Hamburg - Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" steht Jaksche vor einer Verpflichtung beim Bonner Radrennstall T-Mobile. Es soll, so wird Jaksche zitiert, "konkrete Annäherungen über ein Vertragsangebot" gegeben haben. T-Mobile-Teamsprecher Stefan Wagner sagte SPIEGEL ONLINE jedoch: "Jaksche ist im Moment kein Thema für uns."
Zwar habe Jaksche das T-Mobile-Team am Rande der Rad-Weltmeisterschaft in Stuttgart aufgesucht und sei offenbar auch sehr interessiert, nach seiner Doping-Sperre für den Magenta-Rennstall zu fahren, von Verhandlungen weiß Sprecher Wagner aber nichts. Beim Sponsor Telekom, der einen Ausstieg aus dem Radsport prüft, wollte man die Meldung auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.
Jaksche sagte heute: "Fakt ist, ich habe mit T-Mobile nicht über die Modalitäten eines Vertrags geredet. Ich habe kein einziges Angebot."
T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton hatte bereits mehrfach erklärt, dass er eine Verpflichtung von Jaksche, der im SPIEGEL ein umfassendes Doping-Geständnis abgelegt hatte, nicht prinzipiell ausschließe. Er hält den 31-Jährigen für "geläutert" und bescheinigt ihm die "richtige Einstellung".
Jaksche, der von 1998 bis 2000 für das Team Telekom startete, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Ich würde mich nur bei T-Mobile zu Hause fühlen. Das ist nach der internen Neuorientierung das Anti-Doping-Team, das ich suche." Das Gehalt wäre ihm dabei gleichgültig. Der Radprofi, der zuletzt für das zweitklassige Tinkoff-Team fuhr, ist vom österreichischen Radsportverband bis 1. Juli 2008 gesperrt worden und bemüht sich derzeit um eine Reduzierung seiner Sperre.
Das Team Gerolsteiner dürfte als neuer Arbeitgeber Jaksches hingegen nicht mehr in Frage kommen. Nachdem dessen Teamchef Hans-Michael Holczer erklärt hatte, dass ihm Jaksches bisherige Aussagen nicht umfassend genug seien, schrieb ihm der Fahrer einen Brief. Laut "Süddeutscher Zeitung" wirft Jaksche Holczer darin vor, sich voreilig geäußert zu haben und nicht zu begreifen, dass etwa Aussagen gegenüber dem Bundeskriminalamt nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Ansonsten werde eine mögliche Strafverfolgung von Doping-Tätern erschwert.
Zudem schrieb Jaksche, dass Gerolsteiner "die letzten Jahre selbst von Doping-Auffälligkeiten und -Fällen betroffen war". Holczer reagierte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erbost: "Zu Jaksches Brief sage ich kein Wort. So etwas muss ich nicht kommentieren."
Radprofi Patrik Sinkewitz hat von der Kronzeugenregelung profitiert und ist nach seinen Enthüllungen zu den Teams Quickstep und T-Mobile vom Bund Deutscher Radfahrer mit einer Sperre von nur einem Jahr belegt worden - sonst hätte ihm zumindest eine Strafe von zwei Jahren gedroht. Zusätzlich muss der 27-Jährige eine Geldstrafe von 40.000 Euro zahlen, die der BDR zweckgebunden zur Durchführung zusätzlicher Trainingskontrollen im Radsport durch die Nationale Antidoping-Agentur verwendet.
Sinkewitz war beim Training in den Pyrenäen am 8. Juni dieses Jahres bei einer unangemeldeten Kontrolle mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen und daraufhin von T-Mobile suspendiert und später entlassen worden.
all/sid/dpa
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