Rafael Nadal bei den French Open Irgendwie muss er zu schlagen sein

Gegen Rafael Nadal in Roland Garros gewinnen - es ist seit 13 Jahren die schwierigste Aufgabe im Tennis. Vor allem zwei Akteure machen sich diesmal Hoffnungen: Alexander Zverev und Dominic Thiem.

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US-Tennisjournalist Tom Perrotta hat die traurige Wahrheit für alle Tennisprofis in eine schöne Überschrift gegossen: "Irgendwie ist Rafael Nadal auf Sand noch besser geworden", schrieb er.

Vor allem das "irgendwie" drückt die Gedankenwelt der Nadal-Gegner gut aus. Denn der "King of Clay" hat seit 2005 fast alles auf der roten Asche abgeräumt: zehn Titel bei den French Open, elf in Monte Carlo und Barcelona, acht in Rom, fünf in Madrid, unter anderem. Nadal gewann zwischen April 2005 und Mai 2007 verrückte 81 Matches auf Sand in Folge und zwischen April 2017 und Mai 2018 wahnwitzige 50 Sätze am Stück.

Eigentlich ein anderer Sport

Nadals Tennis: Es ist kein Tennis im eigentlichen Sinn - es ist ein anderer Sport. Nadal spielt mit extremstem Topspin, der dafür sorgt, dass der Ball auf der Gegenseite hoch abspringt, sich weiterdreht und eine Extra-Portion Wucht auf das Saitenbett des Gegners gibt. Linkshänder Nadal quält seine Gegner auf der Rückhand und nagelt sie dort fest, vor allem die Einhänder, denen irgendwann das Timing und die Kraft fehlen, bei einem Treffpunkt auf oder über Schulterhöhe mit ordentlicher Länge dagegenzuhalten. Sobald dieser Punkt nach zwei, drei, fünf oder sieben Schlägen erreicht ist, donnert Nadal seine Vorhand in die andere Ecke.

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Rafael Nadal: Der Alleinunterhalter

Dazu kommen Nadals Beinarbeit, ein Ballgefühl, das oft unterschätzt wird, der fiese Linkshänder-Aufschlag sowie ein exzellenter Volley; für einige ist Nadal ein besserer Netzspieler als Roger Federer. Als Nadal im Jahr 2005 mit genau diesem Spiel erstmals auftrumpfte, waren sich die Experten einig: Er, der damals gerade mal 19-Jährige aus Manacor, spiele so körperschädigend, dass in ein paar Jahren Schluss sei. Nadal solle froh sein, wenn er mit Ende 20 noch gerade gehen könne.

Am 3. Juni 2018 wird Nadal 32 Jahre alt, wie fast immer wird er seinen Geburtstag während der French Open feiern. Und wie fast immer wird er der Mann sein, den es zu schlagen gilt. Irgendwie.

Söderling und Djokovic - und sonst niemand

Wenn der Centre Court von Wimbledon das Wohnzimmer von Boris Becker war, so ist der Court Philippe Chatrier der Sandkasten von Nadal. Der Hauptplatz in Paris ist weitläufiger als alle anderen Plätze der Welt; wer zum ersten Mal hier spielt, hat das Gefühl, sich zu verirren, und agiert gern mal zu weit hinten, in der Defensive. Nadal, der bei seinen Returns teilweise fünf, sechs Meter hinter der Grundlinie lauert (und damit auf normalen Plätzen fast in der Bande hängt), hat hier genug Platz, sich in die Ballwechsel reinzuarbeiten und sein Spiel aufzuziehen.

In den vergangenen 13 Jahren haben es nur zwei Spieler geschafft, Nadal bei den French Open zu besiegen. Am 31. Mai 2009 fügte ihm der Schwede Robin Söderling mit furchtlosem Angriffstennis die erste Niederlage in Roland Garros nach 31 Siegen zu. Und am 3. Juni 2015, ausgerechnet an Nadals Geburtstag, bezwang ihn ein zu dieser Zeit überragend konstanter Novak Djokovic, der zuvor alle sechs Begegnungen gegen Nadal in Paris verloren hatte.

Ohne die Erfolge von Söderling und Djokovic kleinzureden: 2009 hatte Nadal Knieprobleme (er fiel nach Paris lange aus), 2015 hatte er seine Dominanz verloren und kämpfte mit seinen Nerven. (2016 gab Nadal während des Turniers verletzungsbedingt auf.) Einen Nadal in Normalform hat in Paris noch keiner geschlagen, im Vorjahr holte er sich seinen zehnten Titel - ohne Satzverlust.

Thiem und Zverev können Nadal bezwingen

Die möglichen Nachfolger von Söderling und Djokovic, die Nadal auf Sand etwas anhaben könnten, heißen Dominic Thiem und Alexander Zverev.

Der Österreicher Thiem hat Nadal die einzigen beiden Niederlagen der letzten beiden Jahre beigebracht: 2017 in Rom, 2018 in Madrid. Thiem spielte jeweils hochriskant, nagelte Nadal weit in dessen Rückhand fest und schoss seine Vorhand irgendwann auf die von Nadal, der nicht mehr herankam oder mit einem zu kurzen Schlag antwortete. 7:5, 6:3 hieß es am Ende in Madrid. "Extrem diszipliniert" nannte Thiem-Coach Günter Bresnik das Spiel seines Schützlings - dazu kam, dass Thiem alles traf. Aber auch er holte sich schon Packungen gegen Nadal ab: Im Vorjahr im Halbfinale von Paris (3:6, 4:6, 0:6); in diesem Jahr in Monte Carlo (0:6, 2:6).

Alexander Zverevs Bilanz gegen Nadal steht bei 0:5. In zwei Matches auf Sand war er chancenlos, vor einer Woche im Finale von Rom führte er 3:1 in Durchgang drei, bevor der Regen kam und sein Momentum aufweichte. Zverev holte kein Spiel mehr. "Es ist hart, so zu verlieren - aber es war gegen Rafa, von daher ist das irgendwie okay", philosophierte er im Anschluss.

Thiem und Zverev, eventuell ein wiedererstarkter Djokovic: Das sind die einzig ernsthaften Kandidaten, die Nadal in Paris angreifen können. Thiem mit seinem "Heavy Spin", Zverev mit seinen ersten Aufschlägen und aggressivem Grundlinienspiel, Djokovic mit der Erinnerung an sein eigenes Ich aus den Spielzeiten 2015 und 2016.

Die gute Nachricht für Thiem und Zverev: Sie können erst im Endspiel auf Nadal treffen. Die schlechte: Bei den French Open geht es im Vergleich zu Monte Carlo, Barcelona, Madrid oder Rom über drei Gewinnsätze - eine Distanz, über die Nadal in 106 Vergleichen 104 Mal als Sieger hervorgegangen ist. Und ein Finale in Paris hat er noch nie verloren.

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insgesamt 4 Beiträge
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Sibylle1969 28.05.2018
1.
Ich bin seit 2005 Nadal-Fan, weil ich seine Spielweise toll finde: erst mal in der Defensive bleiben und abwarten, bis der Gegner einen Fehler macht oder ein Ball zu kurz gerät, im letzteren Fall übernimmt er dann schlagartig die Initiative und geht in die Offensive und macht oft direkt den Winner, oder er geht vor ans Netz und vollendet den Punkt mit einem Volley. Federers Spiel mag eleganter sein, aber ich mag einfach lieber das Spiel von Nadal. Und ich wollte auch noch mal darauf hinweisen, dass Nadals Bilanz gegen Federer 23:15 beträgt (Quelle: Wikipedia).
Daniel1288 28.05.2018
2. Halbwissen
Ist gefährlich. Erstens warum bringen Sie als Fan von Rafa nun Federer ins Spiel? Und zweitens. Lesen Sie die Statistiken die sie zitieren genauer. Nadal gewann von 38 Matches genau 23. Das klingt zuerst deutlich. Aber 15 dieser Matches fanden auf Sand statt. Rafas spezialbelag. Aber f diesem gewann Nadal 13 seiner Spiele. Auf Hardcourt (11-9) und Rasen (2-1) liegt jeweils Federer vorne. Da wir wissen das Nadal der wohl beste Sandplatzspieler ist den es je gab ist sein Vorsprung nun leicht zu erklären. Wir halten nun fest. Wenn man sich nicht auskennt lieber schweigen und am besten das Spiel der beiden genießen so lange wir können. Denn außergewöhnlich sind beide
nixus_minimax 28.05.2018
3. Ähh
Zitat von Daniel1288Ist gefährlich. Erstens warum bringen Sie als Fan von Rafa nun Federer ins Spiel? Und zweitens. Lesen Sie die Statistiken die sie zitieren genauer. Nadal gewann von 38 Matches genau 23. Das klingt zuerst deutlich. Aber 15 dieser Matches fanden auf Sand statt. Rafas spezialbelag. Aber f diesem gewann Nadal 13 seiner Spiele. Auf Hardcourt (11-9) und Rasen (2-1) liegt jeweils Federer vorne. Da wir wissen das Nadal der wohl beste Sandplatzspieler ist den es je gab ist sein Vorsprung nun leicht zu erklären. Wir halten nun fest. Wenn man sich nicht auskennt lieber schweigen und am besten das Spiel der beiden genießen so lange wir können. Denn außergewöhnlich sind beide
jetzt nichts gegen Federer (Er und Nadal sind übrigens gute Freunde) Aber wenn er doch nun mal 23 gewonnen und nur 15 gewonnen hat, ist es doch richtig was der gute Mann vor Ihnen schrieb? Beide sind großartige Tennislegenden die beide nicht jünger werden und dennoch immer wieder zeigen wo der Hammer hängt Federers Ding ist eher Wimbledon, Nadals halt Paris.
ulisses 31.05.2018
4.
Ich bin auch Rafa-Fan, aber auch Federer-Fan, was es manchmal nicht leicht macht. Wenn man Tennis als Kunst betrachtet, geht das sehr wohl. In Ihrem Kommentar haben Sie, wie auch der Autor des Artikels, eine wichtige Sache übersehen. Nadal versteht es sehr, sehr gut, Ballwechsel kurz zu halten und schnell zu gewinnen. Auf der sehr detaillierten Saite ATPworldtour.com gibt es dazu jede Menge Statistiken. Da führen zum Beispiel nicht Isner oder Raonic bei den Punkten nach dem zweiten Aufschlag, sondern ein gewisser Nadal. Im Endspiel gegen Zverev machte Nadal besonders viele Punkte direkt nach seinem Aufschlag. Er wartet eben NICHT einfach nur ab und spielt eben NICHT nur Mondbälle. Im modernen Tennis muss man es verstehen, den kleinen oder großen Vorteil beim Aufschlag für sich zu nutzen. Wenn man schon man selbst Amy Drücker ist, gilt es den Punkt spätestens mit dem zweiten Schlag nach dem Aufschlag zu gewinnen. Bei Nadal sieht man daher sehr häufig folgendes Muster: Aufschlag nach außen, und dann möglichst schnell auf den Punkt gehen. Da spielt Nadal durchaus sehr aggressiv. Man muss nicht unbedingt Serve n Volley spielen, um schnell den Punkt einzufahren. Das ginge bei der Qualität der heutigen Returns sowieso selten gut. Also, liebe Spiegel-Autoren und Tennisfans: bitte nicht nur in Cliches denken. Nadal ist zwar auf Sand am gefährlichsten, er ist aber nicht wie damals Vilas und Borg, ein bloßer Schaufler und Socherheitsspieler.
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