Radsport Tour-Etappensieger Schumacher unter Doping-Verdacht

Dem deutschen Radsport droht der nächste Dopingskandal: Gerolsteiner-Profi Stefan Schumacher ist bei der Tour de France positiv auf Epo getestet worden. Das bestätigten die Tour-Organisatoren seinem Teamchef Hans-Michael Holczer.


Hamburg - "Tour-Direktor Christian Prudhomme hat mir das bestätigt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass es stimmt", sagte Hans-Michael Holczer, Schumachers Teamchef beim Rennstall Gerolsteiner. Schumacher wurde umgehend suspendiert.

Radprofi Schumacher: Doping bei der Tour?
DPA

Radprofi Schumacher: Doping bei der Tour?

Zuvor hatte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" von einem positiven Test auf das Epo-Präparat Cera berichtet. Schumacher dementiert die Vorwürfe. Der 27-Jährige hatte bei der diesjährigen Tour de France beide Zeitfahren gewonnen und zwei Tage das Gelbe Trikot getragen.

Eine Blutprobe Schumachers war in einem Labor in Lausanne, eine zweite im Labor der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD nachträglich auf Cera untersucht worden. Das neuartige Epo-Präparat wurde schon während der Frankreich-Rundfahrt dem Italiener Riccardo Riccò vom Team Saunier Duval nachgewiesen. Auch dessen Mannschaftskollege Leonardo Piepoli wurde nun überführt. Der 37-Jährige hatte bereits Doping gestanden und wurde vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens für Freitag zu einer Anhörung vorgeladen. Saunier Duval war aufgrund der Dopingfälle nach der zwölften Etappe aus der Tour ausgestiegen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des positiven Tests von Schumacher kündigte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) die Aufnahme eines Verfahrens an: "Das Verfahren mit dem Ziel der höchstmöglichen Sperre wird am Dienstag eingeleitet", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping der dpa. Zudem wolle der Verband prüfen, ob man Schumacher mit einer Geldstrafe belegen oder Schadensersatz fordern könne. "Ich wage die Prognose, dass Schumacher nie mehr in einer Mannschaft des BDR fahren wird", so Scharping weiter.

Auch Gerolsteiner-Chef Holczer kündigte bereits rechtliche Schritte gegen Schumacher an: "Wir sind alle betrogen worden von diesem Menschen. Ich werde bis zum letzten Cent, den ich besitze, mit allen Konsequenzen und allen Möglichkeiten, die ich habe, versuchen, ihn zivilrechtlich zu verklagen", sagte Holczer.

Das Team Gerolsteiner hatte auch aufgrund der Dopingskandale im Radsport keinen neuen Hauptsponsor für die kommenden Jahre gefunden und wird zum Ende der laufenden Saison aufgelöst.

Schumacher produziert nicht zum ersten Mal negative Schlagzeilen. Er war bereits im vergangenen Jahr unter Verdacht geraten, als er vor der WM 2007 in Stuttgart ungewöhnliche Blutwerte aufwies. Er konnte die Werte damals allerdings mit einer Durchfall-Erkrankung erklären. Kurze Zeit später waren nach einem Autounfall unter Alkoholeinfluss auch Spuren von Amphetaminen in Schumachers Blut gefunden worden.

hut/sid/dpa



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Umberto, 05.09.2008
1.
Zitat von sysopMit Linus Gerdemann wächst ein neuer, noch unbelasteter Star im deutschen Radsport heran. Kann er der Sportart wieder zu mehr Glanz verhelfen? Oder überfordert ihn die Rolle? Und - hat der Radsport hierzulande überhaupt noch eine Zukunft?
Wenn er die Deutschland-Tour gewinnt, ist er noch lange kein Nachfolger für den gestürzten Jan Ullrich. Und, solange er den nicht in den Schatten stellt, auch kein Star. Hat er, einstweilen noch ohne jeden vernünftigen Zweifel.
dehnübung 06.09.2008
2. Radsport
Der Radsport ist körperlich für den Menschen eine der sinnvollsten Betätigungen, nicht zu vergleichen mit dem fahren von "Sportwagen". Deshalb hat der Radsport immer Zukunft, weil Menschen immer interressiert was sie selbst tun. Das Gerdemann bis 17 ein Mountainbiker war, glauben nur Journalisten die zwar viel schreiben, aber wenig verstehen vom Rad fahren. Mountainbiker trainieren 90% ihrer Zeit auf der Strasse, mit was wohl? Dem Rennrad.
DoktorMS, 06.09.2008
3. Der Radsport in Deutschland lebt!
Millionen begeisterte Radfahrer, darunter auch hunderttausende Radsportler, können nicht irren. Radfahren macht Spaß, egal bei welchem Tempo. Und - wenn es einen "gepackt" hat - auch bei jedem Wetter! Wenn die jetzigen Profi-Radfahrer nicht merklich langsamer fahren als die nachweislich gedopten früheren "Helden", wie soll man da als Radsport-Fan an einen wirklichen Neuanfang glauben können? Der Profi-Radsport ist für mich bis zum Nachweis der Sauberkeit erledigt. Früher habe ich mir sogar Tage frei genommen, um die Tour live im Fernsehen verfolgen zu können. Heute schaue ich mir keinen Radsport im Fernsehen mehr an.
Pinarello, 06.09.2008
4.
Zitat von dehnübungDer Radsport ist körperlich für den Menschen eine der sinnvollsten Betätigungen, nicht zu vergleichen mit dem fahren von "Sportwagen". Deshalb hat der Radsport immer Zukunft, weil Menschen immer interressiert was sie selbst tun. Das Gerdemann bis 17 ein Mountainbiker war, glauben nur Journalisten die zwar viel schreiben, aber wenig verstehen vom Rad fahren. Mountainbiker trainieren 90% ihrer Zeit auf der Strasse, mit was wohl? Dem Rennrad.
Psst, nicht so laut, Sie können doch hier nicht so einfach Insiderwissen preisgeben:). Ansonsten volle Zustimmung, einer der wohl schönsten und gesündesten Sportarten die es gibt, auch noch in freier Natur auszuüben und es geht auch bestens alleine, wenn es sein muß. Aber gut, woher sollen Journalisten denn das wissen, es muß ja immer einen geben, der denen das sagt und auch fleißig bezahlt, sonst wird es nix mit positiver Berichterstattung, oder Berichterstattung überhaupt. Wenn man sich heuer den Giro und die Tour angeschaut hat, allerdings nicht auf den beiden Öffentlich-Rechtlichen Oberbedenkenträgeranstalten, dann weiß man, daß auch der Profi-Radsport eine Chance hat, denn fast jeder Hobbyrennradler ist automatisch auch ein Anhänger der Sportart. Da können SPON, ARD und ZDF, sowie die übrige deutsche Medienlandschaft eine Hetzkampagne fahren nach der anderen.
dehnübung 06.09.2008
5. Radsport
Zitat von DoktorMSMillionen begeisterte Radfahrer, darunter auch hunderttausende Radsportler, können nicht irren. Radfahren macht Spaß, egal bei welchem Tempo. Und - wenn es einen "gepackt" hat - auch bei jedem Wetter! Wenn die jetzigen Profi-Radfahrer nicht merklich langsamer fahren als die nachweislich gedopten früheren "Helden", wie soll man da als Radsport-Fan an einen wirklichen Neuanfang glauben können? Der Profi-Radsport ist für mich bis zum Nachweis der Sauberkeit erledigt. Früher habe ich mir sogar Tage frei genommen, um die Tour live im Fernsehen verfolgen zu können. Heute schaue ich mir keinen Radsport im Fernsehen mehr an.
Mir geht es ähnlich. Aber das hat nichts mit dem Ende des Radsports zu tun. Vor 14 Tagen hättest Du mal am Nürburgring sein sollen, da kamen an einem Wochenende über 10.000 Menschen um Sport zu treiben. Wohlgemerkt in der verregneten Eifel, nicht etwa einer Millionen-Metropole wie Hamburg. Mit dem Rennrad auf der Nordschleife mit fast 100km/h, das prickelt. Mir fällt gar keine Sportart ein die nicht betroffen ist, sogar die Pferde waren bei Olympia gedopt. Die öffentlich rechtlichen Medien sollten deshalb mal so langsam ihrem wahren Auftrag nachkommen und einer Veranstaltung wie die am Ring ordentlich Sendezeit widmen, das sind die wahren Sportler und dann kommen nächstes Jahr doppelt soviele. Johannes "Be" Kerner könnte sogar selbst mal eine Runde drehen, damit er weiß wovon er redet. Das gilt für alle sogenannten "Jedermann-Sportveranstaltungen", darüber gehört viel mehr berichtet, anstatt Millionen zu verschwenden für 2 komplette Teams von ARD und ZDF in Peking. Na ja, ich hab den Fernseher ohnehin vor Jahren schon verschenkt, was rege ich mich noch auf.
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