei den Schulkindern, der Sport ist nur Teil eines Problemes, das die gesamte Gesellschaft betrifft, was aber automatisch das ERgebnis ist, wenn nur Leistung zählt und per Konkurrenzkampf gnadenlos ausgesiebt wird, siehe Bayern mit seinen Schülern, aber der 4. Klasse, also etwa 10 Lebensjahren wird bereits das gesamte spätere Leben geregelt, wer später mal oben ist oder unten den Bodensatz bildet. Bevor wir hier über Berufssportler urteilen, die wissen ja schließlich was sie machen, fangen wir doch erstmal bei den Kindern im Schulalter an, denn die wissen nicht was mit ihnen gemacht wird.
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