Doping im Radsport Sponsor will UCI verklagen, Hamilton belastet Riis

Bislang drohten nur Dopingsünder Lance Armstrong Millionen-Zahlungen, nun soll auch der Radsport-Weltverband zur Kasse gebeten werden: Der Sportartikelhersteller Skins will die UCI verklagen. Und: Der frühere Radprofi Tyler Hamilton hat Bjarne Riis schwer belastet.

UCI-Präsident McQuaid: "Totaler Vertrauensverlust"
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UCI-Präsident McQuaid: "Totaler Vertrauensverlust"


Hamburg - Der Radsport-Weltverband UCI gerät wegen der Doping-Enthüllungen um Lance Armstrong weiter unter Druck. Der australische Sportartikelhersteller Skins will die Organisation auf zwei Millionen Dollar (etwa 1,5 Millionen Euro) verklagen.

Die UCI habe durch jahrelange Fehlleistungen im Kampf gegen Doping das Marken-Image des Sponsors beschädigt, so die Begründung von Skins. Die Art und Weise, wie die UCI mit dem Dopingproblem umgegangen sei, sei "der Hauptgrund für den totalen Vertrauensverlust des Sports", teilte das Unternehmen mit.

"Die Armstrong-Affäre hat die Reputation des Radsports möglicherweise irreparabel beschädigt", sagte Skins-Chairman Jaimie Fuller: "Als kommerzieller Partner müssen wir daraus schließen, dass auch unsere Glaubwürdigkeit erheblich gelitten hat."

Für diese Schäden soll die UCI nun aufkommen. Skins, unter anderem Ausrüster des amerikanischen und australischen Radsportverbands, sieht auch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung. Das Unternehmen war 2008 in den professionellen Radsport eingestiegen.

Hamilton beschuldigt Riis der Mitwisserschaft

Nach einem Enthüllungsbericht der US-Anti-Doping-Agentur Usada war Armstrong vom Weltverband vor zwei Wochen lebenslang gesperrt worden, zudem wurden ihm seine sieben Tour-Siege aberkannt.

Die UCI steht wegen der Causa Armstrong massiv in der Kritik. Sie soll die Dopingpraktiken durch ihr Verhalten begünstigt haben. Der Chef der Usada hatte dem Weltverband "Versagen" vorgeworfen. Erst am vergangenen Freitag hatte der Verband eine unabhängige Kommission mit der Untersuchung der internen Verbandsvorgänge beauftragt.

Derweil muss sich Radsport-Teamchef Bjarne Riis neuen Vorwürfen stellen. Der zeitweise für Riis fahrende Ex-Profi Tyler Hamilton beschuldigte den Dänen, in den Jahren 2002 und 2003 in allen Details über Blutdoping und andere verbotene Methoden im eigenen CSC-Team informiert gewesen zu sein.

Hamilton hatte mit seinen Aussagen vor der Usada dazu beigetragen, dass Armstrong des Dopings überführt werden konnte. Riis hatte 2007 zugegeben, als Aktiver bei seinem Tour-Sieg 1996 gedopt zu haben. Der Däne will aber als Teamchef und Eigner des früheren dänischen Rennstalls nichts von Doping gewusst haben.

Weder Riis noch sein heutiges Team Saxo Bank-Tinkoff wollten sich zu den neuen Vorwürfen Hamiltons äußern. Der Chef des dänischen Radsportverbandes (DCU), Tom Lund, sagte hingegen dem TV-Sender DR2: "Wenn Hamiltons Behauptung stimmt, dass Riis Fuentes kannte, hat der keinen Platz mehr im Radsport."

bka/sid/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
nudelsuppe 05.11.2012
1.
Zitat von sysopGetty ImagesBislang drohten nur Dopingsünder Lance Armstrong Millionen-Zahlungen, nun soll auch der Radsport-Weltverband zur Kasse gebeten werden: Der Sportartikelhersteller Skins will die UCI verklagen. Und: Der frühere Radprofi Tyler Hamilton hat Bjarne Riis schwer belastet. http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsport-tyler-hamilton-belastet-bjarne-riis-a-865268.html
Tja, die sind alle nur gedopt. Die totale Seuche im Profiradsport (Straßenrennen).
Mannheimer011 05.11.2012
2. 60%
Wer glaubt im ernsthaft, dass Herr 60% seinen Fahrern nur Müsli und Nudeln vorschreibt und Teamchefs, die wochenlang mit den Fahrern in Hotels wohnen nichts wissen bzw. sich nicht mit um die "Logistik" kümmern? Was jetzt scheibchenweise ans Tageslicht kommt, überrascht mich Nullkommanix. Die Naivität seitens UCI aber auch Medien ist ungeheuerlich und fast der größere Skandal als das Doping selbst!
auch noch 05.11.2012
3. Hat Voigte evtl. nicht auch ...
... noch was zu beichten ? Der gute Jens fuhr doch auch ab 2004 bei CSC. Also bei dem Herrn der auf seine gelben Trikots keinen gesteigerten Wert mehr legt und sie, nach eigener Aussage, in der Garage, in einer alten Schachtel, zur Abholung bereit hällt.
TLR9 05.11.2012
4.
Zitat von auch noch... noch was zu beichten ? Der gute Jens fuhr doch auch ab 2004 bei CSC. Also bei dem Herrn der auf seine gelben Trikots keinen gesteigerten Wert mehr legt und sie, nach eigener Aussage, in der Garage, in einer alten Schachtel, zur Abholung bereit hällt.
Es ist doch auffällig, dass Jens Voigt beim Thema "Doping" sehr kleinlaut reagiert. Sein sonst so medienwirksamer Unterhaltungsfaktor sinkt jedes Mal gegen Null. Das war schon vor Jahren so, als er mal zu diesem Problem im aktuellen Sportstudio eingeladen wurde. Jeder der mal betrogen wurde, würde sich aufregen. Bisher machen es nur die Sponsoren, die in den vergangenen Jahren in den Radsport investiert haben. Die Medien hätten aber schon früher reagieren können. Während der Tour de France 2004 hatte Lance Armstrong vor den Kameras Filippo Simeoni während einer Etappe gedemütigt, indem er seine Fahrt in einer Fluchtgruppe vereitelt hatte. Er war Kronzeuge im Prozess gegen Michele Ferrari. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte man Druck auf die UCI ausüben müssen. In dem Jahr gewann Armstrong alle Alpenetappen ...
tiermitgeist 05.11.2012
5. 2008...
ist die Firma Skins also in das Sponsoring des Radsports eingestiegen...und sind itzo 2012 ganz überrascht, dass dort massiv gedopt worden ist/wird?! Willkommene Gelegenheit um sich a) als Saubermann zu gerieren & b) in einem außergerichtlichen Vergleich noch ein paar Mio. rauszuholen & so die eigenen Bilanzen aufzuhübschen. Auch wenn es mit dem UCI nun gewiss nicht den Falschen trifft, so bleibt doch ein Geschmäckle von purer Scheinheiligkeit.
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