Tour de France Warum wir berichten - trotzdem

Nur Lügner und Betrüger? Das Ansehen des Radsports hat in den vergangenen Jahren unter dem Eindruck der Dopingskandale heftig gelitten. Wenn jetzt die 100. Tour de France beginnt, schauen viele weg. SPIEGEL ONLINE berichtet von der Frankreich-Rundfahrt. Weil der Mythos weiterlebt.

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Früherer Radprofi Ullrich: 2004 auf dem Weg nach Alpe d'Huez
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Früherer Radprofi Ullrich: 2004 auf dem Weg nach Alpe d'Huez


Am 17. Januar dieses Jahres, irgendwann nachts gegen drei Uhr, war die Tour de France klinisch tot. Da plauderte Lance Armstrong, der Dominator des Radsports, drüben in den USA bei Talkqueen Oprah Winfrey zur dortigen Prime Time aus, bei all seinen sieben Tour-Erfolgen gedopt gewesen zu sein. So, das war's. Schluss damit. Endgültig.

An diesem Samstag beginnt auf Korsika die 100. Tour de France. Und SPIEGEL ONLINE wird auch in diesem Jahr nach Frankreich reisen und von der Rundfahrt berichten. Wir werden nach spannenden Geschichten suchen über Sportler, die Menschen dahinter, über tragische Verlierer und überraschende Gewinner, auch, ja natürlich, über Doping.

Warum, nach all dem? Nach Festina-Skandal, Telekom-Skandal, US-Postal-Skandal? Nach dem peinlichen Herumdrucksen des Jan Ullrich, nach der Seifenoper des Lance Armstrong, nach der Farce des Fuentes-Prozesses? Warum diesem Sport noch ein großes Podium bieten?

Weil der Radsport faszinierend ist und bleibt, trotz allem. Weil er ein Sport ist, der von seinen Protagonisten verlangt, an die körperlichen und menschlichen Grenzen zu gehen. Weil die Tour de France das härteste und wichtigste Radrennen und eine der größten Sportveranstaltungen der Welt ist. Die Tour ist ein Mythos. Ein bröckelnder Mythos zwar, aber ein Mythos.

Viel Mythos, viel Selbstbetrug

Wer einmal dabei war, direkt am Wegesrand, einer unter Zigtausenden begeisterten Radsportfans, wer in die Gesichter der Fahrer am Berg geschaut hat, ihren Atem hört, ihr Stöhnen, dazu das Surren der Räder, und alles unterlegt von dem Jubelteppich der Menge, der kommt schwerlich davon los. Wenn sich der Pulk der Zuschauer am Berg erst direkt vor dem Fahrer öffnet, als wäre es das Rote Meer im Alten Testament vor Moses, wenn Zuschauer und Sportler fast miteinander verschmelzen - das sind Momente, die auch all die Betrüger, Heuchler und Verschweiger im internationalen Radsport nicht kaputt machen können.

Armstrong hat alles gegeben, den Radsport zu beerdigen. Selbst er hat es nicht geschafft.

Es wäre verkehrt, den Radsport und die Athleten jetzt sich selbst zu überlassen. Wir, die Medien, waren es schließlich, die einen Neuanfang gefordert haben, die mit dem Finger auf jeden gezeigt haben, der beim Doping erwischt wurde oder der es zugab. Wir haben verlangt: Macht endlich reinen Tisch, dann reden wir wieder. Es ist Zeit für erste Gespräche.

Junge Deutsche gehen offensiv mit dem Thema Doping um

Natürlich ist es naiv zu glauben, dass nun alles anders und der Radsport völlig sauber wäre. Nicht einmal die Sportler selbst wollen uns das weismachen. Naivität gehörte immer dazu bei der Tour, auch bei den Berichterstattern, sich und den Zuschauern einzureden, den Mont Ventoux, den Col d'Aubisque, die Serpentinen hoch nach L'Alpe d'Huez lediglich mit der Kraft eines guten französischen Mineralwassers in höchstem Tempo zu bewältigen. Die Faszination Tour de France zu Zeiten des Eddie Merckx, des Bernard Hinault, des Miguel Indurain hatte auch immer mit sehr viel Selbstbetrug des Publikums zu tun.

Aber vielleicht gibt es sie tatsächlich, diese neue Generation von Radfahrern, die mit den Dopingmachenschaften der vergangenen beiden Jahrzehnte nichts mehr zu tun haben will. Junge Fahrer wie die Deutschen Tony Martin, John Degenkolb oder Marcel Kittel haben mittlerweile einen völlig anderen Weg gefunden, über Doping zu sprechen. Sie gehen offensiv mit dem Thema um, verlangen ein deutsches Anti-Doping-Gesetz. Mit dem Schweigegesetz der Dopingmafia hat das nichts mehr gemein.

Der Radsport, die Tour de France - sie sind zu groß, um ihnen nicht noch einmal eine Chance zu geben. Zugegeben, es ist nicht mehr die zweite Chance, es ist auch nicht die dritte, sie alle wurden vertan, es ist die zehnte oder elfte Chance. Und vielleicht ist es auch die letzte.

Wissen kann es keiner, ob in diesem Jahr alles mit rechten Dingen zugeht, so ganz glauben kann man es auch nicht. Dazu wurde das Vertrauen zu oft enttäuscht.

Skepsis ist angebracht. Aber Vorfreude auch.



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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
OmaBär 28.06.2013
1. Wegen Geld natürlich!
Bitte erwähnen Sie bei den führenden Fünf, WELCHE Dopingmittel genommen wurden. So weiß der Zuschauer wenigstens, WAS wirkt.
thorkhan 28.06.2013
2. Kann man ...
... den Fahrern nicht Sensoren einpflanzen, die minütlich anzeigen, welches Dopingmittel bereits in welchem Maße abgebaut ist und Rückschlüsse für Spontanwetten zulässt, wer das Rennen schließlich gewinnen lässt? In Ego-Shootern geht das doch auch mit den Painkillern.
jayram 28.06.2013
3. Der Zustand der Tour
spiegelt den Zustand der Menschheit wieder. Auf Grund der großen Leistung und Belastung treten alle positiven wie negativen Verhaltensweisen noch deutlicher hervor. War schon immer so und wird sich auch nicht ändern. Der Rückzug von ARD und ZDF war für mich immer so richtig charakterlos, nachdem man jahrelang nicht hinsehen wollte und besonders deutsche Protagonisten in den Fahrradhimmel gebetet wurden. Wer erwartet das hartgesottene Radprofis plötzlich zu Chorknaben werden, hat irgendwas am Leben total falsch verstanden. Wer erwischt wird hat Pech gehabt. Die Tour macht Spaß, ob am Straßenrand oder vor der Glotze.
chico 76 28.06.2013
4. Richtig so.
Zitat von sysopAPNur Lügner und Betrüger? Das Ansehen des Radsports hat in den vergangenen Jahren unter dem Eindruck der Dopingskandale heftig gelitten. Wenn jetzt die 100. Tour de France beginnt, schauen viele weg. SPIEGEL ONLINE berichtet von der Frankreich-Rundfahrt. Weil der Mythos weiterlebt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsport-warum-die-tour-de-france-faszinierend-bleibt-a-905270.html
Der Mythos 100m-Lauf wird von den ÖR doch auch übertragen. Dass man die TdF nicht überträgt, liegt wohl an der Vielzahl deutscher Doper. Scheinheilig m.E., offensichtlich ist man Opfer eines medialen shitstorms geworden, Eurosport freut es, mich nicht, denn bei den Werbepausen konnte man umschalten.
gekreuzigt 28.06.2013
5. Der Mythos
Weil der Mythos weiterlebt. Radsport: Warum die Tour de France faszinierend bleibt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/radsport-warum-die-tour-de-france-faszinierend-bleibt-a-905270.html)[/QUOTE] ist schon lange totgespritzt worden. Berichterstattung überflüssig.
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